Roadtrip: Mit dem mit Wohnwagen durch Rumänien

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Erschlagen von den Flugpreisen, die ja just am ersten Tag der Ferien aufs Doppelte und Dreifache schnellen, haben wir uns in den diesjährigen Sommerferien dazu entschieden, mit unserem Wohnwagen wegzufahren. Aber es sollte etwas Neues sein, ein bisschen abenteuerlich. In Skandinavien, Österreich, der Schweiz, Italien, Kroatien, Belgien und Holland waren wir schon, also fehlte noch der „wilde Osten“ – Rumänien, wo man auch noch wildcampen darf!

Relativ blauäugig und ohne große Vorbereitung und Reiseführer fuhren wir am ersten Ferientag los – erster Stopp: Pilsen in Tschechien, ein kleines gemütliches Städtchen und Kulturhauptstadt Europas 2015. Die Kinder fanden am besten die Besteigung des alten Kirchturms der St.-Bartholomäus-Kathedrale mit einem phantastischen Rundumblick über die historische Altstadt. Weiter ging es via Prag und Brünn in die Slowakei. Von Städten hatten wir erstmal genug, daher fuhren wir auf direktem Weg zum Liptauer Stausee. Hier fanden wir durch Zufall einen tollen Campingplatz, der viel für Familien zu bieten hat – Mara Camp – mit Strand zum Schwimmen, Tretbootfahren, einem Trampolinpark u. v. m.

Für uns als Bergfans stand als Nächstes die Hohe Tatra mit der Lomnitzer Spitze auf unserem dürftigen Plan. Als wir jedoch in Tatranska Lomnica ankamen und die reinste Touristenhochburg vorfanden, wollten wir nur so schnell wie möglich weiter. Irgendwo im Nirgendwo zwischen der Slowakei und Rumänien verbrachten wir die nächste Nacht auf dem tollen Campingplatz eines Thermalbades in Ungarn und ließen den Tag in einer gelbbraunen, heißen Thermalwasserbrühe ausklingen. Das tat uns allen richtig gut! Am zehnten Tag unserer Reise passierten wir die Grenze nach Rumänien. Dummerweise funktionierte unser Navi ab hier nicht mehr, eine Straßenkarte hatten wir auch nicht, bis auf einen alten Straßenatlas im Maßstab 1:3000000.

Immer der Nase nach verbrachten wir die nächsten fünf Tage in herrlichster Natur und Stille in einem winzigen Dörfchen Namens Breb in Maramures, dem traditionsreichen Norden Rumäniens. Besonders interessant war es für unsere Kinder, zu sehen, wie die Menschen hier auch heute noch fast so leben wie früher – hier scheint die Zeit stillzustehen. Die Einheimischen sind hauptsächlich Selbstversorger mit großen Gärten und Vieh. Das Heu für die Tiere wird mit der Sense gemäht und von Hand zu großen Heutürmen gestapelt. Gekocht und geheizt wird mit Feuer. Die Menschen sind extrem gastfreundlich. Trotz der Sprachbarriere wurden wir auf jedem unserer Spaziergänge durchs Dorf in Haus und Garten hereingewinkt, unsere Rucksäcke wurden mit Äpfeln gefüllt, wir bekamen süße Kuchen geschenkt und natürlich wurde bei jedem Besuch der selbstgebrannte Schnaps Palinca ausgeschenkt, den man keinesfalls ablehnen darf, da dies dem Hausherrn Unglück bringen würde. Eine kleine Notlüge à la „Baby im Bauch“ stellte sich als sehr hilfreich heraus, den Hochprozentigen zu umgehen – zumindest für Frauen ;)

Neben der wunderschönen Natur haben wir viele traditionelle Holzkirchen besichtigt und den wohl fröhlichsten Friedhof der Welt in Sapanta gesehen, wo ein Künstler zu jedem Grab eine Szene aus dem Leben des Verstorbenen gemalt hat.
Nächster Stopp war das Apuseni-Gebirge, wo unser Wohnwagen die volle Wucht eines kleinen Holzzauns in einer engen Kurve einer Schotterpiste abbekam, der Wink mit dem Zaunpfahl sozusagen, der uns wieder einmal klarmachte, dass wir unbedingt ein Expeditionsmobil mit Allradantrieb brauchen. Nachdem uns eine komplette rumänische Großfamilie geholfen hatte, unseren Wohnwagen wieder auf die Straße zu bringen und wir die Schäden mit Panzertape versorgt hatten, verbrachten wir die nächsten drei Nächte zusammen am Lagerfeuer. Alle Kinder spielten UNO und machten sich gegenseitig hübsche Frisuren, was auch prima ohne Sprachkenntnisse funktioniert, und wir Erwachsenen unterhielten uns mit Händen und Füßen und viel Gelache!

Nach der Altstadt von Sighisoara (dt. Schäßburg in Siebenbürgen) waren die nächsten Highlights die Fahrten über die Transfagarasan und die Transalpina, zwei Hochgebirgsstraßen mit phantastischen Ausblicken, Wasserfällen und Bergseen. Auch Sibiu (dt. Hermannstadt) hat uns richtig gut gefallen. Aber noch besser als die Stadt war für unsere Kinder das Baden in den warmen Salz- und Schlammseen von Ocna Sibiului besonders toll.

Nach drei sehr erlebnisreichen Wochen in Rumänien machten wir uns langsam Richtung Heimat auf. Je weiter wir gen Westen fuhren, umso besser wurden auch die Straßenverhältnisse wieder. Die Schlaglöcher wurden seltener, und wir mussten nicht mehr nach jeder Etappe den Wohnwagen komplett einräumen, weil alles aus den Schränken gepoltert war. Einen längeren Stopp machten wir erst wieder in Budapest – eine klasse Stadt! Obwohl es richtig heiß war, hatten die Kinder viel Spaß, da es an fast jeder Ecke einen Brunnen oder sonstige Wasserspiele gab, um sich zwischen all dem Sightseeing abzukühlen.
Die letzten zehn Tage der Ferien verbrachten wir in Österreich im Salzburger Land, was sich nun so richtig nach erholsamen Urlaub statt Abenteuerreise anfühlte. Jeden Tag gingen wir im See baden, während der Papa endlich paragliden gehen konnte.

 

 

Highlights für die Kinder 
(5 und 7 Jahre):

Alles, was mit Wasser und Schwimmen zu tun hatte – der Liptauer Stausee, die Salzseen in Ocna Sibiului, die Wasserspiele in Budapest, die Badeseen in Österreich, aber auch die Turmbesteigungen der Kirchen sind immer ein Highlight, je höher desto besser. Und natürlich ganz wichtig beim Campen: Lagerfeuer.

Von Doro Maikind



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