(Spieltipp von Denis Fischer)
2012 ist das Jahr des Wasserdrachen, nimmt man den chinesischen Kalender als Grundlage. Richten wir Spieler nun unser Hobby nach einem Kalender aus (z. B. dem knizianischen oder das Jahr X n. Catan), so dürfen wir dieses Jahr vom Jahr des Würfels sprechen. Die Vorboten waren schon im letzten Jahr am Spielehimmel zu erkennen, in Form von Quarriors oder der Schmidt Würfelserie und viele andere hier nicht genannten. Doch 2012 fielen die Würfel wie ein Wüstensturm über uns her: Einfach Genial – Das Würfelspiel, Keltis – Das Würfelspiel, Zooloretto – Das Würfelspiel, Piraten Kapern, Wanzen tanzen und die Würfelwurst und und und … Vegas!
Vegas
Ja, Vegas, welches zum Spiel des Jahres 2012 nominiert wurde. Aaah, Vegas, ein Tohuwabohu von Lichtern, Shows und Unmengen Kohle. Dort rollen die Würfel 24 Stunden, und wenn der Tag länger wär, auch mehr. Eine Glücksoase und Fluch zugleich. Mancher macht Millionen, der andere verliert alles. Ganz so schlimm ist es bei dem uns vorliegenden Spiel nicht. Zwar geht’s auch hier um Kohle, Kies und Knete, aber wir bleiben zu Hause und der Einsatz ist gering. An 6 Tischen wird so lange Geld verteilt, bis die 50.000-$-Grenze erreicht wird. Dann nimmt jeder seine Würfel und setzt nun Runde für Runde Würfel gleicher Augenzahl auf die entsprechenden Tische. Je nach Spielerzahl werden noch neutrale Würfel dazugewürfelt. Nachdem alle Würfel eingesetzt wurden, steht die Gewinnverteilung an. Die meisten Würfel an einem Tisch bringen die höchste Geldkarte, die zweitmeisten die zweite Karte, sofern vorhanden usw. Bei Gleichstand genießt der Nächste das Geldbad, denn diese Würfel zählen dann nicht. Gemein, dass man neutrale Würfel zum Erzwingen solcher Gleichstände nutzen kann, um den Mitspielern eins auszuwischen. Wer nach 4 Durchgängen das meiste Geld hat gewinnt. Einfach? Nicht ganz, denn Würfel haben die unangenehme Eigenschaft, dass sie nicht das würfeln, was man will. Und so heißt es, die Würfel klug einzusetzen und bei 2 bis 4 Spielern die weißen zu Hilfe zu nehmen. Und natürlich Fortuna an seiner Seite zu haben, aber das zählt für alle Würfelspiele hier.
Vegas ist ein Absacker, der oft länger dauert als eigentlich geplant (eine Runde geht noch … ach komm, noch eine …). Herzlich Willkommen, du süße Zockerlust. Gut, dass man hier kein echtes Geld verlieren kann. Dumm, dass es auch keins zu gewinnen gibt.
Vegas | Rüdiger Dorn, alea / Heidelberger
Für 2-5 Spieler | Alter: ab 8 Jahren | Spieldauer: ca. 20 Minuten | Preis: 20 Euro
Keltis
Keltis – Das Würfelspiel. Ich mag Keltis nicht. Ich mag Lost Cities, aber Keltis? Nö. Bis jetzt. Nach unzähligen „Keltissen“ mit Karten und Pappplättchen, fand nun Keltis – Das Würfelspiel den Weg auf unseren Tisch. Erstes Spiel, nichts Besonderes, Würfeln, auf den Feldern seinen Stein hochziehen, Bonusplättchen einsammeln (sonst gibts Minuspunkte) und Aktionsfelder nutzen. Das ist unterhaltsam, aber irgendwie fehlt der Kick. Also, Spielbrettchen umgedreht und neue Runde. Oha, hier gibts Hindernisse. Interessant und verflucht zugleich. Einfacher Kniff und der Kick ist da. Das Ganze gewinnt an Spannung, weil nun das Rennen (sobald 5 beliebige Steine den Zielbereich erreicht haben, endet das Spiel) interessanter geworden ist. Da braucht man dringend drei blaue Symbole, um das Hindernis zu überwinden, und bekommt natürlich drei rote, so dass man auf der blauen Strecke steckenbleibt. Zum Trost zieht man dann einen anderen Würfel, aber die Planung ist dahin. Okay, Würfel und Planung sind ein Widerspruch in sich … Danke Herr Dr. Knizia, wir haben einen neuen Urlaubsbegleiter gefunden und auch zu Hause heiße ich Keltis nun herzlich willkommen. Zumindest als Würfelspiel.
Keltis – Das Würfelspiel | Reiner Knizia, Kosmos
Für 2-4 Spieler | Alter: ab 7 Jahren | Spieldauer: ca. 20 Minuten | Preis: 10 Euro
Zooloretto
Das große Brüder kleine Würfelspiele nachziehen, ist ja fast Mode. So hat auch Zooloretto sein Würfelspiel bekommen. Und tatsächlich fängt es den Flair des Spiel des Jahres 2007 ein. Würfeln, diese auf Wagen plazieren oder eben Würfel von einem Wagen nehmen und in seinen Zoo „legen“, dh., die gesammelten Tiere abkreuzen. Volle Gehege bringen Bonuspunkte, zumindest für den Spieler, dem dies als erstes gelingt. Kein Platz mehr in den Käfigen? Dann gibts Minuspunkte, aber nur einmalig für jede Tierart. Mit Geld kann man sich von Minuspunkten freikaufen. Klar das auch dies erwürfelt werden muss. In seiner Grundversion ist das schon sehr unterhaltsam, aber in den Zooloretto News und auf der Zooloretto-Homepage lauert ganz verschwiegen der Plan für Zooloretto – Das Würfelspiel XXL. Runterladen! Ausdrucken! Sofort (ist kostenlos)! Hier heißt XXL wirklich XXL und macht aus dem lockeren leichten Würfelspiel plötzlich ein taktisches. Hier kann man, sofern man sich genügend Geld erwürfelt hat, Tiere verkaufen, weitere Gehege dazukaufen, Tiere bei vollen Gehegen in ein größeres (max 4 Gehege gibt es, also Vorsicht) umlegen und Nachwuchs zeugen. Auch hier bringen volle Gehege Punkte, aber auch Geld. Die XXL Version fühlt sich fast so gut an wie das Brettspiel. Denn ob man nun blind Plättchen zieht oder die Würfel entscheiden lässt, das macht keinen großen Unterschied. Fassen wir zusammen: Als Snack, die normale Variante, wer aber richtig Hunger hat, spielt die XXL-Version.
Zooloretto – Das Würfelspiel | Michael Schacht, abacusspiele
2-4 Spieler | ab 8 Jahre | ca. 20 Minuten (XXL 30 Minuten) | 12 Euro
Wanzen Tanzen
Wanzen Tanzen ist eine Art Kniffel, nur dass auf den Spielkarten mehrere Aufgaben abgebildet sind, die man versuchen muss, zu erwürfeln. Mal sind es bloß Zahlenm z.B. 2244, mal eine große Straße oder dann die Summe von 25. Je nach Karte sind die Aufgaben unterschiedlich schwer, bringen aber dementsprechend Siegpunkte. Würfeln darf man, sooft man will, naja, nicht ganz, denn wenn ich keinen Würfel rauslege und alle neu werfe, bekomme ich eine Babywanze. Wenn ich in meinem Wurf gar nichts erreiche, deren 2 und bei 5 freuen sich die Mitspieler, weil diese alle ihre absolut süßen, quängelnden Babywanzenchips loswerden und ich darf zur Strafe eine Minuskarte nehmen (die fangen bei -1 an und hören bei -5 auf), gebe meine Chips aber auch ab. Wer die letzte Aufgabe einer Karte erfüllt, erhält diese und dementsprechend die Siegpunkte. Da ist man schon risikofreudig, denn jede erfüllte Aufgabe man meinem Nachfolger leichter, sich die Karte zu mopsen. Ergo versuche ich, möglichst viele Aufgaben zu lösen – oder zu scheitern. Oh Fortuna, wo ist die vierte sechs??? Vollendet ein Spieler eine Karte, so ist in jedem Fall der nächste dran.
Wer gerne kniffelt, fühlt sich hier wie die Wanze im Speck, oder so ähnlich. Wanzen Tanzen macht Spaß,lebt von der Risikofreudigkeit der Spieler und dem Glück Fortunas.
Wanzen Tanzen | Reinhard Staupe, Amigo
2-4 Spieler | ab 8 Jahre | ca. 20 Minuten |10 Euro
Piraten Kapern
Kommen wir zum letzten hier vorgestellten Spiel: Piraten Kapern. Klar, geht es auch hier um Punkte, auch hier gibt es Karten und auch hier braucht man eine Glücksfee, oder warum werfe ich immer Münzen, wenn ein Edelstein auf der Karte ist und umgekehrt… aber von vorne. Piraten Kapern erlaubt es den SPielern, beliebig oft neu zu würfeln. Die einzigen Symbole die ich rauslegen muss, sind die Totenköpfe. Bei dreien ist Schluß und man geht leer aus, es sei denn, ich konnte meinen Schatz vorher durch eine Karte in Sicherheit bringen. Dazu später mehr. Im Grunde, versucht man, möglichst viele gleiche Symbole zu würfeln, je mehr, desto mehr Punkte. Ein Drilling bringt 100, ein Vierling 200, 5 schon 500 und wer 8 gleiche Würfelt kassiert gar 4000 Punkte. Wer zuerst 6000 erreicht, beendet das Spiel (wobei die Runde noch zu Ende gespielt wird). Edelsteine und Goldmünzen sind besonders lukrativ, denn sie bringen nochmal 100 pro erwürfeltem Gold/Edelsteinsymbol extra und zählen auch einzeln. Aber was wäre ein Piratenspiel ohne Spannung, ohne Schadenfreude? Langweilig. Und deshalb gibts hier eine Handvoll Aktionskarten, die für den aktiven Spieler zählen. So kann ich mir erwürfelte Gegenstände in einer Truge sichern (dh. die werden auch gewertet, wenn der 3. Schädel fällt), ich bekomme sofort eine Münze oder einen Edelstein mehr, darf meine Wertung verdoppeln oder einen Totenschädel neuwürfeln. Soweit sogut, aber es gibt auch andere Karten, wie die Totenschädel, mal einer mal zwei auf der Karte. Diese zählen wie gewürfelte Schädel. Ein oder zwei dazu und ich bin raus, es sei denn …. ja , es sei denn, mir gelingt es, im ersten Wurf 4 Schädel zu würfeln (die auf den Karten zählen dazu), denn dann kann ich auf Kaperfahrt gehen und meinen Mitspielern Punkte stehlen. Dann gibt es noch die Piratenschiffe. Diese muss ich mit Säbeln bekämpfen, sonst hagelts bis zu 1000 Minuspunkte. Bezwinge ich aber so ein Schiff, erhalte ich die Punkte als Belohnung zu meiner Kombination. Aber auch hier – 3 Totenschädel, das wars, auch wenn ich die nötigen Säbel erwürfelt hätte. Piraten Kapern ist ein Wechselbad der Gefühle, himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt. Da hat man 5 gleiche und der dritte Schädel fällt, ein Mitspieler geht auf Kaperfahrt und meine mühsam erreichten Punkte purzeln ins Bodenlose. Und warum nur ziehe ich nie die Verdoppeln Karte? Ach egal, wir sind Piraten und Rache ist Blutwurst. Säbel zwischen die Zähne und noch eine Runde. Wobei eine Runde mal schnell und mal etwas länger dauern kann. Aber da Piraten Kapern über die gesamte Seereise spannend bleibt, stechen wir gerne immer wieder in See. HARR HARRR, die Münzen sind mir!!! Och nöö, schon wieder ein blöder Schädel…..GRRRRRR!
Piraten Kapern | Haim Shafir, Amigo
2-5 Spieler | ab 8 Jahre | 15+ mehr Minuten | 10 Euro
Dabei belassen wir es erstmal, denn Würfelspiele gibt es viele und wird es noch viele geben! Würfel gehören zu unserer Welt, seit tausenden von Jahren. Und sie lassen uns den Alltag schnell vergessen, lassen und ärgern, im nächsten Moment vor Freude tanzen, Jubeln, fluchen, hach, sie vermitteln soooviel Gefühl …
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