Wenig Bewegung, hoher Medienkonsum und eine unausgewogene Ernährung – Ergebnisse es Kindergesundheitsatlas 2026

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Kinder spielen an der frischen Luft | Foto: iStock, mixetto

Der Kindergesundheitsatlas 2026 der AOK Rheinland/Hamburg zeigt Zusammenhänge zwischen dem Alltag von Familien und der Gesundheit ihrer Kinder. Für die repräsentative Studie wurden 5.000 Eltern im Rheinland und in Hamburg befragt.

Viele Eltern schätzen die Gesundheit ihrer Kinder als gut oder sehr gut ein. Gleichzeitig berichten 55 Prozent von mindestens einer diagnostizierten oder vermuteten chronischen Erkrankung. 29 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben laut Befragung eine niedrige gesundheitsbezogene Lebensqualität, 24 Prozent zeigen mehrere psychosomatische Beschwerden. Besonders stark belastet sind Kinder und Jugendliche, bei denen eine psychische Erkrankung, ADHS, Entwicklungsstörung, Verhaltenssucht oder Adipositas diagnostiziert wurde oder von den Eltern vermutet wird. Mit Verhaltenssucht ist hier insbesondere eine suchtartige Nutzung sozialer Netzwerke oder Computerspiele gemeint, die mit Kontrollverlust und Beeinträchtigungen im Alltag verbunden ist. Weitere Informationen im Originalbericht

Krankheitsvermutungen nehmen stärker zu als Diagnosen

34 Prozent der Eltern berichten von mindestens einer diagnostizierten chronischen Erkrankung ihres Kindes. 2024 waren es 32 Prozent. Der Anteil der Eltern, die mindestens eine Erkrankung vermuten, stieg im selben Zeitraum stärker: von 31 auf 38 Prozent.
Besonders deutlich nahmen die Vermutungen bei ADHS zu. Der Anteil der Eltern, die bei ihrem Kind ADHS vermuten, ohne dass eine entsprechende Diagnose vorliegt, erhöhte sich um vier Prozentpunkte. Ergebnisse zu Diagnosen und Vermutungen

Gesundheitsinformationen finden und beurteilen

Nur 53 Prozent der Eltern verfügen laut Studie über eine ausreichende allgemeine Gesundheitskompetenz. Dazu gehört, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und im Alltag anzuwenden.
Das größte Vertrauen genießen Kinder- und Fachärzte vor Ort mit 81 Prozent, gefolgt von Krankenkassen mit 57 Prozent. Zugleich nutzen viele Eltern digitale Informationsquellen: 41 Prozent greifen mindestens ungefähr einmal im Monat auf künstliche Intelligenz zurück, 32 Prozent auf soziale Medien. Das Vertrauen fällt deutlich geringer aus: 20 Prozent vertrauen KI, zwölf Prozent sozialen Medien. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie wichtig es ist, auch digitale Gesundheitsinformationen zuverlässig beurteilen zu können. Ergebnisse zu Gesundheitskompetenz und Informationsquellen

Wenig tägliche Bewegung

Nur 13 Prozent der 3- bis 17-Jährigen sind nach Angaben ihrer Eltern an jedem Tag der Woche mindestens 60 Minuten körperlich aktiv. Dazu zählen beispielsweise Sport, Spielen und Radfahren. Zehn Prozent erreichen diese Bewegungsdauer an höchstens einem Tag pro Woche.
Kinder mit täglicher Bewegung werden von ihren Eltern häufiger als gesund eingeschätzt und zeigen seltener psychosomatische Beschwerden. Eine intensive Nutzung sozialer Medien sowie von Video- und Computerspielen geht dagegen mit weniger Bewegungstagen einher.

Hohe Bildschirmzeiten bereits bei jüngeren Kindern

Nach Einschätzung der Eltern überschreiten 23 Prozent der 7- bis 10-Jährigen die empfohlenen Bildschirmzeiten allein durch soziale Medien wie TikTok oder YouTube deutlich. Bei den 11- bis 13-Jährigen sind es 18 Prozent, bei den 14- bis 17-Jährigen zwölf Prozent.
Bei den 7- bis 17-Jährigen zeigt sich zudem ein Zusammenhang zwischen der Nutzungsdauer und psychosomatischen Beschwerden: Nutzen Kinder täglich mindestens drei Stunden soziale Medien, berichten 36 Prozent der Eltern von mehreren solchen Beschwerden. Bei Kindern, die keine sozialen Medien nutzen, liegt der Anteil bei 18 Prozent. Daraus lässt sich jedoch nicht eindeutig ableiten, was Ursache und was Folge ist.

Zuckerhaltige Lebensmittel gehören früh zum Alltag

Rund jedes zehnte Kind konsumiert täglich Produkte aus mindestens zwei der drei untersuchten Gruppen: zuckerhaltige Softdrinks, Süßigkeiten und süße Snacks. Die Befragung zeigt außerdem, dass zuckerhaltige Getränke bereits bei sehr jungen Kindern zum Alltag gehören.
14 Prozent der 0- bis 2-Jährigen trinken täglich oder mehrmals täglich Säfte, bei den 14- bis 17-Jährigen sind es 20 Prozent. Auch bei Eltern mit ausreichender Gesundheitskompetenz ist regelmäßiger Saftkonsum verbreitet. Die Studienautoren sehen darin einen möglichen Hinweis darauf, dass Säfte als gesündere Alternative wahrgenommen und ihr Zuckergehalt unterschätzt werden.
Bei Kindern mit diagnostizierten oder vermuteten chronischen Erkrankungen berichten Eltern häufiger vom regelmäßigen Konsum potenziell ungesunder Lebensmittel und Getränke. Ergebnisse zu Bewegung, Mediennutzung und Ernährung

Adipositas bleibt häufig unerkannt

Bei den 3- bis 17-Jährigen, für die Angaben zu Körpergröße und Gewicht vorliegen, sind laut BMI rund elf Prozent von Adipositas oder extremer Adipositas betroffen. Dieser Anteil liegt höher, als die Angaben der Eltern zu Diagnosen und Vermutungen erkennen lassen.
Kinder mit diagnostizierter oder vermuteter Adipositas konsumieren häufiger Säfte, Fertiggerichte und Softdrinks. Auch die Bewegung spielt eine Rolle: Unter den Kindern, die täglich mindestens 60 Minuten körperlich aktiv sind, sind sieben Prozent laut BMI von Adipositas oder extremer Adipositas betroffen. Bei Kindern, die diese Bewegungsdauer an höchstens einem Tag pro Woche erreichen, liegt der Anteil bei 13 Prozent.

Familien brauchen Unterstützung im Alltag

Die beteiligten Fachleute betonen, dass Ernährung und Bewegung nicht gegeneinander aufgerechnet werden können. Auch ein aktives Kind kann einen dauerhaft hohen Zuckerkonsum nicht einfach ausgleichen. Eine ausgewogene Ernährung wiederum ersetzt keine Bewegung.
Gefragt sind verständliche Gesundheitsinformationen, alltagstaugliche Unterstützung und gesundheitsfördernde Bedingungen in Kitas, Schulen, Vereinen und Kommunen. Die AOK Rheinland/Hamburg will auf den seit 2024 entwickelten Angeboten für Familien und pädagogische Fachkräfte aufbauen. Gesundes Aufwachsen versteht sie als gemeinsame Aufgabe von Familien, Bildungseinrichtungen, medizinischer Versorgung, Politik, Vereinen und Krankenkassen.

Die repräsentative Onlinebefragung wurde vom Institut für angewandte Marketing- und Kommunikationsforschung durchgeführt. Befragt wurden 5.000 Eltern von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 17 Jahren.

Weitere Informationen: Kindergesundheitsatlas der AOK Rheinland/Hamburg

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