Nicht alle Situationen wecken positive Emotionen – und doch sind manche von ihnen sinnvoll und gehören einfach zum Leben dazu. So zum Beispiel das Zähneputzen und Fernsehregeln. Es gibt aber auch Situationen, die angesprochen werden müssen, da sie Angst machen und persönliche Grenzen überschreiten. All diese werden im Anschluss am besten mit einem lustigen Mitsinglied in die große Nein-Tonne gefegt. Nein sagen muss erst gelernt werden. Es ist daher unbedingt notwendig, schlechte Gefühle nicht zu unterdrücken, sodass Kinder und Jugendliche lernen, sich in bestimmten Situationen selbstbewusst auszudrücken.
In dieser Woche startet wieder ein Theaterprogramm an der Kleebach-Schule, über das wir vor zwei Jahren schon einmal berichtet haben. Anhand von zwei Theaterstücken sollen die Schülerinnen und Schüler der Aachener Förderschule für das Thema sexuelle Gewalt sensibilisiert und gestärkt werden. „Die große Nein-Tonne“ richtet sich an 8- bis 12-Jährige und handelt von positiven und negativen Gefühlen. „Lilli und Leo“ knüpft für die 12- bis 15-Jährigen hieran an und thematisiert z. B., was gute und schlechte Geheimnisse sind und wem Kinder sich anvertrauen können. Die Kleebach-Schule freut sich sehr, dass das Projekt trotz der angespannten Corona-Lage stattfinden kann und ein so schwerwiegendes Thema abermals in den Fokus rückt. Denn Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf sind viermal häufiger von sexualisierter Gewalt betroffen als andere Kinder. Insbesondere bei Kindern mit einer geistigen Behinderung ist die Aufdeckung schwierig und es ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen – aufgrund der pandemischen Lage der letzten zwei Jahre noch mehr als zuvor. „Den Kindern fehlt die Sprache oder das Bewusstsein dafür, sich zu äußern. Außerdem sind sie oft hilflos, da sie ja sehr auf andere Menschen angewiesen sind“, weiß Heike Fitzner, Schulsozialarbeiterin an der Kleebach-Schule und Projektkoordinatorin. „Trotzdem merken sie, wenn sich etwas nicht gut anfühlt. Sie können dies dann aber oft nicht verstehen oder artikulieren.“ Umso wichtiger ist es also, dass für die Thematik ein Bewusstsein geschaffen wird. Hierfür eignet sich das Theater besonders gut, da ernste Sachverhalte in einfacher Sprache und auf sehr anschauliche Art und Weise umgesetzt werden können. „Die Kinder verstehen: Aha, das darf der also nicht mit mir machen!“, so Fitzner. „Im Anschluss werden die Theaterstücke thematisiert und aufgearbeitet. Es konnten dadurch tatsächlich auch bereits Fälle aufgedeckt werden. Darum ist uns das Projekt so wichtig.“

Das Präventionsprogramm wird durchgeführt von der theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück und ist speziell für Mädchen und Jungen mit Förderbedarf Lernen und geistige Entwicklung konzipiert worden. Es ist in ähnlicher Form aber auch für Regelschulen buchbar. Gefördert wird das Projekt in diesem Jahr wieder vom Verein „Menschen gegen Kindesmissbrauch e. V.“ in Mülheim an der Ruhr. „Wir möchten vor allem auch andere Schulen auf das Programm aufmerksam machen, sodass sie davon erfahren“, wünscht sich Heike Fitzner.
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