Nachlass: Behalten, verschenken, verkaufen oder wegschmeißen? Ins Stadtarchiv!

in Aktuelles um die Ecke, Großeltern & Enkel
Axel Jansen (l.) übergibt u. a. einen Stapel Feldpost an den Leiter des Stadt- und Kreisarchivs Düren, Daniel Schulte.

Nach dem Tod der Eltern stehen Kinder zwangsläufig vor der Aufgabe, den Nachlass zu regeln. Das kann emotional mehr oder weniger fordernd sein, je nachdem in welchem Verhältnis man zu seinen Eltern stand. Mitunter tauchen aber auch Dinge auf, die museumsreif sind. So war es bei Axel Jansen. Einen Teil des Nachlasses seines Vaters hat er an das Stadt- und Kreisarchiv Düren übergeben.

„Mein Vater hat sich immer schon für die Geschichte von Düren und Nörvenich interessiert“, erzählt Axel Jansen. Der ehemalige Amtsleiter in der Gemeindeverwaltung Nörvenich hatte zeit seines Lebens recherchiert und gesammelt, fotografiert, archiviert und Führungen für Schüler angeboten. Seine Ahnenforschung reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück.

Nach dem Tod seines Vaters sei sich Jansen wie ein „Detektiv nach Feierabend“ vorgekommen. Er habe einen Biertisch aufgestellt, Ordner drauf und angefangen, das Material zu sichten. Um Videos und Fotos zu betrachten, kaufte er einen VHS-Recorder und einen CD-Player.
Schließlich stieß er auf eine Kiste mit Feldpost. Der Onkel seines Vaters war im Zweiten Weltkrieg verschollen, von ihm stammte die Post. Langsam dämmerte Axel Jansen, dass das Material zu wertvoll war, um einfach zu verschwinden. Denn was passiert mit all den Dingen? „Behalten, verschenken, verkaufen oder wegschmeißen?“ Seinem Vater sei immer wichtig gewesen, Bildung für alle zugänglich zu machen, und auch Axel Jansen, in Aachen Leiter der kulturellen Bildungseinrichtung Bleiberger Fabrik, hat dies verinnerlicht.
Also recherchierte er und knüpfte Kontakte. Einen Teil der Dinge gab er zum Nörvenicher Geschichtsverein, wo der Vater lange aktiv war, und nahm dann zum Stadt- und Kreisarchiv Düren Kontakt auf. „Zunächst kamen die Mitarbeiter mit zwei Klappboxen“, erzählt er. „Später kamen sie mit zehn wieder.“ Essensmarken, Schuldscheine der Dürener Metallwerke, Inflationsgeld, Währung aus der Zeit zwischen den Weltkriegen, Luftbilder der Dürener Stadtteile, ein alter Stadtplan und Postkarten mit lokalen Motiven erzählen von der Geschichte der Stadt. Auch die Feldpost ist ins Stadtarchiv gegangen, wo jetzt alles fachgerecht gelagert ist und der Forschung zur Verfügung steht.

„Einen richtigen Schatz“ nennt Daniel Schulte, Leiter des Stadt- und Kreisarchivs Düren, die Gegenstände und Dokumente, die Karl-Heinz Jansen im Laufe seines Lebens gesammelt hat. Ein Musterbeispiel ist für ihn die Abgabe solch eines privaten Nachlasses. Gerade für Düren, denn die Stadt war in den letzten Kriegstagen massiv zerstört worden und viel ist dabei verloren gegangen. Der Nachlass Karl-Heinz Jansens hilft nun, Lücken zu schließen.

Und was hat Axel Jansen behalten?
Die alten Fotoalben natürlich und zwei Wanderstöcke. „Meine Töchter fanden die Wanderstöcke mit den Plaketten drauf besonders toll – wir wandern selbst viel und gerne und wollen jetzt auch Wanderstöcke anlegen.“

Wird behalten: die Wanderstöcke

Wer denkt, selbst vielleicht etwas Wertvolles für das örtliche Stadtarchiv zu haben, kann Kontakt aufnehmen:

Stadt- & Kreisarchiv Düren
Haus der Stadt
02421 25-2555
stadtarchiv@dueren.de

Stadtarchiv Aachen
0241 432-4972
stadtarchiv@mail.aachen.de

Wird behalten: der Wanderstock
Axel Jansen (l.) übergibt u. a. einen Stapel Feldpost an den Leiter des Stadt- und Kreisarchivs Düren, Daniel Schulte.

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