Wie kocht man eigentlich in England?

in Kochen, Backen, Ernährung

Andrea Claessen für KingKalli auf der Suche nach der feinen englischen Art.

In Würselen, ein Name der für einen Engländer wahrscheinlich schwer auszusprechen ist, treffe ich Familie Eason, um mit ihr „englisch“ zu kochen. Von dem achtjährigen Sohn Martin bekomme ich auf meine Frage, ob der Papa denn auch da sei, erst mal die Antwort: „Wir haben keinen Papa!“ „Das heißt bei uns Daddy“, klärt mich seine zwei Jahre ältere Schwester Hannah auf. Die zweisprachig erzogenen Kinder leben mit ihrer deutschen Mutter und dem britischen Vater in einem Haus mit gemütlicher Wohnküche. Viermal im Jahr besucht die Familie ihre Verwandten in England. Beim näheren Hinsehen kann man im Haus viele Details entdecken, die auf die väterliche Herkunft weisen. Z. B. die zahlreichen Kochbücher mit Titeln wie „Grandma’s Best Recipes“.

Während wir gemeinsam kochen, unterhalten wir uns über England, Großbritannien, Sitten, Pubs, die Raben im Tower und natürlich „die feine englische Art“. So erfahre ich, dass Stuart, also Daddy, aus Chesham stammt, das liegt in der Grafschaft Buckinghamshire, nordwestlich von London. Auf meine Frage, wie er denn nach Deutschland gekommen sei, antwortet der rothaarige Mann mit den Sommersprossen nüchtern: „Mit dem Auto.“ Seine Frau Kerstin lernte er auf der Kirmes in Würselen kennen. Als ich wissen will, ob er vor dem schlechten Wetter nach Deutschland geflüchtet sei, behauptet der Engländer, das sei ein Vorurteil und in Aachen regne es mehr als in seiner Heimat.

Den schlechten Ruf der englischen Küche begründet Stuart Eason mit deren Einfachheit. Generell beschränke sich die wirklich englische Küche auf das Pubfood, daneben gebe es aber viele Einflüsse der Commonwealth-Staaten. „Englandbesucher sollten auf jeden Fall einen Pub besuchen“, rät der Engländer, „dort kann man in uriger Atmosphäre gut essen und kommt garantiert mit ein paar Einheimischen ins Gespräch.“
Laut einer aktuellen Umfrage liegen „Fish and Chips“ auf der Beliebtheits-Skala der Engländer sogar vor der Queen. Wie konnte sich das Gericht dermaßen etablieren und was hat das mit der „feinen englischen Art“ zu tun? Stuart zieht den Vergleich zur deutschen Currywurst und tippt auf den Kultstatus der einstigen Mahlzeit für arme Leute. „Heute werden ‚Fish und Chips‘ wieder in Zeitungspapier angeboten – nur werden die Zeitungen extra für die Verpackung gedruckt, weil sich die Druckerschwärze als nicht gerade gesundheitsfördernd gezeigt hat“, erklärt er.

Da es für die meisten Menschen wohl kaum vorstellbar ist, den Tag mit einem „Full English Breakfast“ mit Würstchen und Bohnen zu beginnen, will ich von den Easons wissen, ob die Engländer vielleicht einfach den robusteren Magen haben. Die Frage wird mit einem knappen „Yes!“ beantwortet.

Zum Schluss möchte ich endlich erfahren, was es mit der „feinen englischen Art“ auf sich hat. Stuart muss mich enttäuschen, er sagt, die gebe es schon lange nicht mehr! Aber den „five o’clock tea“ gibts noch. Entscheidend ist nur, ob zuerst die Milch oder der Tee in die Tasse kommt. In England immer zuerst die Milch, sonst oute man sich als Schotte, sagt der Brite.

Die britischen Rezepte findet ihr hier.

Hinterlasse einen Kommentar