Über den in vielen Regionen Deutschlands gravierenden Hebammenmangel wird bereits seit einiger Zeit berichtet. Laut Jochen Vennekate (Geschäftsführer CBG) ist das Problem mittlerweile auch in der StädteRegion angekommen. In einer Podiumsdiskussion haben Patrick Haas, Vorsitzender SPD Stolberg, und Yvonne Mees, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF), Vertreter/-innen des Stolberger Bethlehem-Krankenhauses sowie der Hebammenschule Aachen an einen Tisch gebracht, um über die derzeitige Situation und mögliche Lösungswege zu diskutieren. In einem sind sich alle einig: Damit eine gute Betreuung durch eine Hebamme erfolgen kann, muss sich etwas in Sachen Arbeitsbedingungen und Finanzierung ändern.
„Geburten ohne Hebammen? Nein danke!“ – Eine Einstellung, die auf viel Zustimmung trifft. Denn die Hebamme ist eine unentbehrliche Stütze in der Schwangerschaft, während der Geburt sowie der anschließenden Wochenbett-Betreuung. „Wenn die Geburt gut verläuft, ist der Lebensweg des Kindes gut vorgeprägt“, weiß Bettina Cremer-Hine, stellvertretende Hebammen-Leiterin im Bethlehem-Krankenhaus. „Doch wenn eine Geburt nicht so gut verläuft, weil die Hebammen überlastet sind, zieht das Folgen nach sich, die man erst gar nicht überblicken kann. Vor allem, wenn dies nicht durch die Nachbetreuung aufgefangen wird.“ Doch immer mehr Hebammen hören aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen auf zu arbeiten. Oftmals müssen sie mehrere Geburten gleichzeitig betreuen, was zulasten der Qualität ihrer Arbeit geht. Im Bethlehem-Krankenhaus betreuen zurzeit 22 Hebammen fast 2000 Geburten im Jahr. Hinzu kommt das viele kleinere geburtshilfliche Abteilungen aus ökonomischen Gründen schließen müssen. Ein Kaiserschnitt bringt rund 1000€ mehr ein. „Ein großer Fehlanreiz, wenn wir eine natürliche Geburt fördern wollen“, so Vennekate.
An der CBG, der Christlichen Bildungsakademie für Gesundheitsberufe Aachen, werden jedes Jahr 20 Hebammen ausgebildet. Auch wenn die Bewerberzahlen stark abgenommen haben, sind es trotzdem noch deutlich mehr Bewerberinnen, als Plätze vorhanden sind. Ein wichtiger Schritt ist es demnach, die Ausbildungsplätze weiter auszubauen. Im Fall der CBG fehlen hierfür jedoch die Räumlichkeiten, sodass die Luisenkapelle bereits als Unterrichtsraum herhalten muss. Eine weitere große Veränderung ist die dem Beruf bevorstehende Akademisierung. Bis 2020 wird auf Beschluss der EU eine 12-jährige Schulbildung vorausgesetzt. Während dies vielleicht einige Bewerberinnen abschrecken könnte, sieht Vennekate der Veränderung positiv entgegen und wünscht sich ein praxisintegriertes Studium, das eine Gleichwertigkeit von Theorie und Praxis mit sich bringt.
Trotz der negativen Entwicklung möchte Cremer-Hine aber dennoch abschließend deutlich machen, wie sehr die Hebammen ihren Beruf weiterhin lieben und wertschätzen. Obwohl sie sich kaum vor Anfragen retten können, setzen sie sich stetig dafür ein, die Situation der Frauen zu verbessern und haben u. a. einen Hebammenqualitätszirkel gegründet. Kapazitäten sollen zukünftig zentralisiert erfasst werden, sodass Frauen, die eine Hebamme suchen, nur noch an einer Stelle anfragen müssen.
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