DIY Skatepark – Neue Standorte gesucht

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Skateanlage am Molle-Bahnhof musste geschlossen werden | Foto: Janneke Wergen, 20.03.2019

Früher Rollschuhfläche, heute beliebte Skateanlage – der Skatepark am Moltkepark im Frankenberger Viertel kommt in der Aachener Skaterszene super an – nur leider nicht bei den Anwohnern. Im Oktober ist Schluss. Ein neuer Standort wird derzeit gesucht. Wir haben mit Vertretern des 1. Aachener Skateboard Clubs und dem Presseamt der Stadt Aachen gesprochen.

Seit 2015 haben Freiwillige an der Konstruktion gearbeitet, egal ob Schüler, Studenten oder Auszubildende, jeder hat beim Bau mitgeholfen und das meist ganz ohne professionelle Handwerker an ihrer Seite. Immer mehr Flächen sind über die vier Jahre dazu gekommen, manche Flächen wurden sogar von großen Marken wie RedBull gesponsert, aus einem Wettbewerb war man als Sieger hervorgegangen und konnte das Geld in die Anlage investieren. Nicht nur Fleiß und Arbeit wurde in das Projekt gesteckt, viele haben auch ihr eigenes Geld mitgebracht und in den Bau investiert. Und das soll jetzt alles abgerissen werden? Ja.
Nur noch bis zum 31. Oktober 2019 und nur an zwei Tagen die Woche haben Skatefans die Chance, ihre Tricks mit dem Board am Moltkepark zu üben, dann ist definitiv endgültig Schluss, bestätigt auch Björn Gürtler vom städtischen Presseamt auf Anfrage. Denn die Anwohner haben sich beschwert; zu laut ist der Lärm, den sie jeden Tag aus dem Park zu hören bekommen. Zwar zeigen die meisten Bewohner im Umfeld großes Verständnis für die Jugendkulturszene, die sehr nah wohnenden Menschen haben nun aber trotzdem Anzeige erstattet. Zu Recht?
Ebenfalls ja, heißt es von offiziellen Seiten, denn die Anlage ist gerade mal knappe 20 Meter von den Gärten und Balkons der Wohnhäuser entfernt, selbst eine drei Meter hohe Mauer würde bei dem Abstand nichts zum Schallschutz beitragen.

Wie konnte es so weit kommen?

Entstanden ist der DIY Skaterpark erst einmal ohne Baugenehmigung, da die Anlage auch nur knapp über drei Jahre existiert, gibt es auch kein offizielles Bestandsrecht für den Standort. Doch die Stadt akzeptierte seinerzeit die Weiterbebauung, der Bereich wurde extra für die Skater abgesteckt und man wollte zunächst schauen, wie sich die Situation entwickelt. Nachdem knapp drei Jahre alles glattlief, gab es dann leider doch Beschwerden. Diese waren so massiv, dass sich die Anwohner wünschten, die Anlage würde sofort geschlossen. Dazu ist es zwar noch nicht gekommen, doch richtig zufrieden können die Skater des 1. Aachener Skateboard Clubs auch nicht sein. Zugegeben, bei dem Mediationstreffen im Januar 2019, bei dem sich Verein und Anwohner trafen, ist ein Übergangskompromiss gefunden worden (Öffnungszeiten des Parks nur noch mittwochs von 10 bis 19 Uhr und samstags von 12 bis 20 Uhr), die endgültige Lösung heißt aber: Ende Oktober ist Schluss und die Anlage wird abgerissen.
Bis dahin bittet der Verein alle Mitglieder und anderen Nutzer darum, die neuen Vorschriften der Anlage in jedem Fall einzuhalten. Bei Verstößen haben die Anwohner das Recht, direkt das Ordnungsamt zu rufen; die Folgen reichen von Platzverweisen über Bußgelder bis hin zur Anzeige wegen Hausfriedensbruch, denn offiziell ist der Park derzeit ein Vereinsgrundstück und dieser muss die Folgen einer Zuwidernutzung dann tragen.

Foto: Janneke Wergen am 20.03.2019

Nun wird händeringend nach Alternativplätzen gesucht. Zunächst hieß es eine neue Anlage müsse „mehrere hundert Meter“ von einer Wohnbebauung entfernt sein. Schaut man sich Regelwerk zur Planung solcher Anlagen an, findet man heraus, dass es tatsächlich Richtwerte gibt. Eine vergleichsweise große Anlange mit ganztägiger Nutzung in einem Wohngebiet muss 360 Meter von Häusern entfernt sein. Da drängt sich durchaus die Frage auf, welches Wohngebiet das denn hergibt. In Aachen sicherlich keines. Plant man die gleiche Anlage in einem Mischgebiet, ist man schon bei 130 Metern. Ist es eine geschlossene Anlage und man nutzt diese nicht ganztags, ist man bei 80 Metern Entfernung. Diese Regeln kann man zumindest in einem Werk des Bayrischen Landesamtes für Umwelt finden (Geräusche von Trendsportanlagen Teil 1: Skateanlagen).
Gesucht wird in Aachen derzeit eine freie Fläche, die mindestens 250 Meter von Wohnhäusern entfernt ist, aber trotzdem über eine gute Verkehrsanbindung verfügt, sodass die Jugendlichen ohne Auto den Ort auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen können. Gleichzeitig soll sie nicht zwischen Straßen eingepfercht sein, so formuliert Björn Gürtler gestern die Vorstellung der Stadt.

Ausgleichsfläche gesucht

Fast schon unmöglich also scheint die Suche nach dem optimalen Grundstück. Die Stadtverwaltung will sich bis Oktober um eine Ausgleichsfläche bemühen, besprochen wurden sogar schon einige Orte, an denen das Skaten ausprobiert werden könnte, wie alte, stillgelegte Unterführungen oder Sportplätze. Doch ob eine zu niedrige Deckenhöhe oder zu viel Betrieb anderer Sportarten – etwas richtig Passendes war bisher noch nicht dabei.
Bei einer Sitzung am Dienstag, 19.03.2019 wurden nun in Anwesenheit einiger Politiker von SPD und Grünen zwei Standorte in die engere Auswahl genommen. Es geht um das Industriegebiet rund um das ehemalige Philips-Gelände am Bereich des Vennbahnweges im Aachener Osten im Industriegebiet Rothe Erde und um den Bolzplatz an der Robert-Schumann-Straße neben dem Sportplatz an der Kreuzung Siegel. Bei beiden Geländen müsste aber jeweils noch ein Lärmschutzgutachten erstellt werden. Allerdings ist schon jetzt klar, dass die Einhaltung des Lärmschutzes für eine große, ganztägig genutzte Anlage bei Siegel schwierig werden könnte. Die Entfernung zu den Wohnhäusern liegt nur sehr knapp bei 250 Metern.
Das andere anvisierte Grundstück könnte wiederum zu nah am Kennedypark liegen, wo ein ähnliches Angebot für Skater bereits vorhanden ist. Somit werden also noch weitere Standortvorschläge gesucht.
Bis sich endgültig für einen Platz entschieden und mit der Bebauung angefangen werden kann, wird es also noch länger dauern. Der Prozess des Projekts neuer Park findet wohl erst 2020 ein Ende.
Finanzielle Unterstützung beim letzten Schritt des jetzigen DIY Parks können die Skater von der Stadt Aachen aber erwarten, so übernimmt unter anderem der Fachbereich Umwelt die Entsorgung der Anlage im Moltkepark, wie gestern zugesagt wurde.

Neue Anlage sollte zu Spirit der Szene passen

Viel Zuspruch gab also in den letzten Wochen von den Politikern und dem Kinder- und Jugendausschuss; es sei „unheimlich wichtig“, dieses Angebot in Aachen weiterhin zu erhalten.
Des Weiteren erkennt die Stadtverwaltung die Skater ebenfalls als Jugendkulturszene an, sie wollen gerne einen Platz zur Verfügung stellen, gerade auch wegen des vor zwei Jahren gegründeten Vereins „1. Aachener Skateboard Club“. Insgesamt 80 Mitglieder hat der Club bereits, von denen derzeit 20 einen Schlüssel und somit ständigen Zugang zum Skaterpark haben.
Der erste Vorsitzende des Clubs, Tobias Kleinschmidt, hofft derzeit auf eine wirklich gute Alternative zum jetzigen Standort. Der Moltkebahnhof passe auch zum Spirit der Szene und von dem neuen Platz wird auf jeden Fall das gleiche erwartet, gibt er im gestrigen Telefonat zu Protokoll. Die derzeitigen alternativen Spots werden von den Skatern nicht wirklich genutzt. Vor allem der Kennedypark entspräche nicht mehr dem modernen Design der heutigen Zeit, außerdem ist der Bereich noch für andere Sportarten nutzbar, sodass es durchgehend voll und für den Andrang viel zu klein ist.
Auch die kleine Anlage am Sportplatz Blau-Weiß ist in die Jahre gekommen und entspräche nichtmehr neuen Standards.
Eine Erweiterung beispielsweise im Kennedypark steht nicht zur Debatte. Die Anwohner dort scheinen zwar nicht so empfindlich zu sein wie im Frankenberger Viertel. Die Anlage dort ist jedoch gerade einmal knappe 80 Meter von den Blocks entfernt. Das hätte man heute so gar nicht mehr genehmigt, erklärt Gürtler. Ausbau also ausgeschlossen.

Dass es so wenige Möglichkeiten für Skater in Aachen gibt, ist definitiv nicht mehr zeitgemäß für eine Stadt dieser Größe, viele Skater müssen sogar regelmäßig nach Köln oder in die Niederlande fahren, um vernünftig trainieren zu können. Obwohl die Sportart nächstes Jahr olympisch wird, scheint sie in Aachen noch eher wenig ernst genommen zu werden. Seit den 90ern hat sich der anfängliche Trend zu einem richtigen Sport mit eigener Szene und sämtlichen Vereinen entwickelt. In Aachen wurde zwar 2016 ein eigener Club gegründet, die Infrastruktur fehlt aber vor Ort bald wieder, um den Sport angemessen ausüben zu können.
Der größte Wunsch der Skater für den neuen Park wäre eine Indoor-Halle. Mit Strom, Heizung und Bedachung gäbe es sogar im Winter und bei Aachener Regenwetter die Möglichkeit das Board auszupacken. Wirklich realistisch ist die Vorstellung jedoch wohl eher nicht, die Kosten für eine Inneneinrichtung mit Personal sind bei weitem höher als für eine einfache Beton- oder Parkfläche. Und so können die Skater wohl nur noch hoffen, auch nach dem Oktober ihr Board in Aachen weiterhin nutzen zu können.

Von Janneke Wergen und Birgit Franchy

Kontakt 1. Aachener Skateboard Club

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