Wenn Weihnachten das Fest der Familie ist, so ist Silvester das Fest mit Freunden.
Man sitzt lange zusammen mit Essen und Trinken. Fisch muss immer dabei sein, nie Huhn: Der Fisch schwimmt vorwärts, das Huhn scharrt nach hinten. Um Mitternacht prostet man sich zu und wünscht sich ein glückliches Jahr. Dann wird getanzt oder es werden Gesellschaftsspiele gespielt. Am Neujahrstag gehen die Kinder zu Nachbarn und Freunden mit dem „plugusor“: Sie singen Glückwünsche, tragen Stöcke mit Papierblumen geschmückt und knallen mit der Peitsche, um das alte Jahr zu vertreiben. Sie werden für das Singen mit Geld belohnt.
Anca Lepsa
In meinen Erinnerungen liegt zu Silvester immer Schnee, schöner frischer Schnee. Wir Kinder freuten uns auf die Silvesternacht, weil wir nicht nur aufbleiben, sondern um Mitternacht auch hinaus auf die Straße durften.
Nach dem Abendessen, das sich lange dahinzog, wanderte Groß und Klein durch die verschneiten Straßen zur Kirche. Das ganze Dorf war auf den Beinen. Wir Kinder spielten im Schnee, die Erwachsenen sangen, tranken und unterhielten sich. Dann, um Mitternacht, läuteten die Glocken. Man wünschte sich gegenseitig ein gutes Jahr und alles Gute, lachte, scherzte und machte sich auf den Heimweg. Am Neujahrstag wurde die Verwandtschaft besucht, und ich erinnere mich an einen Glückwunsch, den ich als kleines Mädchen auch aufsagen musste.
Ich wünsche ein glückliches Jahr,
Eurer Ziege graues Haar,
Euren Kornkasten voll,
Eurer Kuh ein krummes Horn,
Gebt mir nen Kreuzer
Ich bin gefrorn.
Adelheid Ressler
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