Es ist Sommer und die Wasserquellen in Form von Schwimmbad, Meer oder Planschbecken ziehen Kinder magisch an. Doch immer weniger Kinder können sicher schwimmen. Warum ist Schwimmen wichtig und was gilt es, beim Schwimmbadbesuch und an öffentlichen Gewässern zu beachten? Wir haben Claus Nürnberg befragt, Geschäftsführer des Aquana in Würselen.
Erst einmal ganz grundsätzlich. Ist es wirklich wichtig, schwimmen zu lernen?
Schwimmen ist für die Entwicklung der Kinder sehr wichtig. Schwimmen bedeutet für die Kinder Spaß und fördert gleichzeitig Ausdauer, Kondition und Sozialverhalten. Da sich viele Kinder heute zu wenig bewegen, ist Schwimmen der richtige Ausgleich, um den Aufbau der Muskulatur, das Gleichgewichtsempfinden etc. zu fördern. Schwimmen zu können ist schlichtweg wichtig. Wer schwimmen kann, verringert das Risiko zu ertrinken. Gerade der Besuch von Freizeitbädern mit ihren Wellenbecken und Wasserrutschen, des Meeres, von Flüssen oder Badeseen setzen zwingend die Fähigkeit des sicheren Schwimmens voraus. Nur so ist gewährleistet, dass mögliche Gefahren auf und im Wasser besser eingeschätzt werden können, die eigenen Kräfte im Wasser richtig dosiert werden und dass man weiß wie man sich in Notfallsituationen zu verhalten hat. Das Seepferdchenabzeichen ist dabei nicht ausreichend, sicheres Schwimmen setzt mindestens das Bronzeabzeichen voraus. Im Eingangsbereich des Aquana hängen Schilder, die Eltern auf die Aufsichtspflicht im Schwimmbad hinweisen. Warum ist das nötig? Wir erhoffen uns hierdurch eine Sensibilisierung der Eltern bzw. der Begleitpersonen bezüglich ihrer Aufsichtspflicht. Neben dem Spaß birgt das Element Wasser leider auch Gefahren, dies scheint aber oftmals unterschätzt zu werden. Zudem beobachten wir eine immer stärker zunehmende Ablenkung durch Handys und Tablets. Abgesehen von der Thematik der Aufsicht gilt hier natürlich ganz klar: Eltern, die am Beckenrand sitzen, während ihre Kinder im Wasser toben, lassen sich selbst eine Menge Spaß entgehen.
Ist es nicht selbstverständlich, am Wasser seine Kinder nicht aus den Augen zu lassen?
Sollte man eigentlich meinen, allerdings lehrt einen die Erfahrung, dass es nicht so ist. Spricht man die Begleitpersonen der Kinder hierauf an, schwanken die Reaktionen von einer völligen Unterschätzung möglicher Gefahren bei unbeaufsichtigten Kindern bis dahin, dass Eltern sich persönlich angegriffen fühlen. Hier zeigt sich dann deutlich, wie wichtig Aufklärungsarbeit ist.
Ist der „Bademeister“ oder Rettungsschwimmer für die Sicherheit meines Kindes verantwortlich?
Der Bademeister, die korrekte Berufsbezeichnung ist Fachangestellter für Bäderbetriebe, oder eben die Rettungsschwimmer sind verantwortlich für die Verkehrssicherungspflicht. Die Aufsichtspflicht wiederum liegt bei den Eltern bzw. den Begleitpersonen. Eine permanente und lückenlose Überwachung durch das Schwimmbadpersonal ist nicht umsetzbar.
Sind Schwimmhilfen im Schwimmbad notwendig oder sinnvoll?
Schwimmhilfen sind ganz klar notwendig, da sie einen sinnvollen zusätzlichen Sicherheitsaspekt bieten.
Kann ich mein Kind alleine im Schwimmbad oder an öffentlichen Gewässern spielen lassen, wenn es Schwimmhilfen anhat?
Eine Schwimmhilfe ist definitiv angebracht, sie wird allerdings niemals die Aufsichtspflicht ersetzen können. Man bedenke hier einfach nur mal mögliche Szenarien, sei es, dass die Schwimmhilfe beschädigt ist, oder sei es, dass das Kind sie auszieht. Denkbar ist leider auch, dass sich beispielsweise durch den Sprung ins Wasser ein Schwimmflügel vom Arm löst.
Sie haben beim Vorgespräch erzählt, dass vor den Ferien Eltern auf sie zukommen mit der Bitte: „Nächste Woche fahren wir in den Urlaub, bis dahin soll das Kind schwimmen können.“ Eine realistische Forderung? Wie viel Zeit sollte eingeplant werden, um das Kind zum Schwimmer zu machen?
Diese Anfragen kommen tatsächlich immer mal wieder vor. Hier gilt zu bedenken, dass ein Schwimmkurs bei uns über zehn Unterrichtsstunden geht. In der Regel finden diese dann ein- bis zweimal pro Woche statt. In den Sommerferien bieten wir dieses Jahr noch spezielle Kompaktkurse an, sodass es möglich ist, den Schwimmkurs in 14 Tagen zu absolvieren. Grundsätzlich muss hier aber betont werden, dass es eine hohe Nachfrage für Schwimmkurse gibt und man somit auch mit einer gewissen Wartezeit rechnen muss.
Ab welchem Alter steigt man am besten beim Schwimmenlernen ein?
Wir bieten unsere Schwimmkurse für Kinder ab fünf Jahren an.
Sollte ein Kind schwimmen können, bevor es in die Schule kommt, oder ist der Schwimmunterricht dazu da, ein Kind zum Schwimmer zu machen?
Wir erachten es für überaus sinnvoll, dass ein Kind schon schwimmen lernt, bevor es eingeschult wird. Hierdurch begegnen Kinder dem Schwimmunterricht deutlich selbstsicherer und gelassener. Abgesehen von dem Aspekt, dass es sicherlich nicht ratsam ist, die Verantwortung für diese Thematik auf die Schule zu schieben, sollte man sich vor Augen führen, dass ein Schwimmlehrer (zumindest bei unseren Schwimmkursen) maximal fünf Schüler betreut. Ein derartiges Verhältnis ist beim Schulschwimmen sicherlich nur schwer umsetzbar.
Gilt ein Kind mit Seepferdchen als sicherer Schwimmer?
Das Seepferdchen dient als erster Schritt und zugleich toller Anreiz, um einem Kind das Schwimmen näherzubringen. Definitiv ist der Ausdruck „sicherer Schwimmer“ hier fehl am Platz. Führt man sich einmal die Anforderungen für dieses Schwimmabzeichen vor Augen, so gehört neben dem Sprung ins Becken und dem Heraufholen eines Gegenstands aus schultertiefem Wasser das Schwimmen einer Bahn (25 m) dazu. Dies findet in der Regel in einem ruhigen Teil des Beckens statt, zusätzlich kann das Kind im Erschöpfungsfall nach dem Beckenrand greifen. Während eines „normalen“ Schwimmausflugs sieht es aber oftmals anders aus. Nicht immer ist ein Beckenrand oder eine andere Haltemöglichkeit gegeben, wenn das Kind erschöpft ist. Hier muss auch mit anderen Gästen, mit tobenden Kindern oder mit Hindernissen in Form von beispielsweise aufblasbarem Wasserspielzeug gerechnet werden. Schnell kann es dann passieren, dass ein ungeübter Schwimmer die Kraft verliert, Wasser schluckt oder Panik bekommt.

Welche Regeln gelten an Badeseen, Flüssen und am offenen Meer?
Grundsätzlich gehen die Baderegeln, die Kinder beim Erwerb der Schwimmabzeichen vermittelt bekommen, auch auf die Gefahren an Badeseen, Flüssen oder am Meer gut ein. Bei unbekannten Gewässern muss immer die Wassertiefe hinterfragt werden, bevor man hineinspringt. Es gilt zu beachten, dass man sich das Wasser gegebenenfalls mit anderen Wassersportlern wie Seglern, Kanufahrern oder auch Booten teilt. Niemals sollte man seine Kraft bzw. Ausdauer im Hinblick auf den Rückweg zum Ufer überschätzen. Zudem muss hier mit Strömungen gerechnet werden, die einen mitreißen und gegen die man nicht anschwimmen kann. In offenen Gewässern muss zudem mit starkem Pflanzbewuchs sowie mit Tieren, die im Wasser leben, gerechnet werden. Hier muss nicht direkt vom „schlimmsten Fall“ – was wohl vielen Leuten am Meer direkt in den Sinn kommt: Haie – ausgegangen werden, sondern beispielsweise von Quallen. Auch sie können Menschen gefährlich werden. Zudem gilt zu bedenken, dass es nicht an allen Badestellen so viele Aufsichtskräfte gibt wie in einem Schwimmbad. Auch wenn dies größtenteils bei deutschen Badeseen kein Problem darstellt, so sollte man gerade im Ausland immer mal die Wasserqualität hinterfragen.
Die Kinder sind größer geworden und wollen alleine zum Schwimmen gehen. Worauf sollten Eltern noch einmal hinweisen?
Grundsätzlich empfiehlt sich hier nochmals eine kleine Auffrischung der Baderegeln. Ansonsten halten wir es für sinnvoll, den Kindern immer eine Telefonnummer mitzugeben, unter der ein Angehöriger zu erreichen ist. Zudem sollten Eltern ihren Kindern gerne den Hinweis geben: Wenn ihr schwimmen geht und es ein Problem gibt, meldet euch bei den Schwimmmeistern, sie helfen euch gerne weiter.
Mehr zum Thema?
Der Stadtsportbund Aachen e. V. hat die Initiative ergriffen: Mit verschiedenen Angeboten sollen Kinder zu Schwimmern gemacht werden. Angebote gibt es in den Ferien (Schwimmen lernen für 10 Euro!) aber auch in der Schulzeit, sofern die Grundschule sich für das Projekt bewirbt.
Hier geht es zum Artikel: Gemeinsam sicher schwimmen in Aachen
Hinterlasse einen Kommentar