Wer sich bewusst ernährt, versorgt sein Kind durch Stillen optimal. In den ersten Monaten braucht das Baby nichts anderes als Milch, um zu gedeihen. Oft ist es aber nicht gerade leicht, zwischen Wickeltisch, Wäscheberg und der täglichen Dosis Frischluft noch an die eigene Gesundheit zu denken. Dabei braucht der Körper gerade jetzt die richtigen Nährstoffe um täglich etwa 800-1000 ml Milch zu produzieren.
Während der Stillzeit ist es deshalb besonders wichtig, auf eine gesunde Ernährung zu achten, denn über die Muttermilch nimmt das Baby alle Nähr- und Schadstoffe auf. Es lohnt sich also, im Babyalltag bewusste Mahlzeiten einzuplanen, oder wenn das gar nicht klappt, weil das Baby (z. B. durch Dreimonatskoliken) alle Zeit in Anspruch nimmt, nicht zurückhaltend zu sein, Freunde und Verwandte zu bitten, das ein oder andere Mal eine Portion mehr zu kochen.
Eine schlecht ernährte Mutter hat also ein schlecht ernährtes Kind?
Ausgesprochene Mangelzustände sind bei vollgestillten Babys selten, doch die Ernährungssituation der Mutter spiegelt sich in der Muttermilch wider und teilt sich so dem Kind mit. In Hungerperioden sinken nicht nur Fett-, Eiweiß- und Vitamingehalt der Milch, sondern auch Mineralstoffe.
Was gehört zu einer ausgewogenen Stillernährung?
Stillende Mütter sollten vor allem viel Getreide- und Milchprodukte essen. Frisches Gemüse gehört ebenfalls täglich auf den Tisch – keine anderen Lebensmittel enthalten so viele Vitamine und Mineralstoffe pro Kalorie! Sorten wie Kohl, Zwiebeln und Hülsenfrüchte allerdings besser aus dem Speiseplan streichen, wenn das Kind unter Blähungen leidet.
Folgende Gemüsesorten sind in der Regel besonders gut verträglich:
Artischocken, Blumenkohl, Blattsalat, Chicorée, Fenchel, Gurke, Kohlrabi, Kürbis, Mais, Möhren, rote Paprika, Pilze, Rote Bete, Sellerie, Spargel, Spinat, Tomaten, Zuckererbsen, Zucchini. Kartoffeln sind wegen ihrer guten Verträglichkeit und des hohen Vitamin-C- und Eiweißgehaltes besonders zu empfehlen. Obst und Fruchtsäfte sind ebenfalls gute Vitaminlieferanten – allerdings kann die Säure die empfindliche Babyhaut reizen.
Besonders milde Obstsorten sind: Äpfel, Bananen, Birnen, Brombeeren, Mangos, Nektarinen, Pfirsische und Trauben. Fleisch ist vor allem gut für die Nerven, denn Eisenmangel macht nervös und erschöpft. Frische Nüsse tun hier ebenfalls sehr gut. Hin und wieder Seefisch beugt einem Jodmangel vor. Fett, am besten in Form von kaltgepressten Ölen in Salat- und Gemüsegerichten, sollten stillende Mütter ebenfalls täglich zu sich nehmen. Muttermilch liefert etwa 50 % ihrer Energie in Form von Fett, das ist auch logisch, denn nur über fettreiche Kost können Babys ihren Energiebedarf decken, ohne den kleinen Magen zu überlasten.
Aber nicht nur Kalorien und Nährstoffe werden über die Muttermilch abgegeben, sondern auch Flüssigkeit. Insgesamt gut 3 Liter werden für stillende Frauen täglich empfohlen. Am besten zu jeder Stillmahlzeit ein Getränk bereitstellen. Geeignete Getränke sind: stilles Wasser, Milch, Buttermilch, milde Säfte, Tees (insbesondere Milchbildungstee), Malzkaffee oder alkoholfreies Bier.
Das regt die Milchbildung an:
Neben ausreichender Ernährung sind Ruhe und Schlaf wichtige Voraussetzungen für eine glückliche Stillbeziehung. Folgende Lebensmittel helfen, den Milchfluss in Gang zu bringen: Getreidespeisen aus Hafer und Gerste, am besten warm essen. Milchbildungstee (siehe Rezept), Milchprodukte, Nährhefe, alkoholfreies Bier, Mandeln, Honig, Möhren und Äpfel. Ein besonderer Tipp von erfahrenen Hebammen, falls die Milch z. B. durch Stress zurückgeht, ist der Boxhornkleesamen. Diesen gibt es in Kapselform oder als Samen für Speisen und Getränke.
Allergien vorbeugen
Leider gibt es keine Garantie dafür, dass ein Kind nicht an einer Allergie erkrankt. Heute leiden bereits 30 % aller Kinder darunter, Tendenz steigend. Neben der genetischen Vererbung rücken Belastungen von außen immer mehr ins Blickfeld der Wissenschaft. Bekannterweise sind Kinder die Zigarettenrauch ausgesetzt sind um ein Vielfaches gefährdet. Aber auch übertriebene Hygiene, die wachsenden Umweltschadstoffe und die erhöhten Ozonwerte spielen eine Rolle.
Ein paar Maßnahmen, um das Risiko einzugrenzen, gibt es aber schon: Mindestens sechs Lebensmonate voll zu stillen gibt dem Baby den besten Allergieschutz. Im ersten Lebensjahr sollte man außerdem ganz auf Kuhmilchprodukte und eventuell auch weitere allergieauslösende Lebensmittel wie Soja, Nüsse oder Fisch verzichten. Rauchen im Umfeld der Kinder muss tabu sein.
Ernährung und „Dreimonatskoliken“
Der Begriff „Dreimonatskoliken“ ist nach heutigem Stand der Wissenschaft veraltet. Heute spricht man von „Regulationsstörungen“.
Für ein Baby ist alles neu. Es muss lernen, die vielen Eindrücke des Tages zu verarbeiten.
Bis es das schafft, muss jede Mutter im Selbstversuch herausfinden, was ihrem Baby „Bauchschmerzen“ bereitet. Diese entstehen oft erst durch das Schreien selber und sind nicht die Ursache hierfür.
Es schadet natürlich nicht, blähende Lebensmittel wegzulassen, die Auswahl sollte aber nicht so weit reduziert werden, dass am Ende nicht mehr genug Nährstoffe vorhanden sind. Auch Frauen, die z. B. nur noch Kartoffeln aßen, mussten feststellen, dass ihr Baby am Abend trotzdem jämmerlich weinte, es hatte einfach an anderen Dingen zu „knabbern“.
Babys brauchen einfach eine gewisse Zeit, um im Alltag anzukommen. Die einen länger und die anderen kürzer. Mit viel Nähe, innerer Gelassenheit (trotz Gebrüll), Verständnis und einem möglichst strukurierten und ruhigen Tagesablauf ist die schwierige erste Phase am besten zu überstehen. Fencheltee, Tragetuch oder Bauchmassagen können dabei natürlich unterstützen. Bei Bedenken die Hebamme oder den Kinderarzt befragen!
(KingKalli 55 | Text & Bild: Andera Claessen)
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