Immer wenn der Frühling kommt, freue ich mich, wenn in meinem Garten die ersten Stauden heranwachsen. Besonders meine Lieblingsstaude – Rhabarber. Sobald es wärmer wird, treibt die Pflanze aus und ich kann es kaum erwarten, ihn zu ernten. Seit meiner Kindheit mag ich Rhabarber. Am liebsten in Kuchen, Konfitüren oder als Dessert. Wusstet ihr eigentlich, dass Rhabarber eine Gemüsepflanze ist und zu den Knöterich-Gewächsen zählt? Ursprünglich stammt die Pflanze aus Asien und gilt dort als Heilpflanze.

Ich bin Anfang der 60er Jahre geboren und in Alsdorf aufgewachsen. Die Stadt im Nordkreis der StädteRegion Aachen hat zahlreiche Stadtteile wie „Zopp“ beispielsweise, die geprägt sind durch Siedlungshäuser mit großen Gärten. Der Garten meiner Eltern war damals überwiegend als Nutzgarten angelegt. Das ganze Jahr über erntete unsere fünfköpfige Familie diverse Gemüse- und Obstsorten aus dem eigenen Garten. Unsere Rhabarberstauden waren üppig, und als Kinder liebten wir es, die Stiele zu pflücken. Mit einem kleinen Messerchen zog ich von den Stielen die äußeren Fäden ab und dippte sie roh in Zucker! Unglaublich, oder?
Rückblickend eigentlich keine gute Idee, denn Rhabarber sollte man aufgrund der enthaltenen Oxalsäure nicht roh genießen. Weil das Gemüse reich an Vitamin C ist, hinterfragten es meine Eltern damals nicht. Ich habe auch Möhren gepflückt, sie ein wenig sauber gemacht und direkt gegessen. Überhaupt fand ich es großartig, durch den Garten zu laufen und zu schauen, welche Beeren reif waren. Oft saßen wir auch im Kirsch- oder Pflaumenbaum und aßen die Früchte direkt vom Baum.
Bei der Rhabarberstaude haben mich schon immer die großen Blätter fasziniert, denn je nach Wetterlage kann man den Blättern regelrecht beim Wachsen zuschauen. Zudem ist die Staude dekorativ und ein erster Blickfang im Garten. Rhabarber lässt sich leicht kultivieren und kann als Pflanze sehr alt werden. Meine Ableger habe ich aus dem elterlichen Garten mitgenommen. Auch heute noch sind sie eine schöne Erinnerung, besonders wenn die ersten Triebe die Gartenerde durchbrechen.

Im Frühjahr, wo sich der Körper nach einem inneren Frühjahrsputz sehnt, kommt der Rhabarber gerade richtig. Neben Vitamin C enthält er Kalzium, Natrium und Kalium, das beispielsweise entwässernd wirkt.
Schon früh habe ich erfahren, dass Rhabarber sehr variantenreich in der Küche einsetzbar ist. Mein Favorit bis heute ist unser Familienrezept eines Rhabarberkuchens mit Baiser. Manchmal kann ich es kaum abwarten, ihn zu backen. Wenn meine Ernte noch nicht ausreicht, dann kaufe ich einfach Rhabarber auf dem Wochenmarkt. Wie beim Spargel ist die Erntezeit auch beim Rhabarber begrenzt – von Ende März bis zum Johannistag am 24. Juni.
Rhabarberkuchen nach Familie Becker
Zutaten Teig:
ca. 1,5 kg Rhabarber, geschält ca. 1 kg
Rhabarber schälen und in kleine Stücke schneiden
125 g Butter
125 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
1 Prise Salz
3 Eier
150 g Mehl
50 g Speisestärke
1 Teelöffel Backpulver
0,5 Teelöffel Zimt, 1 Prise Nelkenpulver
Backofen vorheizen auf 180 °C
Zubereitung Teig:
Zuerst von den drei Eiern zwei Eier trennen und das Eiweiß zur Seite stellen!
Die Butter mit 125 g Zucker und Vanillezucker mit Mixer oder Küchenmaschine schaumig schlagen. Anschließend die zwei Eigelb und ein ganzes Ei langsam hinzufügen. Mehl, Speisestärke, Backpulver, Zimt und Nelken mischen, hinzufügen und leicht unterrühren.
Eine Springform mit Backpapier auslegen und einfetten. Den etwas klebrigen Teig in die Springform füllen. Anschließend die Rhabarberstücke auflegen und in den Teig drücken.
Den Kuchen auf mittlerer Schiene ca. 45 Minuten backen. (Stäbchenprobe)
Zutaten für das Baiser:
100 g Zucker, 50 g flüssiger Honig und das Eiweiß von zwei Eiern
Kurz vor Ende der Backzeit das Eiweiß mit einem Mixer schaumig schlagen und langsam den Zucker einrieseln lassen. Dann den Honig einlaufen lassen.
Den Rhabarberkuchen kurz aus dem Ofen nehmen und die Eiweißmasse auf dem Kuchen verteilen. Mit einer Gabel leichte Wölkchen ziehen.
Je nach Backofen noch 10-15 Minuten backen.
Nach dem Backen:
Kuchen abkühlen lassen.
In der Regel fällt das Baiser etwas zusammen, darum vorsichtig am Rand der Springform mit einem Messer entlangfahren, damit es nicht kleben bleibt, wenn man den Kuchen aus der Form holt.
Viel Spaß beim Backen und Genießen!
Text und Bilder: Birgit Becker-Mannheims
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