„Das WM-Endspiel 1974 ist meine erste richtige Kindheitserinnerung“

in Aktuelles um die Ecke, Familienleben

Maskottchen und Panini-Alben, Käseigel und Chips vor dem Fernseher. Oder das legendäre „Tor! Tor! Tor!“ des Endspiels der WM 1954 bei der Deutschland Ungarn besiegte – all das sind Erinnerungen an eine WM, die man als Kind vor dem Fernseher – oder noch vor dem Radio(!) verfolgte.
Nicht alle sind positiv: „Nach der WM 1974 ging ein wahrer Fußballhype durch die Republik und alle Eltern meldeten – zu meinem Leidwesen – ihre Kinder im nächstbesten Verein an“, so Bernd, der damals 8 Jahre alt war ;-)

Schon 2010 haben wir Erinnerungen unserer Leser gesammelt, die diese mit einer WM in Verbindung bringen. Und wir haben auch Sachen ans Licht gebracht, die wir gar nicht wußten: So hatten wir in Aachen sogar unseren eigenen Nationalspieler! Und Breitner, Müller und Hoeneß sind 1974 auf dem Tivoli aufgelaufen!

Weils so schön war kommt hier die Sammlung, die wir bisher zusammengetragen haben. Schickt uns alles was euch noch einfällt an info@kingkalli.de oder kommentiert unten.

Renate (65):

blaupunktIch erinner mich sehr gut an ein Ereignis bei der WM 1954. Wir lebten in Rumänien und die WM verfolgte man damals im Radio – was natürlich verboten war. So hatte auch fast niemand ein Radio mit Weltempfänger, sondern höchstens mit Empfang für einen staatlichen Sender.
Wir Deutschen waren nach dem Krieg enteignet worden und unser schönes Blaupunkt-Radio mit Weltempfänger stand jetzt beim Bürgermeister zu Hause.
In der Nachbarschaft wohnte aber ein Ungar mit Radio und wir gingen alle dort hin, um das Endspiel zu verfolgen.
Es war das legendäre Spiel Deutschland gegen Ungarn, und als in der 84. Minute das „Tor! Tor! Tor!“ für Deutschland ertönte, packte der Nachbar das Radio und schmiss es durch das Fenster auf die Straße.
Es war kaputt und da gab es in unserer Straße kein Radio mit Weltempfänger mehr.

Ulli (62):

1948 geboren und die deutsche Euphorie über den WM-Sieg 1954 nie verstanden als Kind, aber mitgekriegt. Da hing noch alles am Radio und Nachbarschaftsfunk, und erst später – während meines Studiums in Berlin – wehte mich eine Ahnung an, was das wohl für die Generation unserer Väter bedeutet haben mag.

Hanno (45) und Bruno (75):

roterkaeferIn unserer Nachbarschaft in Freund wohnte Herbert Wimmer. Er spielte in der Nationalmannschaft. Highlight in der ganzen Nachbarschaft war, als Herbert Wimmer – ich habe mit meinem Vater jetzt überlegt, ob das nun bei der WM ’74 oder zur EM ’72 war – als Gewinner in die Nachbarschaft zurückkehrte. Die Spieler hatten rote Käfer-Cabrios geschenkt bekommen und die ganze Nachbarschaft bestaunte das Auto!
Eine Sensation!

Ellen (45):

kaeseigelMeine Eltern trafen sich mit anderen Familien  zum Fernsehen. Das war so partymäßig. Meine Mutter war ja immer die Superhausfrau. Zum Bier gab es Käseigel und Heringssalat – so die Schiene.
Die Spieler der Nationalmannschaft waren nach dem WM-Sieg 1974 zu Gast auf dem Tivoli.
Dort war ich mit meinem Vater, meinem Onkel Helmut, meinen Vettern und deren zwei Freunden. Das weiß ich heute noch. Wir haben wirklich die Spieler der Nationalmannschaft gesehn!

Die WM 1974 als zentrale Kindheitserinnerung unserer Generation. Stimmt es, dass die Nationalmannschaft auf dem Tivoli war? Wir haben bei Archivar Lutz van Hasselt nachgefragt.
Das könnt ihr hier nachlesen: www.kingkalli.de/wm-jahr-1974-hoeness-auf-dem-aachener-tivoli/

Rene (42):

Ich erinnere mich gut daran, dass wir das WM-Endspiel 1974 bei Freunden meiner Eltern gekuckt haben.
Bei der WM 82 war das schon anders. Das berühmte Halbfinale gegen Frankreich (in dem Schumacher Battiston gefoult hatte) habe ich bei einem Schulfreund gesehen, das Finale gegen Italien im Jugendzentrum.

Carl (42):

Schnäuzer, Zottelfrisuren, eng sitzende Trikots, grottig kickende und trotzdem immer erfolgreiche deutsche Mannschaften, Fußball alleine oder mit meinem Vater vor dem Fernseher. WM-Fußballgucken mit Freunden bzw. im größeren Kreis kann ich erst seit der WM 82 erinnern, da war ich dann aber schon 15.

Stefan (42):

Bei Deutschlandspielen mussten wir Kinder alle die Klappe halten. Wenn’s um Fußball geht, ist mein Vater sehr patriotisch und versteht auch
keinen Spaß mehr.

Micha (42):

beckenbauerschuh74 ganz groß! Ich war damals ein echter Fan von Gerd Müller und Beckenbauer.
Ich kann mich gut an die
zwei Maskottchen erinnern. Name entfallen.
Ich habe nach der WM die Beckenbauer- Fußballschuhe bekommen.
Es durften auch keine anderen sein!

Tom (42):

GERD MUELLER, GERMAN SOCCERDas WM-Endspiel 1974 ist meine erste richtige Kindheitserinnerung:
das Finale, in dem Gerd Müller mit dem Drehschuss den Sieg zum 2:1 perfekt machte. Die WM hat man damals im Kreis der Familie geschaut.

 

Bernd (44):

Nach der WM 1974 ging ein wahrer Fußballhype durch die Republik und alle Eltern meldeten – zu meinem Leidwesen – ihre Kinder im nächstbesten Verein an.

Ralf (46):

Meine großen Vorbilder waren Uli Hoeneß, Gerd Müller und natürlich Franz Beckenbauer, die ich bei einem Spiel auf dem Aachener Tivoli sogar einmal live erleben durfte.

Ralf (46):

tipundtapFußball WM 1974 – ich war noch keine 10 Jahre alt und hatte erst mit 8 Jahren angefangen in meinem damaligen Verein Borussia Brand Fußball zu spielen. Obwohl ich mich für ein großes Sturmtalent hielt, stellte mich mein damaliger Trainer immer nur in der Verteidigung auf. Dort konnte ich leider nicht so viele Tore schießen, wie ich eigentlich wollte. Auf jeden Fall war ich nicht nur brennender Fußballspieler, sondern auch genauso großer Fan. Deshalb besorgte ich mir nach Möglichkeit immer die kleinen, bunten Sammelbilder für mein Klebeheft. Meine großen Vorbilder waren Uli Hoeneß, Gerd Müller und natürlich Franz Beckenbauer, die ich bei einem Freundschaftsspiel auf dem Aachener Tivoli sogar einmal live erleben durfte.
Seit diesem Auftritt von Bayern München gegen die Aachener Alemannia war ich vom Bayern-Virus infiziert, der mich die nächsten 35 Jahre auch nicht mehr loslassen sollte …
Aber zurück zur WM in Deutschland: Damals hatte meine Familie noch keinen eigenen Fernseher, und so bin ich zusammen mit meinen Eltern und Geschwistern zu unseren Nachbarn gegangen, um dort das eine oder andere Spiel der deutschen Nationalmannschaft zu sehen. Mit meinem Nachbarsfreund Stephan hatte ich sogar eine Wette auf die deutsche Mannschaft abgeschlossen und fieberte nun bei jedem Torschuss mit. Den ersten kleineren emotionalen Rückschlag erlebte ich, als die damalige DDR-Mannschaft unser eigenes Team überraschend mit 1:0 bezwang. Das war zwar irgendwie verdient, aber das Gefühl der Unbesiegbarkeit war seit-dem verflogen und jedes weitere Spiel wurde zur echten ‚Mitfieber-Zitterpartie‘. Am schlimmsten gezittert habe ich dann im Finale gegen die Holländer. Ich war schon vor dem Anpfiff total aufgeregt und hibbelig. Nachdem die Holländer einen Elfmeter zugesprochen bekamen, bin ich wild schimpfend aus dem Haus gerannt und habe mit meinem Fußball minutenlang gegen die Wand in unserem Garten geschossen. Mann, war ich sauer. Meine Eltern lachten mich nur aus und meinten, ich solle ruhig Luft ablassen. Nach einiger Zeit bin ich dann beim Stande von 1:0 für Holland wieder vor den Fernseher und habe mit beiden Daumen so fest gedrückt, dass meine deutsche Mannschaft es doch bitte noch schaffen möge. Und tatsächlich: Es ist am Ende doch noch gut ausgegangen und ich konnte zum ersten Mal eine deutsche Mannschaft mit dem Pokal der Weltmeisterschaft im Fernsehen bewundern. Im Anschluss an das Finale von 1974 bin ich sofort mit meinem Freund in den Garten gestürmt und habe die jeweiligen Szenen nachgespielt. Das war sehr lustig, denn auch dort haben wir, die Deutschen, immer gewonnen.
Wegen der Weltmeisterschaft herrschte damals ein regelrechter Fußballboom und viele andere Jungens haben sich meinem Heimatverein angeschlossen. Mädchen, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, gab es damals im Fußballverein noch nicht.
In der Nachbetrachtung glaube ich, dass das Erleben dieser starken Gefühlsschwankungen von tieftraurig bis himmelhoch-jauchzend, meinen weiteren Lebensweg bestimmt haben. Denn Langeweile und Gleichmäßigkeit wollte ich seit dem nicht mehr und habe mich stets für den spannenderen Weg im Leben entschlossen.
Und das war gut so.

Sören (43):

WM74_MagazineMeine Kindheitserinnerungen sind klar geprägt von der WM 1974.
Ich war 7 Jahre alt und habe das erste Mal zusammen mit meinem Großeltern – wo ich damals häufig war – die WM bewusst verfolgt und „verstanden“. Verstanden bedeutet hier, dass ich beim Wettbewerb der Mannschaften mitgefiebert habe. Ich denke, dass ich die Spieler der deutschen Mannschaft ziemlich alle kannte und auch Ländernamen wie Paraguay nennen konnte.
WM74_Magazine3Schuld daran war mein erstes Fußballalbum, für das ich Sammelbilder von Onkel, Tanten, Eltern und sonstigen Anverwandten bekam. Kurioserweise gab es mehrere unterschiedliche Sammelalben, so dass nicht alle Bilder, die ich bekam, zu meinem Album gehörten. So passte die Bildnummerierung manchmal nicht überein und auch die Formate fielen aus dem Rahmen. Aber über die Spielernamen konnte ich die Bilder zuordnen und mit Patex – es gab noch keine selbstklebenden Rückseiten – an die richtige Stelle kleben. Das Album habe ich noch heute und ich blättere es schon mal in einer stillen Stunde durch. An das Endspiel und den Verlauf kann ich mich noch relativ gut erinnern und vor allem daran, das etwas ganz Tolles passiert ist.

Alex (45):

Meine erste bewusst erlebte WM war die von 1974, ich erinnere mich noch daran, dass ich den deutschen Torwart so toll fand. Ich habe also bei schönstem Wetter vor dem Fernseher gesessen und vermeintlich ein Spiel mit deutscher Beteiligung gesehen (schließlich fand ich ja den deutschen Torwart, Sepp Maier, so toll), und irgendwann, so gegen Ende der Partie, bemerkte ich, dass da Polen gegen irgendwen spielte und ich die ganze Zeit mit den Polen mitgefiebert hatte.
Danach habe ich mich etwas intensiver mit der deutschen Mannschaft beschäftigt, und seitdem bin ich eigentlich so ziemlich auf der Höhe, was Fußball anbetrifft.

Marion (38):

maskottchenAn einzelne WMs kann ich mich nicht erinnern. Allerdings an Details wie Maskottchen oder so ein Poster, das wir auf der Toilette hängen hatten, wo man die Ergebnisse der Spiele eintragen und Fähnchen umstecken konnte. Das durfte ich immer machen und habe dann immer schon gespannt die Ergebnisse abgewartet.
Meine Eltern haben immer mit vielen Familien zusammen im Fernsehn die Spiele verfolgt. Meistens bei Bekannten, die auch einen Billardtisch und einen Flipper hatten. Und es gab Chips und Limo, das war für uns Kinder was Besonderes.
Manchmal sind wir zum Fußballschauen auch zu unseren Verwandten ins Sauerland gefahren. Mein Cousin war genau so alt wie ich. Wenn ein Spiel nicht so ausgegagen ist, wie er wollte, hat er sich total geärgert und hat geheult. Das habe ich immer etwas irritiert beobachtet.

Bernd (44):

fussballmannschaft_kinder1974Natürlich hat man Erinnerungen.
Ich bin ja in Hennef aufgewachsen. Dort war (und ist) die Sportschule an der die Nationalmanschaft trainiert hat.
Soweit ich weiß, war dort auch immer mal wieder die Nationalmanschaft zu Gast und wir gingen dort am Zaun auf Autogrammjagd.
Ich erinnere mich noch an leergefegte Straßen bei der WM 1974. Nach der WM ging ein wahrer Fußballhype (das Wort gab es damals noch nicht) durch die Republik und alle Eltern meldeten, zu meinem Leidwesen, ihre Kinder im nächstbesten Verein an. Meiner hieß FC Geistingen, ein Ortsteil von Hennef. Ich war 2 Jahre im Club und habe kein einziges Tor gemacht. Die Samstage habe ich gehasst, weil man schlecht gekleidet bei jedem Wetter über die Dörfer fuhr und sich in heruntergekommenen Umkleidekabinen vom Gegner beschimpfen ließ. Ich hab das alles nie begriffen. Nach 2 erfolglosen Jahren hab ich mich dann für die Gitarre entschieden.
Anbei ein Foto meines Clubs,  Reihe vorn, 2. v. l.

Stefan (42):

Panini_WM1978buenosdaiasargentinaMeine Kindheits-WM war die WM in Argentinien 1978.
Wir haben Panini-Bildchen gesammelt und kannten alle Spieler aller Mannschaften. Besonders die, die besonders auffällig aussahen. Gab ja fantastische Frisuren zu der Zeit.
Udo Jürgens hat mit der Nationalmannschaft „Buenos Dias Argentina“ eingesungen. Schlimm, schlimm, aber trotzdem ein Hit. Für Deutschland ist es ja nicht so gut gelaufen, aber ich habe keine WM intensiver erlebt als diese!

Dörte (33):

tshirt_maskottchenEigentlich habe ich kaum Erinnerungen an die WMs, obwohl wir in Berlin Westfernsehen hatten.
Ich erinnere mich allerdings an die WM in Mexiko (1986), weil meine Tante mir aus dem Westen ein T-Shirt mit dem Maskottchen drauf geschickt hat.
Das war so ein Typ oder Kaktus mit Sombrero.

Udo (40):

Meine schönste Erinnerung an eine WM, ist die an die Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko. Ich war mit der 10a auf Klassenfahrt in München und wir haben in einer typisch bayrischen Kneipe gesessen, richtig zünftig Bratkartoffeln mit Spiegelei gegessen und Radlermaß getrunken. Dabei haben wir das turbulente Frankreichspiel geschaut und waren alle richtige Experten …

Dietrich (33):

Ich erinnere mich noch an das Endspiel Deutschland – Argentinien bei der WM 1986 und 1990.
1986 war ich mit den Eltern in Koslar bei Freunden. Wir haben gegrillt und das Spiel gesehen. Es war ganz schön aufregend, gerade auch wegen der Aufholjagd. An das Finale 1990 erinnere ich mich noch wegen des Elfmetertors von Andi Brehme, durch welches wir dann endlich (nach 1986) Argentinien schlagen und verdient Weltmeister werden konnten!

Hinterlasse einen Kommentar