Silke Junggeburth ist ein Organisationstalent. Diese Fähigkeit nutzt sie, um Familien und Kindern zu helfen. Inzwischen hat sie ihre ehrenamtliche Tätigkeit zu einem Verein gemacht.
Es hat klein angefangen. Vor acht Jahren erzählte ein Bekannter Silke Junggeburth, er wolle für Kinder im Kinderheim bei der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ mitmachen, habe aber nur vier, fünf Kartons bei einem Facebookaufruf zusammenbekommen. Silke Junggeburth – die sehr gut vernetzt ist – schloss sich an, organisierte gleich noch die Aktion „Unser Dorf spielt Fußball“ und die Geschenke reichten im Anschluss für zwei Kinderheime.
Das war die Geburtsstunde ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit und es ging weiter. Egal ob ein Jugendlicher aus dem Heim einen Anzug für den Abiball braucht oder Hilfsmittel für ein behindertes Kind nicht genehmigt werden, Silke Junggeburth besorgt, was nötig ist. Jeden Fall prüft sie persönlich, jede Familie lernt sie kennen und entscheidet, ob sie helfen kann und will, bevor sie ihr großes Netzwerk mobil macht. Zuletzt hat sie eine Familie begleitet, deren kleine Tochter neun Monate im Aachener Klinikum behandelt werden musste – es ging darum, Teile der Kosten für das Ronald-McDonald-Haus zu übernehmen.
Am meisten im Kopf geblieben ist ihr die Familie eines an Krebs erkrankten Sechsjährigen, der sich wünschte, noch einmal mit seiner Familie nach Disneyland zu fahren. Silke Junggeburth stellte die Finanzierung auf die Beine, die ganze Familie samt Geschwistern, Oma, Opa konnte die Reise antreten. Zwei Wochen später verstarb der Junge. „Aber sein Wunsch wurde noch erfüllt“, erzählt Silke Junggeburth, die auch in solche Situationen hineinwachsen muss.
Ein anderer Fall ist ebenfalls fest verankert im Gedächtnis von Silke und ihrem Netzwerk. Der sechsjährige Tim kann aufgrund seiner Erkrankung kaum etwas allein, denn er kann sich nicht wirklich bewegen. Die Familie beantragte einen E-Rolli, doch die Kassen lehnten ab. Ein Sechsjähriger könne nichts mit einem E-Rolli anfangen. Silke Junggeburth schilderte den Fall ihrer Facebookgruppe, die inzwischen über 7.500 Follower hat, und nach sage und schreibe vier Tagen waren die 34.000 Euro Anschaffungskosten zusammengekommen.
Es ergab sich, dass Silke, die bereits 2021 den Ehrenamtspreis des Kreises Düren erhalten hatte, im Jahr 2023 den NRW-Ehrenamtspreis bekommen sollte. Zeitgleich konnte Tims Familie den E-Rolli anschaffen. Bei der Übergabe des Rollis bekam Silke Junggeburth den Preis, und alle konnten sehen, wie Tim schließlich begeistert mit dem Rolli durch ein spontan gebildetes Spalier aus Menschen fuhr. „Von wegen ein Sechsjähriger kann nichts mit einem E-Rolli anfangen!“ Regelmäßig bekommt Silke Junggeburth immer noch Fotos und Videos der Familie, zum Beispiel wie Tim zu Halloween verkleidet in seinem Rolli unterwegs ist.
Kennengelernt haben wir Silke Junggeburth an Karneval. Da hat sie eine inklusive Karnevalsgruppe organisiert. Vorher spielte in ihrer Einfahrt eine Band, dann gingen 100 glückliche Menschen beim Umzug mit. Die ein oder andere ihrer Aktionen sind Selbstläufer geworden – 1.000 personalisierte Geschenke wandern an Weihnachten in die Kinderheime.
Silke Junggeburth bleibt bescheiden. „Ich will es beibehalten, wie es ist. Nicht immer höher, weiter, mehr – ich will auf dem Boden bleiben.“
Wünsche werden wahr
Silke Junggeburth
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Der Beitrag wurde für die Printausgabe geschrieben und ist in KingKalli 128 April/Mai 2025 erschienen.
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