Der Stadtsportbund Aachen e. V. hat die Initiative ergriffen: Mit verschiedenen Angeboten sollen Kinder zu Schwimmern gemacht werden.
Immer weniger Kinder in Deutschland können sicher schwimmen, die Zahlen der ertrunkenen Kinder und Jugendlichen sind in die Höhe geschnellt. Laut DLRG sank die Anzahl der Schwimmhallen in Deutschland von 7.800 im Jahr 2000 auf 6.400 Hallen 2018. Das alleine könne jedoch nicht für die gestiegene Anzahl der Nichtschwimmer verantwortlich gemacht werden. In der StädteRegion Aachen, wo man sich derzeit in der komfortablen Situation befindet, eine annehmbare Zahl an Schwimmhallen vorweisen zu können, hat man dennoch im Jahr 2017 festgestellt, dass lediglich ein Drittel der Kinder zum Zeitpunkt der Schuleingangsuntersuchung schwimmen kann, in sozialen Brennpunkten sind es weitaus weniger. Und das, obwohl empfohlen wird, Kindern ab ca. fünf Jahren das Schwimmen beizubringen.
Kommen die Kinder dann in der Grundschule in den Schwimmunterricht, stehen die Sportlehrer/-innen vor dem Dilemma, auf der einen Seite die Schwimmer fördern zu müssen und auf der anderen Seite die Nichtschwimmer zu beaufsichtigen – teils noch in unterschiedlichen Becken. Keine einfache Ausgangslage. Dass eine einzelne Lehrperson dabei noch Kindern das Schwimmen beibringt, ist so gut wie ausgeschlossen.
Blubberclub
Um dem hohen Nichtschwimmeranteil bei Grundschulkindern entgegenzuwirken, rief der Stadtsportbund Aachen e. V. bereits im Jahr 2009 das Projekt „Blubber-Club für Kindergartenkinder“ ins Leben.
„Da die frühzeitige Wassergewöhnung häufig nicht im familiären Umfeld stattfindet, sollen Kindergartenkinder auf spätere Schwimmkurse und auch den Schwimmunterricht vorbereitet werden. Wir erreichen mit den Kursen ca. 150 bis 180 Kindergartenkinder pro Jahr“, erläutert Nadine Frey, Geschäftsführerin des Stadtsportbundes Aachen e. V., die Idee des Projekts.
Seit nunmehr 10 Jahren lernen Vorschulkinder aus mehreren Kitas bei ausgebildeten Schwimmübungsleitungen, wie das Wasser sie tragen kann, aber auch, wie sie sich unter Wasser bewegen und orientieren können.
Ziel des zwölfwöchigen Kurses ist es, Kindergartenkinder ab fünf Jahren an das Wasser zu gewöhnen, sie für die Gefahren am und im Wasser zu sensibilisieren, ihnen aber gleichzeitig die Angst vor dem Wasser zu nehmen und ihnen Spaß an der Bewegung und dem Schwimmen zu vermitteln. Das Verhalten der Kinder am und im Wasser wird geschult und der notwendige Respekt davor aufrechterhalten. Begleitet werden die Kinder von Erzieherinnen, Erziehern oder auch Eltern.
Damit der Stadtsportbund Aachen e. V. dieses wichtige und nachhaltige Projekt durchführen kann, sind die zur Verfügung gestellten Wasserzeiten der Osthalle an drei Vormittagen pro Woche notwendig. Darüber hinaus kann der Stadtsportbund Aachen auch in diesem Projekt auf die langjährige Unterstützung der STAWAG bauen.
„Wir machen uns gemeinsam stark für die Kinder- und Jugendförderung. Das Thema „Schwimmen lernen“ hat für uns als Dienstleister für Trinkwasser an dieser Stelle oberste Priorität. Wir möchten uns als Partner des Sports für mehr Sicherheit im Wasser stark machen. Uns freut es besonders, dass auch inklusive Kitas an dem Projekt teilnehmen und so auch Kinder mit Beeinträchtigungen von dem Angebot profitieren können“, betont Kirsten Haacke, Referentin beim lokalen Energie- und Wasserunternehmen.
Zusatzkräfte für den Schwimmunterricht
Hier hat der Stadtsportbund Aachen reagiert und das Projekt „Gemeinsam sicher schwimmen in Aachen“ initiiert. Im Zuge dieses durch Sponsoren finanzierten Projektes sollen nun im dritten Jahr den teilnehmenden Grundschulen Schwimmlehrer/-innen zur Seite gestellt werden, die sich um die Nichtschwimmer kümmern und für diese Schwimmunterricht für die Dauer von 15 Einheiten anbieten. Das Ganze geschieht parallel zum normalen Schwimmunterricht und nicht in den Nachmittagsstunden, denn außerhalb des Schulunterrichts sei es schwer, bildungsbenachteiligte Familien dazu zu bewegen, ihre Kinder an Kursen teilhaben zu lassen, so Karlheinz Welter vom Fachbereich Sport. Erklärtes Ziel sei es, dass alle Grundschulen in Aachen von dem Programm profitieren sollen, sodass im Idealfall alle Kinder als Schwimmer die Grundschule verlassen. Förderer für das Projekt werden noch gesucht, es soll in jedem Fall weiter angeboten werden. Die Grundschulen wissen von dem Angebot. Sollte eine Klasse nicht angesprochen worden sein, kann beim Stadtsportbund Bedarf angemeldet werden.
Kompaktschwimmkurse in den Sommerferien
Wer ein Kind in der Grundschule hat, das bislang noch nicht schwimmen gelernt hat, kann in den Sommerferien immer von einem weiteren Angebot des Stadtsportbundes profitieren: Über das SportBildungswerk finden im Rahmen des Programms „Aachen lernt schwimmen“ mehrere Kurse für Nichtschwimmer unter den Dritt- bis Sechstklässlern statt. Die zweiwöchigen Kurse werden durch das Landesprogramm „NRW kann schwimmen!“ mit jeweils 350 Euro pro Kurs gefördert und können so für eine Gebühr von nur 10 Euro pro Kind und Kurs angeboten werden. Auch jüngere Kinder können von Schwimmkursen in den Sommerferien in der Osthalle profitieren. Das Angebot umfasst Kurse für Kinder ab vier Jahren, ob Anfänger mit oder ohne Vorkenntnisse oder Fortgeschrittene. Eine Übersicht der aktuellen Kurse ist unter sbw-aachen.de/aktuelles zu finden. Das Team des SportBildungswerkes des Stadtsportbundes Aachen e. V. berät zu allen Fragen rund um die Kursauswahl und Anmeldung telefonisch
(0241 475795-50) oder per E-Mail an
bildungswerk@sportinaachen.de.
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