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Premiere in den Hallen der PopArt: Die erste Comiciade in Aachen.

Das erste, was beim Einbiegen in die Toreinfahrt zum LudwigForum auffällt, ist der große Imbiss-Stand im Innenhof direkt gegenüber des Haupteingangs. Und so dumm ist die Idee gar nicht: Belgische Fritten zu TinTin und Marsupilami, Frikadellen zu Spiderman und Currywurst zu Manga und Cosplay – das passt besser als Sushi oder die sonst üblicherweise bei musealen Events gereichten Canapés. Die erste Messe zu einem der wichtigsten Medien der Populärkultur des 20. Jahrhunderts gibt sich betont volksnah. Und sie spannt den Bogen zu den Anfängen der Sammlung Ludwig, zu den Größen der PopArt wie Warhol und Liechtenstein, denen weniger die Werke großer Rennaissance-Maler oder flämischer Stilleben-Meister als Vorbild dienten sondern die millionenfach gedruckten Hefte der als „Schundliteratur“ gescholtenen Comic-Kultur.

Mittlerweise sind die Arbeiten von Goscinny und Uderzo, Hergé, Morris, Steve, Ditko, Carl Barks und vielen anderen bereits selber im Panteon der Hochkultur angekommen. Die Comic-Welt hat sich über die Jahrzehnte zu einem schier undurchschaubaren Dschungel an Stilen und Schulen entwickelt und dabei Generationen von enthusiastischen und loyalen „Followern“ nachhaltig geprägt. Das merkt man auch an diesem frühlingshaft warmen Samstagnachmittag in Aachen. Drinnen im Ludwig Forum herscht dichtes Gedränge an den zahlreichen Ständen und Tischen. Die Comiciade erinnert ein wenig an einen riesigen Basar: Hier sitzen Comic-Zeichner, Herausgeber, Sammler und Händler vor Stapeln von frisch gedruckten Neuausgaben, wertvollen Original-Illustrationen und zahlreichen Sammler-Editionen. Dazu Postkarten, Plakate, Buttons, Stofftiere und jede Menge Cosplay-Accessoires, viele Anbieter davon aus dem asiatischen Raum. Aus Belgien angereist ist François Walthéry, der 1970 die Comic-Figur „Natacha“ erfand und der zahlreiche Bände signiert. Neben weiteren internationalen Stars der Szene sind auch viele Aachener an Bord: Comic-Zeichner Will Blöß etwa und Alfred Neuwald, Schöpfer des erfolgreichen „Karl der Kleine“ sowie eine echte Autorität in der Szene: Disney-Zeichner Ulrich Schröder. Ein Ex-Aachener, der in Paris und Barcelona lebt und lange Jahre als Art Direktor in der Europa-Abteilung des Mickey-Maus-Konzerns arbeitete. Von ihm hängen unter dem Stichwort „Duckworks“ viele Skizzen zu Donald und Daisy, Goofy und Gundel an Stellwänden in der Mulde des LuFo.

Für ein Fazit ist es etwas früh, aber eine hochkarätige Riege von angereisten Comic-Zeichnern, eine rege Zuschauer-Beteiligung und ein sehr vielfältiges Angebot von Comics aller denkbaren Genres setzen erste positive Ausrufezeichen. Dass morgen die Comiciade offiziell vorbei ist aber ein Familiensonntag mit kostenlosen Eintritt „im Rahmen der Comiciade“ weitere Zuschauer lockt, ist im Vorfeld vielleicht nicht unbedingt besonders glücklich kommuniziert worden, denn solche Definitions-Spitzfindigkeiten interessieren den gemeinen Gast herzlich wenig. Das Potential, in der Zukunft zu einer wichtigen überregionalen und sogar internationalen Stimme im Bereich der Comic-Kultur zu werden hat die Comiciade aber durchaus.

Text: Markus Jansen | Fotos: MJ + BF

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