Babyklappe am Marienhospital von Schließung bedroht

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Foto: Birgit Franchy

Seit 2001 gibt es sie: Die Babyklappe am Marienhospital. Dort können verzweifelte Mütter ihren Säugling ablegen, wenn sie sich nicht in der Lage sehen, sich um ihn zu kümmern. Fünf Babys konnten so in den vergangenen 19 Jahren direkt in sichere Hände gegeben werden, zwei der Fälle ereigneten sich im letzten Jahr. Nun soll das plötzliche Aus für die Klappe kommen. Aufgrund einer Baustelle auf dem Gelände des Marienhospitals muss die Klappe ab dem 27. Januar 2020 für 24 Monate geschlossen werden.
Anja Salmassi, Leitende Hebamme/Leitung Geburtshilfe im Marienhospital zeigt sich alles andere als erfreut über die Entscheidung. Der LVR-Rheinland, zuständig für die Überprüfung der Babyklappen, mache enge Vorgaben für den Betrieb und habe sich angesichts der Baustelle auf dem Gelände für eine Schließung der Klappe entschieden. „Wir bedauern die Entscheidung sehr“, so Salmassi im Gespräch mit KingKalli. Auch juristisch sei bereits alles geprüft worden, ohne Erfolg, die Klappe müsse schließen. Ein anderer Standort habe sich bislang auch nicht finden lassen, obwohl die Klappe vor ein paar Jahren bereits einmal von der Rückseite des Gebäudes in den Innenhof umgezogen sei. Gefordert ist ein direkter Zugang zur Intensivstation und genau das sei durch die Baustelle nicht geboten, da diese den Weg zur bisherigen Klappe – die eben an die Intensivstation angrenzt – versperren wird.
Für Salmassi stellt sich nun die Frage, wie das auf die Schnelle zu kommunizieren sei und welche Angebote man Frauen nun machen könne. Selbstverständlich können Frauen auf eine anonyme Geburt zurückgreifen, die seit 2014 legal ist, doch setze dies bereits eine Reflektion im Vorfeld voraus und genau das sei bei Frauen, die durch die Babyklappe erreicht werden, oft nicht der Fall.
Wer sein Kind in der Babyklappe ablegt, handelt laut Erfahrungswerten im Affekt. Die Schwangerschaft wurde von Betroffenen in diesen Fällen zu spät bemerkt, um noch abzutreiben, die Schwangerschaft wurde verdrängt oder verheimlicht – ob aus religiösen oder familiären Gründen ist nebensächlich. Plötzlich bekommt die Frau das Kind, meist alleine und weiß dann nicht wohin. In diesen Situationen kann es zu Kindstötungen oder dem Aussetzen des Säuglings kommen – im besten Fall in einer Babyklappe.

Eine „Entscheidung für das Leben“, nannte Rolf-Leonhard Haugrund, damaliger Geschäftsführer des Marienhospitals den Fall, dass das Baby in eine Babyklappe gelegt wird. Genau das hatte ihn 2001 dazu bewogen, das auch an seinem Hospital nach dem Hamburger Vorbild von Sternipark einzurichten. Dort war 2000 das erste Babyfenster eingeweiht worden. Als ein Jahr später ein totes Baby in Würselen gefunden wurde, wusste Haugrund, dass alles daran gesetzt werden sollte, in Aachen eine Babyklappe anzubieten. Nun soll es für mindestens zwei Jahre keine solche Möglichkeit geben.
Vom LVR-Rheinland konnten wir bislang keine Stellungnahme zum Thema erhalten.

Zahlen:

In Deutschland werden jedes Jahr bis zu 50 Säuglinge ausgesetzt, viele davon werden getötet oder überleben das Aussetzen nicht. Offizielle Zahlen existieren nicht. Terre des hommes sammelt die Fälle und Zahlen der ausgesetzen Kinder und setzt sich kritsch mit dem Angebot anonyme Geburt und Babyklappe auseinander. Sie argumentieren, dass das Angebot Frauen in extremen Ausnahmesitutionen dennoch nicht erreiche und zudem den Kindern die Möglichkeit nehme, von ihrem Recht auf Kenntnis der Abstammung Gebrauch zu machen.
Unterschiedliche Quellen sprechen derzeit von bis zu 96 Babyklappen in Deutschland. Eine gesetzliche Regelung gibt es für diese nicht, sie werden jedoch geduldet. Seit 2014 können Kinder anonym in Kliniken zur Welt gebracht werden.

Hilfe gibt es hier:

Schwangerschaftsberatung Online und persönlich:
kingkalli.de/aachen-dueren-heinsberg-schwangerschaft-beratung

Unser weiteren Beitrag zum Thema:

Heimliche Entbindung: Fragen zur anonymen und vertraulichen Geburt (Mai 2014)

Beitrag zur Babyklappe in Aachen (2008)

 

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