Nachdem in der Uniklinik Hannover in der Nacht zu Montag ein 16-Jähriger nach dem Verzehr von Knollenblätterpilzen gestorben ist, bittet auch das St.-Antonius-Hospital in Eschweiler darum, Informationen besonders an Flüchtlinge weiterzugeben und in den Einrichtungen Plakate aufzuhängen, die vor der Gefahr warnen.
Allein in einer Nacht sind in Hannover 17 Personen mit Pilzvergiftungen in die Klinik eingeliefert worden, inzwischen werden dort mehr als 30 Personen behandelt.
Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) erläutern, dass sich vor allem Flüchtlinge und Asylsuchende am Knollenblätterpilz vergiftet hatten. Die Patienten mit den schwersten Symptomen wurden in der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie von Professor Dr. Michael Manns behandelt, weitere wurden in andere Krankenhäuser verlegt. „Die meisten Patienten sind Flüchtlinge aus Syrien, dort scheint es einen essbaren Pilz zu geben, der dem Knollenblätterpilz zum Verwechseln ähnelt“, sagt Oberärztin Dr. Andrea Schneider. Um Flüchtlinge und Asylsuchende vor der Gefahr zu warnen, hat die MHH über ihr Netzwerk Flüchtlingshilfe ein Plakat entworfen und in verschiedene Sprachen übersetzt, dass an die Flüchtlingsunterkünfte verteilt und dort ausgehängt werden soll (Link zu den Plakaten siehe unten).
Der Knollenblätterpilz (Amanita spec.) ist einer der giftigsten Pilze in Deutschland und für 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich. Der Pilz ist sehr gefährlich, da sein Gift erst mehrere Stunden nach dem Verzehr wirkt und dann bereits im ganzen Körper aufgenommen ist. Zunächst treten Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auf – ähnlich einer Magen-Darm-Infektion, nach ein bis zwei Tagen kommt es zur Schädigung der Leber, die von Blutgerinnungs- und Nierenfunktionsstörungen begleitet werden kann. Im schlimmsten Fall stellt die Leber ihre Funktion ein, so dass nur noch eine Lebertransplantation das Leben des Patienten retten kann. Das ist auch bei dem jungen Patienten passiert, den nur eine Lebertransplantation hätte retten können.
Professor Dr. Manns fordert grundsätzlich alle Pilzsammler auf, die gefundenen Pilze vor dem Verzehr von einem Pilzsachverständigen bestimmen zu lassen. „Besteht der Verdacht einer Pilzvergiftung, sollte dringend der Notarzt gerufen werden. Zur Erleichterung der Diagnose, sollten die Pilzreste und das Erbrochene aufgehoben werden“, erklärt Professor Dr. Manns.
Der Knollenblätterpilz wächst im Zeitraum von August bis Oktober in Laub- und Laubmischwäldern. Zu erkennen ist er an einem drei bis 15 Zentimeter breiten Hut, der glockig bis schirmartig ausgebreitet ist. An der Unterseite befinden sich weiße Lamellen. Die Farbe des Giftpilzes ist grün, grün-gelb oder weiß.
Schnelle Hilfe bei Vergiftungen gibt auch das Giftinformationszentrum-Nord unter der Telefonnummer 0551 19240.
Weniger dringende Fragen zu Vergiftungen beantwortet das medizinische Fachpersonal unter der Telefonnummer 0551 383180.
Link zu Plakaten auf arabisch, kurdisch, persisch, deutsch, russisch, englisch, türkisch und französisch.
Hinterlasse einen Kommentar