Mais statt Pipes: Bau des DIY-Skateparks an der Vennbahntrasse in Aachen lässt auf sich warten

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Aachen ist nicht gerade gut aufgestellt, wenn es um Trendsportanlagen geht. Aufgrund dieser Tatsache wurde die Skateszene selbst tätig und baute ab 2015 eine Anlage im Moltkepark. 2019 war Schluss – die Skatebahn war nur geduldet und den empfindlichen Ohren der Anwohner schließlich zu laut. Die Stadt versprach, Abhilfe zu schaffen, man machte sich auf die Suche nach einem Grundstück. Im Sommer 2020 hieß es, die Stadt erschließe ein neues Gelände für einen Skatepark am Vennbahnweg. 360.000 Euro wolle man in die Hand nehmen. Beim Ortstermin ein Jahr später sprießen hier nicht Pipes und Rampen aus dem Boden, sondern frische Maispflänzchen. Ein Grund nachzufragen: Wann bekommt Aachen denn nun seinen Skatepark?

Status quo

Ein Maisfeld in Aachen – eingekästelt zwischen Vennbahnweg, Eisenbahnweg und Madrider Ring (Link zu google-Maps/Standort). Wo sich gerade Pflanzen aus dem Boden kämpfen, soll der 1. Aachener Skateboard Club sein neues Zuhause bekommen.
Als die Stadt Aachen begann, nach einem geeigneten Ort zu suchen, nachdem im Januar 2019 feststand, dass mit dem Skaten im Moltkepark Schluss ist, äußerte Björn Gürtler vom städtischen Presseamt am 20. März 2019 folgende Kriterien: Gesucht werde derzeit eine freie Fläche, die mindestens 250 Meter von Wohnhäusern entfernt ist, aber trotzdem über eine gute Verkehrsanbindung verfügt, sodass die Jugendlichen ohne Auto den Ort auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen können. Gleichzeitig solle sie nicht zwischen Straßen eingepfercht sein.
Zumindest das erste Kriterium ist erfüllt. Das Gelände befindet sich so ziemlich in der Diaspora. Bei den anderen Aspekten scheint man indes Abstriche gemacht zu haben. Lärm von Skateboardern dürfte hier beim besten Willen nicht auffallen: Es gibt keine Anwohner und der Madrider Ring, der unmittelbar neben dem Feld verläuft, erzeugt die Soundkulisse einer Autobahn. Das Gelände ist definitiv zwischen Straßen eingepfercht.
Eine Verkehrsanbindung sucht man derzeit vergeblich, Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln Fehlanzeige, die nächsten Bushaltestellen liegen einen Kilometer entfernt am Eisenbahnweg oder an der Neuenhofstraße. Erreichbarkeit für Pkws und Rettungsfahrzeuge? Zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben.

Musste geschlossen werden: DIY-Park am Molle-Bahnhof | Foto: Janneke Wergen, 20.03.2019

Das sagt die Stadt Aachen

Auf Anfrage erklärt Wolfgang Beckers vom städtischen Presseamt: Die Stadt Aachen stellt dem 1. Aachener Skateboard Club als Pächter der Fläche ein erschlossenes und baureifes Grundstück zur Verfügung. Das Grundstück gilt als erschlossen und baureif, wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind: Eine Anbindung an das öffentliche Straßennetz samt Schaffung von Parkplätzen sowie ein tragfähiger und standfester Unterbau für die eigentliche Skatefläche müssen hergestellt werden. Die Entwässerung des Grundstücks muss sichergestellt sein. Ein Schmutzwasseranschluss sowie die Versorgung mit Frischwasser, Strom, Telekommunikation und eine Beleuchtung der Anlage soll in Abstimmung mit allen Beteiligten vorbereitet und letztlich umgesetzt werden.
Genau jetzt, nämlich im Juni 2021, habe man vor, die Planung und die Umsetzung baulicher Maßnahmen zur Herstellung des Grundstücks an ein Ingenieurbüro zu vergeben. Dann sollten auch die Baukosten genauer kalkuliert werden. Wenn das Grundstück erschlossen sei, könne der Verein in Eigenleistung und mit eigener Verantwortung eine Skateanlage bauen.
Harald Beckers zum weiteren Zeitplan: „Wenn alles optimal laufen sollte, könnte die neue Skateanlage eventuell in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 in Betrieb genommen werden. Doch das ist zum jetzigen Zeitpunkt noch eine Spekulation.“
Was genau ist geschehen seit Juli 2020, als die Stadt Aachen 360.000 Euro für die Erschließung des Grundstücks versprochen hatte? Augenscheinlich eher wenig. Es wächst Mais über die Sache. Mit konkreten Planungen will man erst jetzt beginnen.

Das sagt der 1. Aachener Skateboard Club

Frustriert vom Tempo des Projektfortschritts zeigt sich Tobias Kleinschmidt, Gründungsmitglied und 1. Vorsitzender des 1. Aachener Skateboard Club. Die Anlage sei eigentlich für 2019 versprochen worden, gibt er zu Protokoll. Dass jetzt auf dem Feld, dessen Pächter der Skateboard Club schon im zweiten Jahr ist, wieder Mais gesät wurde und die Erschließung nicht in vollem Gange oder abgeschlossen ist, stößt bei den Vereinsmitgliedern auf Unverständnis.
Der Verein plant die neue Anlage, hat hierfür auch eine Fachfirma an seiner Seite, zudem ein Architekturbüro, das den Bauantrag stellt. Für die Finanzierung hat man beim Landessportbund eine Förderung als „moderne Sportstätte“ beantragt, 185.000 Euro wurden bewilligt. 25 Prozent der Summe müssen in Eigenleistung erbracht werden. Problem: Die Gelder sind längst zugesagt, die Förderung läuft 2022 aus, dann muss die Leistung erbracht worden sein. Je später mit dem Bau der Anlage begonnen werden kann, desto ungünstiger – zumal die 82 Vereinsmitglieder ja alle nicht vom Fach sind und den Bau in ihrer Freizeit voranbringen müssen.
Wie genau der Platz aufgeteilt werden kann, weiß Kleinschmidt derzeit noch nicht. Vom Gelände geht eine Fläche für neun Parkplätze ab, zudem benötige man eine Entwässerungsanlage auf dem Platz, das hat ein Bodengutachten ergeben. Ein Vereinsheim soll auch entstehen, angedacht ist das Aufstellen zweier Container. Hier sollen Toiletten vorhanden sein, eine davon barrierefrei, zudem ist ein Getränkeverkauf für Vereinsmitglieder geplant.
Warum immer noch nichts passiert ist, weiß Kleinschmidt nicht. Auch in der Coronazeit habe man ja allerorts weitergebaut, ihm sei zu Ohren gekommen, man habe vergessen, die versprochenen 360.000 Euro 2020 in den Haushalt einzuplanen.
Die Antwort des Presseamtes zu dieser Frage steht noch aus.

O-Ton

Bis es die neue Anlage am Vennbahnweg gibt, müssen sich die Aachener Skater mit dem Vorhandenen begnügen. Am Kennedypark im Ostviertel sind an diesem Mittag gerade Nikita, Noah und Benni eingetroffen. Sie wollen extra mittags ihre Runden drehen, denn die Anlage, die gerade mit einem neuen Belag versehen wurde, ist recht klein, abends würden sich hier oft über 25 Skater tummeln, das sei sehr beengt, man müsse sehr vorsichtig fahren, um keine Unfälle zu provozieren.
Die drei gehören nicht zum 1. Aachener Skateboard Club, wissen aber um den neuen Standort für eine neue Skatebahn. Den Standort an der Vennbahn finden sie für ältere Jugendliche und junge Erwachsene gut geeignet, immerhin könne man ihn per Board über die Vennbahn erreichen und würde niemanden stören.
Dafür, dass Aachen nicht selbst Geld in die Hand nimmt, um eine große Anlage zu bauen, haben sie nicht so viel Verständnis. Noah: „Wenn Kinder einen Spielplatz brauchen, sagt man ihnen doch auch nicht, dass sie sich selber einen bauen sollen.“

Nachtrag: Die Stadt Aachen meldet sich zu Wort

Eine Woche nachdem unser Bericht erschienen ist, gibt es eine Rückmeldung vom Presseamt der Stadt Aachen. Anders als es auf den ersten Blick scheint, sei hinter den Kulissen schon einiges geschehen. Die genannte Summe von 360.000 Euro habe auf einer ersten Kostenschätzung basiert und sei bereits 2019 für eine Herrichtung der Fläche im Haushalt vorgesehen worden, bis heute seien weitere Mittel hinzugekommen. Mit der Erstellung der Ausführungsplanung wird das beauftragte Ingenieurbüro, das erst in einem Wettbewerbsverfahren gefunden werden musste, die Baukosten zur Herstellung des Grundstücks genauer berechnen.
Dies wird die Grundlage für weitere Prozesse zur Gesamtfinanzierung sein. Mittel für das alles sind laut Presseamt im vollen Umfang vorhanden, eine Teilsumme für die bauliche Umsetzung ist ebenfalls berücksichtigt.
Im vergangenen Jahr wurden die Arbeits- und Planungsgrundlagen erstellt. Hierzu zählen eine Machbarkeitsstudie, eine geotechnische Untersuchung zur Erkundung des Baugrunds mit Vorschlägen zur Gründung und der abfalltechnischen Untersuchung von potentiellem Aushubmaterial.
Auf dieser Grundlage wurde zudem ein Entwässerungskonzept erarbeitet, da die Entwässerung des Niederschlagswassers auf dem Grundstück und die Belange des Hochwasserschutzes für den Bau der Skateranlage berücksichtigt werden müssen. Abstimmungen und Untersuchungen mit der Unteren Wasserbehörde, der Koordinierungsstelle Abwasser sowie der STAWAG und dem Wasserverband Eifel-Rur wurden dann in einem Entwässerungskonzept erarbeitet.
Harald Beckers vom Presseamt: „Sie sehen, dass im vorigen Jahr viele wichtige Vorarbeiten erbracht wurden, die letztlich eine wichtige Grundlage für die weitere Planung des Ingenieurbüros sind.“
Auf die Frage, warum die Stadt nicht gleich einen ganzen Skatepark finanziere, wird noch einmal deutlich gemacht, dass es sich bei dieser Anlage nicht um eine öffentliche Fläche handle, sondern um ein – später eingezäuntes – Vereinsgelände. Der Verein habe eine Pacht zu entrichten und sei letztlich verantwortlich für die Fläche, die Gestaltung des Areals und die spätere Nutzung.

 

Unser Hintergrundbericht aus dem März 2019:

kingkalli.de/diy-skatepark-neue-standorte-gesucht

Und im September 2019:

movieaachen.de/buergerforum-zur-neuen-skateanlage/

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