Erfahrungsberichte zu Omikron sind beruhigend, Schulen sollen Betrieb beibehalten. Die Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) mit Unterstützung des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) melden sich zu Wort.
Aktuelle Presseberichte warnen wie schon bei Delta immer wieder davor, dass Kinder und Jugendliche von der aktuellen Omikron-Variante in besonderem Maße betroffen wären und es zu einer erhöhten Krankheitsschwere in dieser Altersgruppe mit vermehrten Krankenhauseinweisungen kommen würde. Das macht Familien natürlich Angst. Gerade auf Social Media, allen voran bei Twitter mehrten sich in den letzten Tage Rufe nach Schulschließungen, bzw. die Forderung, die Schulen in der kommenden Woche nicht wieder zu öffnen.
Kinder bisher in keiner Welle besonders durch Krankheitsschwere betroffen
Laut der Verbände der Kinder- und Jugendmedizin relativieren detaillierte Analysen allerdings diese Befürchtungen. Noch sei es zu früh für eine endgültige Bewertung, aber Erfahrungsberichte aus Südafrika, aus London und Australien sind beruhigend. Die Erfahrung auch aus den vorherigen Pandemiewellen lehren, dass sich ein besonderes Risiko von Kindern in keiner Welle bestätigt hat.
Selbstverständlich nehmen Kinder und Jugendliche als Teil der Gesellschaft am Pandemiegeschehen teil und sind somit auch von der Omikron-Variante betroffen. Die Omikron-Variante ist laut aktuellen Erkenntnissen deutlich infektiöser als die vorhergehende Delta-Variante und wird diese auch in Deutschland verdrängen. Jedoch liegt die Erkrankungsschwere in allen Altersgruppen deutlich unter der der Delta-Variante. Das RKI sprach bei Symptomen im Wochenbericht vom 30.12.2021 von Husten, Schnupfen, Heiserkeit (Anmerkung der Redaktion, siehe RKI-Wochenbericht, Seite 14).
In den letzten Wochen weisen die Inzidenzen bei Kindern hohe Werte auf, es sei zu erwarten, dass sie sich häufiger infizieren werden als andere Altersgruppen, so die Verbände der Kinder- und Jugendmedizin.
Die Verbände weisen auf die Möglichkeit der COVID-19-Impfung hin. Dies ist seit August 2021 von der STIKO für die 12- bis 17-Jährigen allgemein empfohlen, für die 5- bis 11-Jährigen seit Dezember 2021 bei Vorerkrankungen, wenn sich im Umfeld Angehörige oder andere Kontaktpersonen mit hohem Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf befinden sowie bei individuellem Impfwunsch einer Familie bzw. der Sorgeberechtigten.
Im aktuellen Wochenbericht des RKI vom heutigen Tag ist jedoch auch nachzulesen, dass von 6.758 Omikron-Fällen mit Symptomen 4.020 vollständig geimpft (1.137 davon geboostert) und nur 128 Patientinnen und Patienten nicht geimpft waren. Der Impfstatus war offenbar nicht bei allen bekannt (Anmerkung der Redaktion: Die Zahl der Ungeimpften wurde am 3.01. auf 1.097 nach oben korrigiert). Eine Ansteckung ist also auch bei Impfung möglich.
Schulschließungen allerletzte Option – gesundheitliche und psychosoziale Folgeprobleme von Schulschließungen groß
In der Bekämpfung der Pandemie stehen neben der Impfung verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.
Einerseits die Befolgung der allgemeinbekannten Hygieneregeln, andererseits die Beschränkung der Sozialkontakte. Zudem sollten die Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Medizinisch Wissenschaftlichen Fachgesellschaften konsequent Anwendung finden.
Die Erfahrung aus den vorangegangenen Schulschließungen hat laut den Verbänden der Kinder- und Jugendmedizin die gesundheitlichen und psychosozialen Folgeprobleme der Schülergeneration sehr klar gemacht. Das Ausmaß dieser Folgeschäden ist – anders als die Erfassung von Inzidenzzahlen – noch nicht annähernd absehbar.
Schulen können zwar Ort der Virusübertragung sein, sie ist andererseits eine Einrichtung, in der wie an kaum einer anderen Stelle des öffentlichen Lebens durch regelmäßige Testung das Infektionsgeschehen kontrolliert werden kann.
Bisherige Erkenntnisse zeigen, dass in der Vergangenheit die Infektionsraten der Kinder während der Schulzeiten sogar rückläufig waren, in den Ferienzeiten bzw. kurz danach dagegen angestiegen sind. Daraus wird gefolgert, dass die Übertragung eher im familiären Umfeld und im Freizeitbereich stattfand, wo regelmäßige Testungen nicht erfolgen. Deutlich stellen die Verbände ihre Sicht klar, dass Schulschließungsmaßnahmen nur die allerletzte Option in der Bekämpfung der Pandemie sein dürfen, nachdem alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft worden sind.
Siehe auch:
Kinder- und Jugendgesundheit: „Der Preis, den man für die Pandemiebekämpfung zahlt, ist hoch“
Beitrag von März 2021
Wie ging es Kindern und Jugendlichen nach einem Jahr Corona-Pandemie? Die Uniklinik Hamburg untersuchte im Juni 2020 und zwischen Dezember 2020 und Januar 2021 in der COPSY-Studie die Auswirkungen und Folgen der Pandemie auf Lebensqualität und psychische Gesundheit der Kinder. Dafür wurden 1.000 Probanden zwischen sieben und 17 Jahren befragt. Die Ergebnisse, die im Februar vorgestellt wurden, zeigten, dass sich das Wohlbefinden weiter verschlechtert hat. Vier von fünf Kindern fühlten sich demnach belastet. Ein Drittel zeigte psychische Auffälligkeiten.
Wir haben bei der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Uniklinik RWTH Aachen nachgefragt, ob sich die Beobachtungen der Studie in unserer Region bestätigen. Oberärztin Dr. med. Susanne Gilsbach (40) hat ihre Beobachtungen mit uns geteilt.
kingkalli.de/kinder-und-jugendgesundheit-der-preis-den-man-fuer-die-pandemiebekaempfung-zahlt-ist-hoch/
Mehr Beiträge zum Thema Corona und Impfen im Bezug auf Kinder und Jugendliche:
kingkalli.de/tag/corona/
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