Schlechterstellung von Beleghebammen – auch unsere Region betroffen

in Aktuelles um die Ecke, Familienleben

Die Schiedsstelle auf Bundesebene hat entschieden, dass Beleghebammen im neuen Hebammenhilfevertrag finanziell schlechtergestellt werden. Der Deutsche Hebammenverband (DHV) hatte sich bis zuletzt gegen diese Entscheidung eingesetzt und warnt nun vor massiven Folgen für die Geburtshilfe.

Schon in der vergangenen Verhandlungsrunde mussten Beleghebammen finanzielle Einbußen hinnehmen. Ihre letzte Vergütungserhöhung liegt zehn Jahre zurück. Der DHV befürchtet, dass die neue Entscheidung für viele Hebammen das berufliche Aus bedeuten könnte. Besonders in Regionen, in denen freiberufliche Hebammen einen großen Teil der Geburtsbegleitung übernehmen, könnten Engpässe entstehen – mit Folgen für werdende Familien.

Auch in unserer Region Aachen, Düren, Heinsberg und Stolberg wären die Auswirkungen spürbar. In Aachen schlagen Hebammen bereits Alarm: Am 1. April demonstrierten zahlreiche Hebammen und Unterstützerinnen in der Innenstadt, um auf die drohenden Probleme aufmerksam zu machen. Im St. Marien-Hospital Düren arbeiten freiberufliche Hebammen im Dienst-Belegsystem. In Heinsberg betreut ein freiberufliches Team die Geburten im Krankenhaus. Und das Bethlehem Gesundheitszentrum in Stolberg, das geburtenreichste Krankenhaus der Städteregion, setzt ebenfalls auf Beleghebammen.
Fallen die Beleghebammen weg, könnten Geburtsstationen unterbesetzt sein, und Familien müssten längere Wege und Wartezeiten in Kauf nehmen.

Die aktuelle Entwicklung verschärft die Situation eines Berufsstandes, der schon seit Jahren unter Druck steht. Bereits 2014 berichtete KingKalli über die drastisch gestiegenen Kosten für die Berufshaftpflichtversicherung von Hebammen. Damals mussten freiberuflich tätige Hebammen Prämien von über 5.000 Euro jährlich zahlen – eine Summe, die viele an den Rand der Existenz brachte. Obwohl die Anzahl schwerwiegender Geburtsschäden konstant blieb, stiegen die Entschädigungszahlungen erheblich, was die Versicherer dazu brachte, sich aus dem Markt zurückzuziehen. Viele Hebammen gaben daraufhin ihre freiberufliche Tätigkeit auf.
Der neue Schiedsspruch könnte diese Entwicklung weiter verschärfen – und damit die wohnortnahe Versorgung von Schwangeren, Gebärenden und jungen Familien weiter gefährden.

Der Deutsche Hebammenverband kündigte an, weiterhin für bessere Bedingungen zu kämpfen, und forderte die Politik auf, die Geburtshilfe stärker zu unterstützen.

Hintergrund:
Beleghebammen arbeiten freiberuflich in Kliniken und begleiten Geburten flexibel und individuell. Ihre Leistungen rechnen sie über den Hebammenhilfevertrag nach § 134a SGB V direkt mit den Krankenkassen ab.</

 

Mehr zum Thema:

Wie Hebammen schon 2014 unter den explodierenden Kosten der Berufshaftpflichtversicherung litten, könnt ihr hier nachlesen:
Berufshaftpflichtversicherung für Hebammen – ein Berufsstand wackelt (KingKalli)

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