Interview: Ein Mädchen und ihr Löwe

in Aktuelles um die Ecke, Im Kino, Natur & Tiere, Standard

Von Bettina Schäfer

Im Januar kommt „Mia und der weiße Löwe” in die deutschen Kinos – ein Familienfilm mit einem Tierschutzanliegen. Während der insgesamt dreijährigen Dreharbeiten in Südafrika wuchsen ein junger Löwe namens Thor und Hauptdarstellerin Daniah de Villiers gemeinsam heran. Wir sprachen mit der heute 15-jährigen Nachwuchsschauspielerin über diese ungewöhnliche Herangehensweise.

Daniah, worum geht es in „Mia und der weiße Löwe“?
Mia ist elf Jahre alt, als ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt wird, weil ihre Familie von London nach Südafrika zieht, um eine Löwenfarm zu betreiben. Dort wird sie erst glücklich, als ein weißer Löwe geboren wird: Charlie. Im Verlauf von drei Jahren entwickeln die beiden eine einzigartige Freundschaft, während sie zusammen aufwachsen – aus dem Löwenjungen wird ein ausgewachsener Löwe. Mias Leben wird erneut erschüttert, als sie eine unerträgliche Wahrheit über das Schicksal einiger auf der Farm aufgezogener Löwen erfährt. Sie muss mit Charlie fliehen, um ihn zu retten.
Der Film handelt von der Großartigkeit der Löwen. Aber er ist auch ein Familienfilm – die Geschichte einer besonderen Freundschaft, über Liebe und Vertrauen zwischen diesem Mädchen und einem Löwen, wie sie sehr real während der Dreharbeiten auch zwischen mir und Thor existierte. Außerdem geht es darum, für das einzutreten, woran man glaubt. Ich denke, das ist eine wichtige Botschaft des Films.

Wahre Freundschaft: Mia (Daniah de Villiers) und der weiße Löwe Charlie.

„Mia und der weiße Löwe“ war keine ganz normale Filmproduktion. War dir die Dimension des Projekts gleich klar?
Nein, definitiv nicht. Ich glaube ich habe geahnt, dass es wegen dieses einzigartigen Konzepts etwas Großes, beinahe Unglaubliches sein würde. Aber ich hätte mir nicht vorstellen können, dass es so magisch werden würde und dass ich eine so große Liebe für Löwen entwickeln würde. Das hat mich einfach umgehauen.

War dir von Anfang an klar, dass die Produktion so lange dauern würde?
Ja, man hatte von Anfang an sehr deutlich gemacht, dass sich die Filmproduktion über drei Jahre erstrecken würde, damit der Löwe mit mir aufwachsen kann. Es war auch klar, dass meine Familie dafür in eine andere Stadt an den Rand des Buschlands ziehen musste, wo die Dreharbeiten stattfanden – keine leichte Entscheidung. Aber ich war vollkommen begeistert von der Möglichkeit, mit Löwen zu arbeiten.

Bei diesem Film wurde nicht mit Tricktechnik gearbeitet, und du hattest auch kein Double. Bestimmt war es nicht ganz einfach, deine Eltern von dem Projekt zu überzeugen.
Es war letztendlich eine gemeinsame Entscheidung. Wir als ganze Familie waren damit im Reinen, dass wir uns auf das Abenteuer einlassen wollten. Ich glaube, was meinen Eltern Sicherheit und Zuversicht gegeben hat, war, dass Kevin Richardson die Dreharbeiten begleitete, denn er hat gut 20 Jahre Erfahrung in der Arbeit mit diesen erstaunlichen Tieren. Auch das Vorgehen, eine sehr intime Beziehung zwischen mir und einem Löwen aufzubauen, hat Vertrauen geschaffen. Meine Eltern haben gesehen, wie sehr Thor mich liebte und wie sehr ich ihn liebte. Nur durch diese ganz besondere Bindung war es überhaupt möglich, ohne Spezialeffekte und Ähnliches zu drehen.

Du hast also nicht nur eine Rolle gespielt – zeit-intensiv war vor allem, dich mit Thor vertraut zu machen.
Ja, die eigentliche Arbeit war der Umgang mit den Löwen – und das war das Allerbeste überhaupt! Dreimal die Woche zwei Stunden pro Tag gehörte es zu meinen Aufgaben, Gehege zu reinigen, Fleisch zu zerkleinern und zu verfüttern. Am allerwichtigsten aber war es, Zeit insbesondere mit Thor zu verbringen, um diese besondere Bindung aufzubauen. Selbst wenn gedreht wurde und ich gespielt habe, war es nicht wirklich Schauspiel. Im Prinzip wurde mein tägliches Leben gefilmt. Genau das macht den Film so real und authentisch.

Thor war auch dein Schauspielkollege. Aber natürlich konnte er das Drehbuch nicht lesen. Wie konnte man ihn dazu bringen, das zu tun, was für die einzelnen Szenen gebraucht wurde?
Es war eher so: Alles drehte sich um Thor. Die Szenen wurden an ihn angepasst – an seine Stimmung, daran, wie er drauf war. Oft musste ich nur aufgreifen, was er tat. Manchmal haben wir mit Fleisch als Belohnung gearbeitet. Aber wenn er etwas nicht machen wollte, dann musste eben das Drehbuch geändert werden. Wichtig war vor allem, dass er Freude an der Arbeit hatte. Man konnte sehen, dass es so war, denn er liebte es, wenn er ins Fahrzeug geladen wurde und es zum Filmen ging.
Er ist eine neugierige Katze, und er ist schlau. Wenn wir etwas wieder und wieder probierten, konnte man sehen, wie es bei ihm klick machte: „Ok! Verstanden!“ Es haute uns um, was er alles konnte und wie gut er uns sozusagen zuhörte, und manchmal war es, als hätte er das Drehbuch gelesen. Es war unglaublich, mit ihm als Schauspielkollegen zu arbeiten.

Ein Filmteam besteht typischerweise aus vielen Dutzend, wenn nicht mehr als 100 Menschen. Wie war das bei diesem Dreh organisiert und wie kam Thor damit klar?
Es gab strikte Regeln, wer sich am Set aufhalten durfte. Nur die Personen, deren Anwesenheit unbedingt erforderlich war, durften vor Ort sein und zum Beispiel filmen – zu ihrer Sicherheit aus Käfigen heraus, denn natürlich hatten sie nicht diese enge Bindung zu Thor. Der Löwe kam jeweils erst dann am Set an, wenn alles bereit war, sodass er nicht warten musste oder Ähnliches. Wie gesagt: Es drehte sich alles um ihn.

Zu guter Letzt: Magst du einige besonders erinnerungswürdige Momente aus der Drehzeit mit unseren Lesern teilen?
Sehr beeindruckend und vielleicht der erinnerungswürdigste Moment von allen war, als Thor zum allerersten Mal gebrüllt hat – während wir gedreht haben! Ich dachte: „Oh! Mein Baby ist erwachsen geworden!“ Es war unglaublich, das zu erleben. Beeindruckend ist auch die Tatsache, dass sich ein solch mächtiges, starkes Tier entschieden hat, so sanft und liebend mir gegenüber zu sein. Das ist magisch.
Die größte Überraschung war es, als ich beim Reinigen eines Geheges den Milchzahn eines Löwenjungen fand – etwas ganz Besonderes. Ich trage ihn an einer Kette, die ich praktisch nie ablege.
Den allerschönsten Moment mit Thor hatte ich beim Dreh dieser Szene: Wir lagen oben auf dem Autodach. Es war sehr kalt. Thor war dabei einzuschlafen. Ich lag auf ihm, und er hielt mich warm. Das war ein ganz besonderer, sehr intimer Moment mit dem Löwen, den man übrigens auch im Trailer sehen kann!

Daniah, herzlichen Dank für dieses Interview!

Mia und der weiße Löwe
Filmstart: 31. Januar 2019
Buch: Prune de Maistre & Gilles de Maistre; Adaption: William Davies
Regie: Gilles de Maistre in enger Zusammenarbeit mit Kevin Richardson
Darsteller: Daniah de Villiers (Mia), Mélanie Laurent (Mias Mutter Alice), Langley Kirkwood (Mias Vater John), Ryan McLennan (Mias Bruder Mick), Thor (als der Löwe Charlie) u. w.
Produktion: Galatée Films, Outside Films
Im Verleih von STUDIOCANAL | FSK 6

Mia (Daniah de Villiers) spielt mit dem Baby Löwen Charlie.


Bleibe immer auf dem Laufenden

Ich will nichts verpassen und möchte wöchentlich den kostenlosen KingKalli-Newsletter erhalten und über aktuelle Themen und Termine auf dem Laufenden gehalten werden.

Ich bin damit einverstanden, den Newsletter zu erhalten und weiß, dass ich mich jederzeit problemlos wieder abmelden kann.

Weitere Artikel

Hinterlasse einen Kommentar