In der Region Aachen gibt es wieder eine Babyklappe! Fünf Jahre nachdem das Marienhospital das Babyfenster aufgrund von Bauarbeiten schließen musste, konnte Mitte Juli endlich eine neue eröffnet werden. Damit haben verzweifelte Mütter eine weitere Möglichkeit, ihrem Kind eine gute Zukunft zu schenken.
Rolf-Leonard Haugrund hat es sich nicht nehmen lassen, bei der Eröffnung dabei zu sein. Der ehemalige Geschäftsführer des Marienhospitals und ehemalige Vorsitzender des Fördervereins ist zwar schon seit neun Jahren pensioniert, doch die Babyklappe war 2001 sein Baby. Er erinnert sich: „Damals brachte eine Mutter im Marienhospital ihr Baby zur Welt, nannte es Hope und verschwand.“ Haugrund hörte von der Initiative SterniPark e. V., die in Hamburg die erste Babyklappe eröffnet hatte, und beschloss: Das brauchen wir auch.
Im Winter 2007 wurde das erste Baby in Aachen in das Babyfenster gelegt. „Entscheidung für das Leben“ nannte Rolf-Leonard Haugrund das Handeln der Mutter, die sich dafür entschieden hatte, dem Kind das Leben zu schenken und es einer besseren Zukunft zu übergeben, anstatt es in einer akuten Krise irgendwo abzulegen oder Schlimmeres (wir haben berichtet). Fünf Säuglinge wurden bis 2019 in der Babyklappe abgegeben, vier weitere kamen im Marienhospital anonym zur Welt – denn diese Möglichkeit gibt es seit 2014 auch.

Das Babyfenster soll auch heute nur als ein kleiner Baustein in einer Kette von Hilfsangeboten verstanden werden. Werdende Mütter in Krisensituationen haben die Möglichkeit, schon vor der Geburt bei vielen Institutionen, gebündelt in den „Frühen Hilfen“, Unterstützung zu erhalten – auch anonym und ohne Krankenversicherung, betont Carsten Jochum, neuer Geschäftsführer des Krankenhauses.

Entscheidet sich eine Frau, ihr Neugeborenes in der Babyklappe im Hof des Krankenhauses abzulegen, öffnet sie die Klappe in der Tür direkt an der Intensivstation. Dort findet sie ein Bettchen vor, auf das das Baby gelegt wird. Informationsblätter in acht Sprachen informieren über weitere Hilfsangebote und darüber, dass die Mutter acht Wochen lang die Chance hat, sich zu melden und Hilfe anzunehmen und ihr Kind zurückzunehmen. Erst wenn sie sich nicht gemeldet hat, wird es nach acht Wochen zur Adoption freigegeben. Auf die Frage, ob es Mütter gibt, die ihr Baby zurückholen, antwortet Anja Salmassi, leitende Hebamme: „Ja, das gab es schon – sogar am gleichen Tag.“

Foto: Birgit FranchyBeratungsstelle im Marienhospital: 0241 6006-2880
Jugendamt (24/7): 0241 432-5151
Anlaufstelle Frühe Hilfen beim Kinderschutzbund: 0241 9499-430
In unserer Broschüre „rundum Baby“ sind die Adressen aller Frühen Hilfen in der Region Aachen, Düren, Heinsberg zu finden.
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