„Wie ein Geburtshaus in der Klinik“ – Marienhospital Aachen eröffnet Hebammenkreißsaal

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Die Geburtshilfe ist in ständiger Entwicklung. Der Trend geht zu mehr Natürlichkeit mit größtmöglicher Sicherheit im Rücken. Das Marienhospital Aachen hat nach langer Vorbereitungszeit im August zwei Hebammenkreißsäle eröffnet und ist damit Avantgarde in der Region.

Wer die neuen Hebammenkreißsäle im Marienhospital betritt, ist überrascht. Altrosa oder fliederfarben ist der eine gehalten, das gemütliche Bett nicht weiß bezogen, sondern mit stimmigen Blumenmustern, passende Vorhänge, die Heizkörper hübsch im Landhausstil mit Holz verkleidet. Im Raum gibt es eine moderne Geburtswanne, ein Seil, Ball und Gebärhocker. Noch überraschender ist jedoch der dunkeltürkise Raum nebenan, denn ein Bett sucht man hier vergeblich. Lediglich ein Sofa ist hier mit kuscheligen Kissen und Decke bestückt. Laura Üffing, seit 16 Jahren Hebamme im Marienhospital, klärt auf: Die meisten Frauen haben nicht das Bedürfnis, sich unter der Geburt hinzulegen. Intuitiv werde eine hockende oder kniende Haltung an Hocker oder am Seil gewählt. Lange vorbei die Zeiten, wo Gebärende in gekachelten, unpersönlichen Sälen auf Liegen genötigt wurden.

Jetzt geht der Trend zurück zu maximaler Natürlichkeit und einem stärkenden, selbstbestimmten Geburtserlebnis. Frauen wünschen sich ein Ambiente wie im Geburtshaus oder „fast wie zu Hause“ im Wissen, dass im Notfall eine Klinik im Hintergrund ist, zu der man nicht noch mit Auto oder Krankenwagen hinüberwechseln muss, sollte es nötig werden. In den Hebammenkreißsälen werden die Geburten von Hebammen im Team betreut. Alle haben Extrafortbildungen zum Beispiel zum Thema „interventionsarme Geburt“ belegt, um optimal vorbereitet zu sein, denn Frauen, die den Hebammenkreißsaal wählen, möchten auf medizinische Intervention wie PDA oder Ähnliches verzichten. Das Tolle: Sollten sie ihre Meinung ändern, kann sofort umgeswitcht werden, denn im Krankenhaus ist ja alles vorhanden. Sollten Komplikationen es wider Erwarten notwendig machen, ist die erforderliche Technik natürlich zur Stelle – sie versteckt sich im Schrank und hinter Vorhängen und kann sofort aktiviert werden. Neben der Tür gibt es zudem den „Sectio“-Knopf – wird dieser gedrückt, ist das OP-Team für einen Kaiserschnitt in drei Minuten zur Stelle, erläutert Anja Salmassi, die leitende Hebamme.

Mit dem Hebammenkreißsaal hat das Marienhospital definitiv einen Nerv getroffen. Im Oktober soll es mit den Geburten losgehen, die ersten werdenden Eltern sind schon angemeldet. Und noch ein Effekt zeigt sich: Viele Hebammen bewerben sich initiativ. Während im ganzen Land Hebammenmangel herrscht und Stellen nicht besetzt werden können, ja Einrichtungen deshalb sogar schließen müssen, kann das Marienhospital nicht klagen. Es wurden bereits einige Stellen neu geschaffen, das Team wurde auf 20 Hebammen aufgestockt. Neben den Hebammenkreißsälen wollen drei weitere ebenfalls hochmoderne Kreißsäle bedient werden.

„Das Konzept gibt uns recht“, freut sich Anja Salmassi, die seit 31,5 Jahren im Hause arbeitet und für viele Innovationen verantwortlich zeichnet. Salmassi zeigt sich erfreut, dass die Hebammenkreißsäle mit einem Jahr Verspätung, bedingt durch Verzögerungen in den Coronajahren, nun endlich eröffnet werden konnten. Die Kreißsäle im „unklinischen Ambiente“, das extra mit einer Architektin entworfen wurde, machen das Marienhospital wettbewerbsfähig und zu einer „Klinik der Zukunft“. Das ist auch dringend notwendig, haben doch in den letzten 15 Jahren bereits fünf Geburtsstationen in der Region geschlossen. Ende des Jahres kommt noch eine dazu, da wird das Geburtshaus nach über 25 Jahren die Pforten schließen.

Das Marienhospital Aachen ist eine von 20 Kliniken, die vom Land NRW eine Förderung erhalten haben, um 2022 Hebammenkreißsäle einzurichten. Damit haben in NRW jetzt 29 Einrichtungen das Konzept, das 2003 zum ersten Mal in Deutschland umgesetzt wurde, eingeführt. Anja Salmassi, die selbst ihre Kinder im Marienhospital zur Welt gebracht hat, blickt mit Zuversicht in die Zukunft. Sie freut sich, Frauen selbstbestimmte Geburten ohne ärztliche Intervention bieten zu können, ganz so, wie es der Natur entspricht. „Hier würde ich meine Kinder gerne nochmal bekommen“, sagt sie lachend.

marienhospital.de

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