Manche Pressemitteilungen kriegen einen ja. „Grund zum Feiern: Monchhichi wird 50!“ Irgendwie löst diese Meldung etwas in mir aus. Wie war das nochmal? Ich hatte doch auch so eins, ein kleines? Und sie sind immer noch populär? Ehrlich gesagt dachte ich, sie seien längst in der Versenkung verschwunden. Der Sache musste ich nachgehen.
Wo ist mein Monchhichi? In der Truhe mit den Kuscheltieren, die ich letztens im Keller entdeckt habe? Oder lebt er bei meiner Mutter? Ich frage per WhatsApp nach und bekomme umgehend ein Foto. DREI Monchhichis! Jetzt weiß ich es wieder: Das kleinste habe ich besonders geliebt – und eins war von meinem Bruder. Mein Bruder ist jünger als ich und wollte immer haben, was ich auch hatte. Wohl üblich bei Geschwistern. Mich hat das manchmal genervt. Wohl auch üblich. Seins hatte damals etwas an, ein Shirt? Kappe und vielleicht sogar Schuhe? Tatsache, es gibt im Netz Bilder von Monchhichi-Schuhen. Mit dem kritischen Blick der großen Schwester fand ich das damals unnötig, aber auch faszinierend. Vielleicht war ich auch neidisch.

Wann und wieso habe ich die Monchhichis bekommen? „Wir haben sie dir gekauft, weil du sie so sehr haben wolltest“, erinnert sich meine Mutter auf WhatsApp. Meine Cousinen hätten auch welche gehabt und wir hätten damals noch in München gelebt. Ok, das passt zeitlich. Laut Pressemitteilung erblickte das erste Monchhichi-Zwillingspärchen (Junge und Mädchen) vor 50 Jahren, nämlich am 26. Januar 1974, in der Hauptstadt Japans das Licht der Welt und eroberte sie im Sturm. 1978 war Verkaufsstart in Deutschland und die siebenjährige Birgit muss diese Neuerung wohl entdeckt und recht bald bekommen haben. Eindeutiges Indiz sind die Nuckeldaumen meines Exemplars. Durfte die erste Monchhichi-Generation noch am Daumen nuckeln, war dies 1980 schon verpönt, da Daumenlutschen eine Kieferfehlstellung begünstigen sollte. Die kleinen Äffchen hatten ab 1980 also einen Schnuller – und nur noch vier Zehen. Denn, das ist mir gerade eingefallen, die ersten konnten auch an ihren Zehen nuckeln! Meine Mutter schickt umgehend ein Foto. Ich habe mich richtig erinnert. (Das Zehennuckeln fand ich damals recht spektakulär. Haben wir nicht auch versucht, das nachzumachen?) Das Monchhichi meines Bruders muss also bereits aus der Zeit nach 1980, aber noch von vor 1985 stammen, denn ab 85 hatten sie braune statt blaue Augen. Seins ist noch blauäugig.
Kuschel-Muschel-Kusch
Wie groß die Popularität in Deutschland kurz nach Erscheinen des Spielzeugs war, bezeugt eine Schallplatte. Bina & Nina (nicht Bibi & Tina) brachten 1979 eine Single mit dem Monchhichi-Lied heraus. Auf YouTube ist es zu finden. Der Refrain „Kuschel-Muschel-Kusch“ bringt mich zum Lachen, aber auch zum Erschauern. Ich kann den über vierminütigen Song nicht zu Ende hören. Die B-Seite hat einen pädagogischen Ansatz. „Wenn Du weinen mußt“ handelt von einem traurigen Monchhichi und soll dazu ermuntern, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. So richtig erfolgreich scheinen Bina & Nina damit nicht geworden zu sein, weitere Songs der beiden lassen sich nicht finden.
Auf der Erfolgsspur ging es indes für die Monchhichis weiter. Mit immer weiteren Innovationen sollen sie Kinderzimmer für Kinderzimmer erobert haben. Ob Oma und Opa, Babys, Monchhichis mit pinken Haaren oder langem Fell und natürlich eine eigene Animationsserie – den Machern fiel immer Neues ein.
Und wie schon bei der Abschaffung des Nuckeldaumens werden immer wieder zeitgeistkonforme Elemente eingebaut. Im Frühjahr 2023 lautet das Motto „Ein Hoch auf die Papas“ – Superman war gestern, jetzt kommt Super-Dad! Und damit man auch erkennt, wie super Papas sind, trägt Monchhichi-Dad nicht nur ein Statement-Shirt („Super-Dad“), sondern auch ein Baby auf dem Arm. Super!
Hat man einmal angefangen, kommt man kaum noch raus aus dem Monchhichi-Universum. Wer angefixt ist, kann hier weiterstöbern:
facebook.com/MonchhichiOffiziell
instagram.com/monchhichi.official
monchhichi.eu/our-story
YouTube: Bina & Nina – Monchhichi-Lied (Kuschel-Muschel-Kusch) 1979:
In die Fernsehserie hab ich noch nicht reingeschaut. Hab ich was verpasst?
Dieser Beitrag stammt aus KingKalli 121 | Februar/März 2024
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