Zu Angriffen sogenannter Grusel- oder Horror-Clowns kursieren online viele (Falsch-)meldungen, die Panik verbreiten. „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht“, gibt Tipps für Eltern von Kindern aller Alterstufen von Kindergartenkind bis Jugendliche. Auch die Polizei Aachen hat ein paar Ratschläge parat.
Tipps für Eltern von Vorschulkindern
– Auf die jeweilige emotionale Lage, das Interesse und das Verständnis des Kindes eingehen und passende Erklärungen finden
– Das Kind sollte nicht aktiv mit Dingen überrannt werden, die es gar nicht beschäftigen.
– Das Thema behutsam und nur auf Nachfrage der Kinder ansprechen sowie Fragen klar und altersgerecht beantworten
– Auf Spekulationen und Emotion verzichten, um Ängste nicht zu vergrößern.
– Das Grundvertrauen stärken, indem man betont, dass die Polizei und man selbst aufpasst.
– Hilfreich kann auch der Hinweis sein, dass manche Nachrichten zu Clowns übertrieben sind.
– Nicht alle Clowns sind gefährlich, die „Horrorclowns“ haben nichts mit den positiven Figuren zu tun, die die Kinder sonst kennen.
Grundsetzliches zu Kindern im Vorschulalter:
Weil Vorschulkinder Fantasie und Realität noch nicht immer gut trennen können, reagieren sie meist emotionaler als ältere Kinder, weil sie rasch große und teilweise irrationale Ängste entwickeln, dass ihnen oder ihren Eltern etwas Ähnliches passieren könnte. In diesem Alter fürchten sich Kinder vor allem davor, ihre Eltern zu verlieren oder von ihnen getrennt zu werden. Willkürliche Gewaltakte geben ihnen das Gefühl, dass die Welt unsicher ist, dass jederzeit etwas passieren kann. Für sie ist es wichtig zu wissen, dass die Eltern alles tun, um es zu schützen.
Tipps für Eltern von Schulkindern und Jugendlichen
Das Phänomen der Horror-Clowns stammt aus den USA und ist inspiriert von Horrorfilmen sowie „Pranks“ – derben Scherzen, die man filmt und online stellt. Die Clowns jagen anderen durch Gewaltdrohung oder Erschrecken Angst und Schrecken ein, die Videos dazu werden oft veröffentlicht. Einige Meldungen dazu sind von der Polizei bestätigt, doch viele andere, vor allem über Messenger und soziale Medien verbreitete, sind erlogen.
Kinder aufklären und beruhigen
Meldungen über Horrorclowns können Kinder im Schulalter, aber auch Jugendliche, verängstigen. Manche fürchten sich, selbst Opfer einer Attacke zu werden. Am besten sprechen Eltern ruhig darüber, wenn ihr Kind entsprechende Nachrichten gesehen hat. „Beruhigen Sie Ihr Kind und weisen Sie es darauf hin, dass viele Meldungen im Netz falsch sind. Vereinbaren Sie aber auch Verhaltenstipps, wie etwa nicht alleine im Dunkeln unterwegs zu sein“, so SCHAU HIN!-Mediencoach Kristin Langer.
Nicht zum Nachahmer werden
Andere verspüren den Reiz, solche Situationen nachzuspielen, zu filmen und online zu veröffentlichen. „Eltern können hier deutlich machen, dass für Opfer dieses Spiel nicht lustig ist, und solche Aufnahmen diese auch noch bloßstellen“, so Langer. Solche Spiele sind nur okay, wenn alle Beteiligten wissen, dass es nur ein Spaß ist und wo die Grenzen liegen.
Fake-Meldungen enttarnen und nicht weiterleiten
Erhalten Jugendliche Hinweise auf Vorfälle, sind die Herkunft und Plausibilität solcher Aufnahmen in Ruhe zu prüfen, bevor sie sich unnötig ängstigen. Wer ist der Absender? Hat dieser andere zweifelhafte Beiträge in seinem Profil? Ist der Beitrag besonders reißerisch und unseriös? Sind die Informationen etwa zu Ort und Zeit plausibel? Gib es andere Quellen wie seriöse Nachrichtenseiten, die dies bestätigen? Meist haben auch schon andere Nutzer den Beitrag als „Fake“ entlarvt und warnen davor. Portale wie mimikama.at klären über Falschmeldungen über Internetmissbrauch auf. Auf keinen Fall sind solche Nachrichten oder Aufnahmen zu teilen oder weiterzuleiten.
Kritisch sein
Eltern vereinbaren am besten mit ihrem Kind, dass es Profile in sozialen Netzwerken und Webseiten meidet, die vor allem unseriöse Beiträge posten. Erhält es von bestimmten Seiten unseriöse Posts, kann es Benachrichtigungen abstellen. Posten Freunde Fakes, sollte man diese darauf hinweisen oder einstellen, dass man Beiträge von diesen nicht mehr sieht. Eltern können ihrem Kind zudem raten, ein kritisches Bewusstsein für unpassende Inhalte, etwa von Grusel-Clowns oder Horror-Szenen, zu entwickeln und zu überlegen: Muss oder will ich das sehen und was macht das mit mir?
Verstörende Inhalte melden
Stoßen Kinder auf dubiose Aufnahmen, können sie sich auch an die Eltern wenden, um diese gemeinsam zu prüfen und gegebenenfalls zu melden. Dazu sollten Eltern die Beiträge direkt dem Betreiber melden oder Screenshots machen und sich damit an externe Stellen wie jugendschutz.net oder i-KiZ.de wenden sowie in schweren Fällen der Polizei melden.
Ergänzende Tipps der Polizei Aachen für die kommenden Tage
– Grundsätzlich: das Thema nicht überdramatisieren. Jugendliche können trotzdem weiterhin am normalen Leben teilhaben und auch an Halloween feiern gehen. Hier gilt wie immer: sowohl Mädchen als auch Jungs sollten sich lieber in Gruppen bewegen und auf ihre Kumpels achten. Sich selber nicht „zum Opfer machen“ (zum Beispiel durch übermäßigen Alkoholgenuss).
– Die Polizei appelliert eindringlich an als Clown Kostümierte, den guten Menschenverstand walten zu lassen, sensibel zu sein. Sie sollen sich bewusst sein, was man mit Clowns-Gruselkostümen anrichten kann.
In diesen Tagen sollte dazu geraten werden auf Clownskostüme komplett zu verzichten.
– Nicht jede als Clown verkleidete Person ist ein potentieller Straftäter. Dennoch gilt bei Gefahr: Nicht den Helden spielen. Sich nicht selbst gefährden. Kam es zu einer bedrohlichen Begegnung: Auf jeden Fall die Polizei 110 rufen.
– Die Polizei warnt ausdrücklich vor jeder Art von Selbstjustiz und einer „Aufrüstungen mit Messern und anderen gefährlichen Gegenständen“. Vor allem in Kommentaren sozialer Netzwerke oder Onlineveröffentlichungen wird verstärkt zur Selbstjustiz gegenüber vermeintlichen als Clowns verkleideten Angreifern aufgerufen. Selbstjustiz ist strafbar.
„SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“ ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der beiden öffentlich-rechtlichen Sender Das Erste und ZDF sowie der Programmzeitschrift TV Spielfilm. Der Medienratgeber für Familien unterstützt seit 2003 Eltern und Erziehende dabei, Kinder im Umgang mit Medien zu stärken.
Foto: Lieber mit positiven Dingen beschäftigen! (Photocase)
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