Doch kein Artikel über Väterblogs ;-)

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Gestern war Vatertag und ich habe darüber nachgedacht, wie ich dieses Thema bei KingKalli würdigen könnte. Ich bin ja gar kein Vater und ich lebe noch nichtmal mit einem zusammen (hab ich aber mal ;-). Und ich bin kein Fan von solchen Tagen. Von Vätern schon. Und von Müttern auch. Ich mag Menschen halt, eigentlich egal ob Kinder, Erwachsene, Mädchen, Jungen, Männer, Frauen …. Aber diese „Tage“?!

Vatertag. Muttertag. Als ob man nur an einem Tag seine Eltern würdigen sollte. Und überhaupt: Vatertag. Was soll das sein? Muttertag in nachgemacht? Kleiner Seitenblick zu Wikipedia: Ne, da bin ich wohl falsch gewickelt, die gibt es beide seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Aber damit wollte ich mich nun wirklich grade nicht befassen. Ja, so bin ich vom Hölzchen aufs Stöckchen gekommen und der Vatertag war vorbei, bevor ich etwas über „Väterblogs“ geschrieben habe. Sorry dafür. Aber dafür ist heute ja auch noch ein Tag und hier kommt der Artikel, aber nicht nur über Väterblogs.

„Elternblogs sind wichtig“

Denn das Thema wollte ich mir eigentlich vorknüpfen: Väterblogs. Auf der re:publica, der großen Bloggermesse in Berlin habe ich Anfang Mai zwei Vorträge besucht. „Der Online-Elternclan: Zur gesellschaftlichen Bedeutung von Elternblogs“ und „Väter zwischen Windeln und WLAN“.
Susanne Mierau, Jahrgang 1980, studierte Pädagogin mit Schwerpunkt Kleinkindpädagogik und eigener Praxis für Naturheilkunde und Familienbegleitung in Berlin hielt den ersten Vortrag. Message: „Elternblogs sind wichtig“. Da der Familienclan in unserer Gesellschaft wegfalle, falle auch das Weitergeben weg und müsse kompensiert werden durch die Gemeinschaft im Netz. Der Onlineclan auf Facebook, Twitter und in persönlichen Blogs ersetze den Familienclan. Mein Kind hat Fieber und ich weiß nicht was zu tun ist, dann gehe ich mal eben schnell zu Twitter und die Gemeinschaft wird mir schon einen Tipp geben, so Susanne Mierau. In Blogs wird im Tagebuchstil der Alltag festgehalten, alle Gedanken finden hier Platz, nicht begrenzt in Form und Länge.
Diese Sammlung von Einträgen wird schließlich ein Kulturgut sein, das unsere Gesellschaft zeigt. Und noch einmal ihr Appell: „Bloggt, denn es ist wichtig“.

Parallel zu dem Vortrag blättere ich auf meinem Smartphone durch ein paar Seiten Elternblogs. Hier hat Mama gerade mit Schnurzelchen den Kleiderschrank ausgemistet. Mäusekind 2 hat sich übergeben. Nicht nur auf sein Shirt und die Haare, nein auch über das Sofa ging das Erbrochene und jetzt ist Wäschewaschen angesagt. Sohnemann 1 spielt gerne an seinem Pippimann. Und dort sinniert Mama darüber, dass Sebastian nicht hochbegabt ist, aber trotzdem so lustige Sprüche drauf hat und gerne an Bäumen schaukelt.
Mich überkommen Zweifel. Ich weiß nicht, ob ich alles was ich hier lese, wichtig finde. Ja, man kann sich damit berieseln lassen und unterhalten. Im besten Fall ist es gut geschrieben und witzig. Und es wird sicherlich ein Zeitzeugnis sein und eine Gesellschaft zeigen, der es gut geht und die Zeit hat, sich ausgiebig mit all diesen kleineren und größeren Banalitäten des Alltags zu beschäftigen. Und wenn mein Kind Fieber hat, verlasse ich mich trotzdem auf mein Gefühl, ob Medizin notwendig ist und im Zweifelsfall befrage ich meinen Arzt oder Apotheker und nicht die Twittergemeinde.

Kinder im Rampenlicht

Worüber ich mir bei all dem lustigen Geposte am meisten den Kopf zerbreche, sind die Kinder. Wollen sie in das Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden und als Jugendliche lesen, dass sie als Kleinkind so gerne am Pippimann gespielt haben? Wollen sie, dass die Großeltern das lesen, oder die Lehrer, oder die Nachbarn? Ich weiß noch, wie verhasst es einem in der Jugend war unter den kritischen Augen der Nachbarschaft aufzuwachsen. „Was sollen nur die Nachbarn denken“, wenn man zu spät nach Hause kommt, oder was getrunken hat, zu dick oder dünn ist? Man musste gut aufpassen, nicht aufzufallen.

Heute kann man aufpassen, so gut man will. Mama oder Papa werden sowieso dazu posten. Die Tochter ist ’ne Zicke, Sohnemanns Hormone spielen verrückt … Ob sie wollen oder nicht: Das nächste Posting ist rausgehauen, egal ob wegen ’ner eins oder fünf in Mathe oder einer pubertären Verfehlung oder nur weil man so süß oder so schlau ist.
Holger Reuß, Betreiber von Papaganda.org und Teilnehmer an der Talkrunde „Väter zwischen Windeln und WLAN“ hat sich auf seinem Blog mit der Frage beschäftigt, wie man seine Kinder im Netz zeigt. Kind 1 hat seinen Vater nämlich damit konfrontiert, keine Bilder von sich im Netz sehen zu wollen. Begründung: „Stell dir mal vor es wäre jetzt ein Bild von mir im Internet mit der Frisur, die mir eine Zeit lang gut gefallen hat. Jetzt gefällt mir aber eine andere viel besser. Dann könnte jetzt jeder Fotos von mir mit einer Frisur sehen, die mir gar nicht mehr gefällt. Das wäre blöd.”

Hauptsache gut ;-)

Auch Andreas Lorenz, Betreiber von papa-online.com macht sich auf seiner Seite Gedanken zum Fotografieren der Kinder. Er empfindet Väter als Geiseln der Foto- und Video-Industrie und appelliert an seine Leserschaft, eine Balance zu finden zwischen Erleben und Festhalten von Momenten. Auf seiner eigenen Seite sind Fotos seiner Kinder tabu. Auf der re:publica 2014 erzählt er, dass es ihm einfach wichtig sei, über die männliche Sicht der Dinge zu bloggen. Das macht er inzwischen seit sieben Jahren und seine Themen sind eher allgemeiner Natur, seine Kinder bleiben dabei im Hintergrund. Auf papa-online.com finden Väter alle möglichen Tipps zu Themen wie Schwangerschaft, Geburt („Jetzt geht’s los. Die 5 wichtigsten Fragen wenn die Geburt bevorsteht“) oder Vaterschaft allgemein („Warum Dein Kind immer zur Mama will“, „Plötzlich Alleinverdiener! Kein Grund zur Panik“ …). Interessant zu lesen. Für Väter – und für Mütter natürlich auch!

Und deshalb ist es im Grunde egal, ob man jetzt eine bloggende Mutter, oder ein bloggender Vater ist, eine Frau, ein Mann, Muttertag oder Vatertag hin und her. In der geschriebenen Welt interessiert es mich, ob Artikel gut geschrieben und Seiten gut gemacht sind. Und für meinen Geschmack müssen dafür nicht die eigenen Kinder privat gezeigt werden. Aber das kann natürlich jeder selber entscheiden.

Mit ihren Väterblogs gehören Reuß und Lorenz zur Minderheit der Elternblog-Betreiber. Nur 13 % davon sind Väter. Eine Einteilung in Schubladen ist Holger Reuß dabei übrigens zuwider. Genau gestern – pünktlich zum Vatertag – schreibt er: „Dieeeee Mamablogs, oder dieeee Papablogs gibt es nicht. Vielfalt und Unabhängigkeit ist das, was es zu bewahren gilt. Schubladen sind da, um geöffnet und neu sortiert zu werden. Nicht jeder Vater bloggt über Gadgets und nicht jede Mutter über Windelwechseln und Stillen.“

In diesem Sinne lade ich ein, sich selber ein Bild zu machen.

Hier ein paar Links:

Mamablogs:
An dieser Stelle mache ich es mir einfach – bei Brigitte-Mom gibt es ein Liste mit unzähligen Mama-Blogs (als ich nach „Papa“ gesucht habe tauchte dagegen nur 1 Blog in der Liste auf):
Brigitte-Mom

Väterblogs:
papaganda.org
papa-online.com
www.papalapapi.de/
www.vaeterblog.de/
www.passionpapa.de/

Ein Artikel über Väterblogs:
Spiegel-Online: Blogs von Vätern: Windeln, Gadgets, Pillermänner

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