Urlaubstipp für Familien: Surf’s up an der Atlantikküste in Frankreich

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„Stellt euch mal alle in einem Kreis auf, wir wärmen uns erst mal auf“, sagt Gerd. Er grinst in die Runde. Unter seinem Schnauzbart ist sein Gesicht schneeweiß. Sonnencreme, extra dick aufgetragen. Die Sonne steht bereits im 45-Grad-Winkel über der Düne, den ersten Surfschülern steht der Schweiß auf der Stirn. Aufgewärmt sind wir eigentlich schon, denn den engen Neoprenanzug über die noch trockene Haut zu ziehen, raffen und krempeln ist bereits ein Workout für sich.
Wir Arme- und Hüfte-Kreisenden haben alle das gleiche Ziel: Wir möchten surfen lernen, unseren Stil verbessern oder Kurven fahren lernen. Die deutschsprachige Gruppe ist, wie alle anderen auch, bunt gemischt: von Teenagern über Eltern mit kleinen wie großen Kindern bis hin zu Alleinerziehenden oder Paaren mit Hund. Die Gruppen sind unterteilt in Beginner und Intermediate, also Anfänger und solche, die bereits erste Surferfahrung haben. Je nach Strömung und Wellenhöhe (low oder high tide im Fachjargon) haben wir einmal am Tag anderthalb Stunden Surfunterricht. Wer seine geliehene Ausrüstung (Surfbrett, Neoprenanzug) und seinen Tagesrucksack vom Campingplatz „Les Tourterelles“ über die Düne zum Strand getragen hat, der hat schon das erste Fitnesstraining hinter sich.

Heute geht es ums Surfen im Whitewater, also dort, wo die Wellen sich gerade überschlagen und weiß kräuselnd auslaufen. Auf dem Brett liegend üben wir unsere Balance. Gar nicht so einfach, wenn die Wellen ihren eigenen Kopf haben. Die Übermotivierten erhalten erste Instruktionen zum Takeoff, dem Sprung vom Liegen in den Stand. Schnell aber steht fest, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. Hinfallen gehört zum Surfen dazu, rauspaddeln, bis die Arme müde werden, auch. Und dennoch hat Surfen einen besonderen Kick. Einen Kick, der dann einsetzt, wenn man im Laufe der Woche seine erste Welle bekommt und mit ihr „eins“ ist. Etwas, was sich mit nichts anderem vergleichen lässt. Etwas, was ein breites Grinsen bei dem einen, ein gebrülltes „Tschakkaaaa“ bei dem anderen und beim Dritten Tränen der Freude hervorruft.

Kinder, die das Surfen lernen, sind in Extragruppen unter sich. Anna, ihre Surflehrerin, ist Surfprofi und immer wieder von neuem über ihre Zöglinge begeistert. Die nette Blondine arbeitet bereits seit Jahren im Family Camp, und ihre Begeisterung ist unübersehbar. Ich frage sie, ob ihr nicht langweilig sei, und sie schüttelt grinsend den Kopf. Nein, denn mit Kindern zu arbeiten und den ganzen Tag am Strand zu sein sei genau ihr Ding. Und außerdem könne sie zwischendurch bei high tide selber immer mal rausgehen.
Die Betreuung der Kleinkinder, die noch nicht surfen lernen, wird von Teamern im Camp oder am Strand übernommen. Größere Kinder finden leicht Gleichaltrige, leihen sich Spiele oder Skateboards im „Barzelt“ oder gehen zu den Hüpfburgen oder in den Pool. Für alle ist also gesorgt. Individuelle Erholung pur!

In unserem Doppelkammerzelt ist es tagsüber sehr warm. Zum Glück kühlt es zum Schlafen abends immer ab. Das vielseitige Frühstück gibt es morgens bis rund 10:30 Uhr vor der ersten Surfstunde. Abends kocht ein Allround-Talent-Koch. Tim schreckt vor nichts zurück, weder vor vegetarisch noch vor vegan oder glutenfrei, aber auch nicht vor einer einzigartigen Paella für 90 Leute. Hinzu kommt der ein oder andere organisierte Wein- oder Bingo-Abend oder eine Sause mit Livemusik in der Bar des Campingplatzes.
Speziell in St. Girons veranstalten verschiedene Anbieter Surfcamps, darunter: Puresurf, Wellenreiter und Wavetours. Außer in Frankreich werden Camps auch in anderen Ländern wie Marokko und Portugal oder auf Teneriffa und Bali angeboten. Die Preise richten sich je nach Buchungszeit, Zeitraum, Kursen und Land.
Egal ob groß oder klein, sportlich oder weniger sportlich: Jeder hat nach fünf Tagen, am Ende eines Surfkurses, einmal auf dem Brett gestanden. Daumen und kleinen Finger abgespreizt und breit grinsend sind sich beim Abschied die meisten einig: Nächstes Jahr sehen wir uns wieder!

 

Veranstalter: wavetours.com
Anreise: Zum Beispiel mit der Bahn (Aachen Hauptbahnhof über Paris nach Dax in rund acht Stunden. Von dort mit dem Bus des Plages Linie 44 nach Vielle-Saint-Girons (2 Euro pro Person) und dann weiter mit dem Bus Linie 3 (kostenfrei).

Von Sirit Coeppicus



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