„Wie die fremde beste Freundin“ – Mütterpflege im Wochenbett

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Im Wochenbett soll sich die frischgebackene Mama erholen. Gibt es keinen Familienanschluss und kommen weitere Probleme hinzu, kann eine Mütterpflegerin als Krankenkassenleistung ins Haus kommen und helfen. Eileen Radermacher hat Alina und ihre Zwillinge ein paar Wochen begleitet. Damit auch weitere Mütter von dem wertvollen Angebot erfahren, erzählen sie, wie es dazu gekommen ist und wie die Mütterpflege ablaufen kann.

Niemand muss es alleine schaffen

Alinas Zwillinge mussten ein paar Wochen vor Termin per Kaiserschnitt geholt werden. Erholung gibt es da wenig, trotz Kaiserschnittwunde läuft die junge Mutter immer wieder auf die Intensivstation zu ihren Kindern. Mit dem Stillen will es nicht so richtig klappen, zu Hause kommt es zu einer Brustentzündung. Alina muss wieder ins Krankenhaus, stillt in dieser Situation ab. Das belastet sie psychisch, denn eigentlich wollte sie die beiden Kleinen gerne mit Muttermilch versorgen. Es stellen sich weitere gesundheitliche Probleme ein. Die zarte Frau ist nur ein Schatten ihrer selbst, beim Rückbildungskurs, den sie eigentlich besuchen möchte, fällt auf, dass sie immer wieder krankheitsbedingt fehlt. Die Kursleiterin spricht Alina an, ob sie das Angebot der Mütterpflege kenne. Da komme eine Hilfe ins Haus, die sich nicht nur um die Kinder, sondern gerade auch um das Wohlergehen der Mutter kümmere. Zunächst hat Alina Hemmungen. „Ich muss es alleine schaffen“ und „andere haben auch Probleme“ sind ihre ersten Gedanken.

Schließlich schaut sie sich ein Foto von Eileen an und denkt: „Ach, sie sieht ja nett aus“, und nimmt Kontakt auf. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Alina geht es plötzlich wieder schlechter, ihr Mann muss sie ins Krankenhaus bringen. Bei ihrem ersten Einsatz in der Familie ist Mütterpflegerin Eileen Radermacher also alleine mit den beiden Zwillingen. Alinas Gynäkologe stellt aufgrund der Umstände ein Rezept für acht Wochen Mütterpflege aus. Bis zu acht Stunden täglich an den Wochentagen könnte Eileen in den Haushalt kommen. Man einigt sich auf fünf Stunden, denn Eileen hat selbst Kinder.

Mehr als Unterstützung im Alltag

„Wir haben um neun Uhr begonnen und erstmal die Babys fertig gemacht“, erzählt Eileen. Während Alina sich um den einen Säugling gekümmert hat, konnte Eileen den anderen nehmen. Dann wurde Frühstück gemacht. „Dazu gab es auch immer etwas Besonderes. Alina mag zum Beispiel gerne Golden Milk mit Ingwer, Kurkuma und Pflanzenmilch.“ Beim Frühstück ging es um die junge Mutter. In Ruhe konnten Fragen zur Befindlichkeit erörtert werden. Danach stand die Tagesplanung an. Gibt es Außentermine? Muss ein Kind oder müssen beide zum Arzt oder zur Ergotherapie? Eileen konnte bei allem unterstützen, außerdem im Haushalt helfen, Ordnung machen, Spül- und Waschmaschine bedienen und sogar ein vollwertiges Mittagessen vorbereiten.
Währenddessen hatte die junge Mutter auch mal Zeit für sich – zum Beispiel um in Ruhe zu duschen.

Mütterpflege auf Rezept

„Mir haben schon Mütter in Unterwäsche die Tür geöffnet“, berichtet Eileen. „Ich bin schnell sowas wie die fremde beste Freundin.“

Die Krankenkasse übernimmt ihre Einsätze aus unterschiedlichsten Gründen. Da kann es um massiven Babyblues oder eine postpartale Depression gehen oder um den Umgang mit einem Schreibaby. Manchmal startet die Mütterpflegerin schon in der Schwangerschaft. Das kann der Fall sein, wenn eine Frühgeburt droht und die Frau liegen muss. Und natürlich kann die Mütterpflege auch mal Vätern zustehen. „Ich unterstütze derzeit einen Vater, der mit zwei kleinen Kindern und Baby alleine ist, weil die Mutter in der Tagesklinik ist.“
Eileen Radermacher hat als medizinische Fachangestellte schon immer im medizinischen Bereich gearbeitet. Nach der Geburt ihrer Kinder, die heute drei und acht Jahre alt sind, hatte sie – wie sie sich ausdrückt – ein turbulentes Wochenbett. Gesundheitlich ging es ihr nicht gut. Da stieß sie auf die Mütterpflege und stellte fest: „Das hätte ich gerne gehabt!“
Und schon ging es in die Fortbildungen. Eileen Radermacher machte eine Ausbildung zur Mütterpflegerin bei der Babycoachakademie, ließ sich zum Thema psychische Krisen rund um Schwangerschaft und Geburt fortbilden und belegte unter anderem Seminare zu den Themen Stillen, Tragen, Kinderkrankheiten und Massage.
Inzwischen arbeitet sie seit zweieinhalb Jahren in dem Beruf und hat rund 30 Familien betreut, davon drei mit Zwillingen. Mit ihrem neuen Beruf und der Selbstständigkeit ist sie vollends zufrieden. „Es wärmt mein Herz – ich kann etwas bewirken“, freut sie sich, wenn sie Müttern zur Seite stehen kann.

Alinas Zwillinge sind inzwischen acht Monate alt, und sie trauert der Zeit mit Eileen etwas hinterher. „Das war eine große Entlastung im Alltag und die richtige Entscheidung“, ist sie heute sicher, während die zwei Kleinen Eileen anstrahlen und ihr die Ärmchen entgegenrecken.

 

Kurz zusammengefasst: Mütterpflege

Eine Mütterpflegerin kann je nach medizinischer Indikation bei der werdenden Mutter zum Einsatz kommen oder aber nach der Geburt und bis das Baby ein Jahr alt ist. Sie handelt stets im Sinne der Gesundheit der Frau, nimmt allerdings keine medizinischen Handlungen vor. Mütterpflege ersetzt nicht die Betreuung durch eine Hebamme, sondern ergänzt diese.

Die Leistungen werden in der Regel von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen (§ 24g,h SGB V bzw. § 38 SGB V). Dazu muss der Gynäkologe oder Hausarzt ein Rezept mit entsprechender Indikation ausstellen. Bei privaten Kassen sollte im Vorfeld geklärt werden, ob die Leistung übernommen wird. Gibt es keine entsprechende Indikation oder möchte die Kasse nicht zahlen, kann das Angebot dennoch in Anspruch genommen werden, wenn die Kosten selbst übernommen werden.

MDEV Mütterpflege Deutschland e. V.

Berufsverband für Mütterpflegerinnen in Deutschland
Hier gibt es weiterführende Infos und die Option, Mütterpflegerinnen in seinem Ort zu finden: muetterpflege-deutschland.de

Der Link zu Eileen Radermacher: bauchglueck-linnich.de

Der Beitrag ist in KingKalli April/Mai 2025 (Nr. 128) erschienen.

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