Im September 2014 starteten Elsbeth Ostlender (Dipl.-Sozialpädagogin, Systemische Familientherapeutin) und Michael Kempen (Dipl.-Psychologe, Systemischer Berater) als Beraterpaar das Projekt „Neue Wege gehen“ in Aachen. Als einziges Beratungsangebot im Bereich der häuslichen Gewalt in der StädteRegion, das sich speziell an Paare richtet, läuft das Projekt unter kooperativer Trägerschaft des Sozialdienstes katholischer Frauen e. V. und des Katholischen Beratungszentrums für Ehe-, Familien-, Lebens- und Glaubensfragen. Angelehnt an das Berliner Pilotprojekt „Jetzt mal anders“ wird hier Paaren geholfen, gemeinsam einen Ausstieg aus der Gewaltspirale zu bewältigen. Ursprünglich sollte das Projekt vor allem Paare nach einem Frauenhausaufenthalt ansprechen, denn viele der Frauen wollen zwar die Gewalt beenden, nicht aber die Beziehung. Diese suchen die Beratung jedoch erfahrungsgemäß nur selten auf. Wahrscheinlich, so vermutet Ostlender, die selbst in einem Frauenhaus arbeitet, ist die Gewalt hier bereits zu sehr eskaliert. Stattdessen melden sich Paare, bei denen die Probleme noch nicht so weit fortgeschritten sind, darunter insbesondere Eltern. Folglich hat das Projekt in erster Linie eine präventive Funktion.
„Neue Wege gehen“ soll alle ansprechen, die spontane oder situative Gewalt in der Partnerschaft erfahren. Dabei tritt Gewalt nicht allein in physischer Form auf, sondern auch in Form von Streit, Drohungen oder psychischer Gewalt. Häufig sind Überforderung und Alternativlosigkeit Auslöser hierfür. Doch wo beginnt Gewalt und wann handelt es sich nur um einen „gewöhnlichen“ Streit? „Wir kennen es alle, dass wir uns mal mit dem Partner streiten“, so Ostlender. „Doch wo es zu einer dauerhaften Situation kommt, persönliche Grenzen verletzt werden und ein Gespräch miteinander nicht mehr möglich ist, da fängt für uns Gewalt an.“ „Zudem ist situative Gewalt für gewöhnlich mit einem Kontrollverlust verbunden.“, ergänzt Kempen.
Eine Möglichkeit, an diesen Problemen zu arbeiten, ist die auf Lösungen ausgerichtete systemische Beratung. Im Fokus steht erst einmal, Eskalationsmuster zu erkennen und zu beenden, so dass die Verletzung in der Partnerschaft aufhört. Zudem sind Themen wie Bindung, Kritik und Rechtfertigung zentrale Bestandteile der Gespräche. „Oft fehlt es an der Wertschätzung des Partners und der Distanz zur Situation – all das legen wir offen“, weiß Ostlender. Und das unabhängig davon, ob das Paar letztendlich zusammenbleibt oder nicht. „Denn auch die Trennung kann ein Schritt sein.“ Dem Berater-Duo ist jedoch bewusst, dass es vielen Betroffenen große Schwierigkeiten bereitet, aktiv Hilfe aufzusuchen. Bisher haben 35 Paare das Angebot angenommen. „Häusliche Gewalt ist ein sehr sensibles Thema“, merkt Kempen an. „Es wird begleitet von Scham und Hilflosigkeit der Betroffenen, und es erfordert viel Mut, die hohe Hürde zu nehmen und zu uns zu kommen.“ Um das Paar auch unabhängig voneinander zu erleben, finden Vorgespräche daher stets in getrennten Räumen statt, bevor beide Seiten wieder zusammengeführt werden. „Es soll keine Parteilichkeit entstehen. Wir nennen das all-parteilich“, so Kempen. „Wir haben einen offenen Blick für beide Seiten.“
Die Beratung erfolgt im Katholischen Beratungszentrum, in der Regel in zehn Sitzungen über den Zeitraum von einem halben Jahr, und ist kostenfrei.
Weitere Informationen und Terminvereinbarung unter:
neue-wege@skf-aachen.de, 0157 79824057 (Elsbeth Ostlender), neue-wege@bistum-aachen.de, 0241 20085 (Michael Kempen).
Sozialdienst kath. Frauen e. V.: www.skf-aachen.de
Kath. Beratungszentrum Aachen: www.beratungszentrum-aachen.de
Hinterlasse einen Kommentar