Zwölf Fitnessstudios betreibt die World-of-Fitness-Gruppe WOF derzeit in der Region. Die regulären WOF-Studios gehören zu den höherpreisigen Angeboten der Branche, bieten sie doch viele Extras, wie zum Beispiel eigene Saunabereiche. Einige boten seit der Gründung vor über 35 Jahren auch eine Kinderbetreuung an und erfreuten sich damit bei Müttern großer Beliebtheit. Seit Mitte April ist damit Schluss. Informiert wurden die Eltern darüber 14 Tage vor der Schließung, die Gerüchteküche brodelte seitdem, wie uns Maria* erzählt. Sie ist unglücklich über die Änderung. Sie hatte die Betreuung mehrmals die Woche für ihre Kinder in Anspruch genommen und das WOF wegen der Betreuung auch einigen Freundinnen empfohlen. Nun kann sie nur noch einmal die Woche kommen. Besonders enttäuscht habe sie, dass man ihr eine Kündigung nahelegte, statt ihr ein alternatives Angebot zu machen. Wir haben bei Franjo Ceke, Mitglied der Geschäftsführung, nachgefragt, wie es zu der Entscheidung gekommen ist und was Eltern nun angeboten wird. Ceke ist selbst Vater einer Tochter, die auch sehr gerne die Kinderbetreuung genutzt hat.
Wie lange gab es die Kinderbetreuung und wie haben sich die Erfahrungen im Laufe der Zeit verändert?
Die Kinderbetreuung existierte – je nach Standort und Studiokonzept – seit der Eröffnung der ersten WOF-Studios, also seit über 35 Jahren. Anfangs wurde sie ohne besondere Anforderungen seitens der Eltern genutzt: Hauptsache, das Kind war in guten Händen. Fachpersonal wurde nicht explizit gefordert. Nach der Corona-Pandemie änderte sich das deutlich. Der Wunsch nach qualifiziertem Fachpersonal und pädagogischen Konzepten wurde lauter – auch durch das zunehmende Helikoptereltern-Phänomen.
Zudem wurde die Betreuung zunehmend als Ersatzlösung genutzt, wenn Kinder krank waren und von Kita oder Schule abgelehnt wurden. Es kam sogar vor, dass Eltern ihre Kinder abgaben und das Studio verließen, um etwa einkaufen zu gehen, was ein hohes Risiko darstellte, da sie im Notfall nicht erreichbar gewesen wären.
Wir haben gehört, dass mal sehr wenige, mal sehr viele Kinder kamen. Warum konnte die Kinderbetreuung nicht über die WOF-App organisiert werden, wie es bei Kursen der Fall ist?
In der Theorie wäre eine App-Anmeldung möglich gewesen. In der Praxis jedoch ergeben sich dabei mehrere Probleme: Viele Eltern kommen spontan (z. B. bei schlechtem Wetter) – eine Ablehnung vor Ort wegen fehlender Anmeldung wäre unzufriedenstellend.
Wie bei Kursen kommt es vor, dass trotz Anmeldung niemand erscheint. Bei Kursen ist das verkraftbar, bei eingeplantem Betreuungspersonal führt das jedoch zu wirtschaftlich nicht tragbaren Situationen. Eine Sanktionierung bei Nichterscheinen würde in der sensiblen Thematik „Kind & Betreuung“ eher zu zusätzlichem Unmut führen. Kinderbetreuung ist, wie das Wetter, schwer planbar: Ein Kind wird plötzlich krank, Prioritäten verschieben sich. Eine konsequente Stornierungspflicht per App ist da oft unrealistisch.
Was hat letztlich zur Schließung des Kinderbetreuungsangebots geführt?
Ein Hauptgrund war der Mangel an qualifiziertem Fachpersonal. Hinzu kamen die gerade genannten Herausforderungen, die den ursprünglichen, einfachen Betreuungsansatz zunehmend in eine professionelle Richtung drängten – abseits unseres Kerngeschäfts Fitness.
Kam die Forderung nach qualifiziertem Personal also von der Elternseite und nicht „von oben“, also vom Jugendamt?
Die Beschwerden kamen tatsächlich ausschließlich von den Eltern, das Jugendamt war nie involviert. Insofern gibt es auch keine behördlichen Vorgaben oder Verpflichtungen. Es kam immer mehr vor, dass Betreuungskräfte bzw. später die Studioleitung Konflikte zwischen Kindern – und die daraus entstehenden Spannungen zwischen den Elternteilen – auch klären sollten. Teilweise gingen die Forderungen sogar so weit, dass der Ausschluss einzelner Kinder oder die Kündigung bestimmter Elternteile verlangt wurde. Für uns stellte sich dabei zunehmend die Frage, ob diese Entwicklung auf Dauer gesund fürs Geschäft ist. Es wird immer Einzelne geben, die ihre persönlichen Interessen über das große Ganze stellen.
Unser Ziel ist es, mindestens 90 Prozent der Kunden zufriedenzustellen, auch wenn das bedeutet, dass wir nicht alle individuellen Erwartungen erfüllen können. Am Ende war die Schließung des Bereichs und die Konzentration auf das Kerngeschäft Fitness die bessere Entscheidung.
Was bietet das WOF Mitgliedern an, die sich speziell wegen der Kinderbetreuung angemeldet haben?
Mitglieder, die die Betreuung nachweislich regelmäßig genutzt haben, können selbstverständlich auf Kulanz vorzeitig kündigen. Zudem bieten wir die Möglichkeit, die Kinderbetreuung aus dem Vertrag zu entfernen und auf ein anderes – in vielen Fällen sogar günstigeres – Paket umzustellen.
In älteren Verträgen war die Kinderbetreuung ohnehin kostenfrei enthalten, sodass hier keine Mehrbelastung besteht.
* Name geändert
Infos zu den Studios: wof.de
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