Wechsel von G8 auf G9 – Zentrale Prüfung 10 – Was bedeutet das für den ersten G9-Jahrgang?

in Von und für Jugendliche

Im Jahr 2005 wurde von G9 auf G8 gewechselt. Das bedeutet, dass man bis zum Abitur statt 13 Schuljahren nur noch 12 Schuljahre brauchte. Das Gymnasium dauerte jetzt nicht mehr neun, sondern acht Jahre. Die Schülerinnen und Schüler (SuS) hatten demnach also ein Jahr weniger Zeit für ihre Schullaufbahn. G8 ist eingeführt worden, damit die Abiturienten und Abiturientinnen ein Jahr früher ihre Berufsausbildung beginnen können und dementsprechend früher Steuern und Sozialabgaben zahlen. Trotzdem sollte es zu keiner Qualitätsminderung des Abiturs kommen, deswegen blieb die Anzahl an Unterrichtsstunden gleich. In der Oberstufe führte dies oft zu 36 Unterrichtsstunden pro Woche. Zum Schuljahr 2019/2020 wurde wieder auf G9 gewechselt. Damit ging die Landesregierung von NRW auf die schulpolitischen Auseinandersetzungen und die fehlende Akzeptanz des G8-Systems und des „Turboabiturs“ ein. Die Schülerinnen und Schüler gehen jetzt also bis zum Abitur wieder 13 Jahre lang zur Schule.

Mit dem Wechsel ist auch eine Modernisierung an Schulen durchgeführt worden. Fachübergreifend sollen den SuS Medienkompetenzen vermittelt werden. Zudem ist das Fach Wirtschaft-Politik eingeführt worden.

Was bedeutet die Umstellung

Die Umstellung bedeutet, dass es dieses Jahr erstmals wieder einen Jahrgang 10 in der Sekundarstufe 1 gibt. Der erste G9-Jahrgang macht sein Abitur plangemäß im Jahr 2027. Im Jahr 2026 gibt es demnach keinen Abschlussjahrgang bzw. keine Abiturienten. 2026 bildet sich sozusagen eine Abi-Lücke.

Dadurch, dass 2026 kein Jahrgang die Schule verlässt, aber trotzdem neue SuS in der Jahrgangsstufe 5 dazukommen, kommt es zu Platzmangel. Die Schulen brauchen mehr Schulraum. Das Land hat den Schulträgern für die Schaffung und Ausstattung von Schulraum 518 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Dazu kommt, dass zum Schuljahr 2026/2027 ein Mehrbedarf von rund 4.200 Lehrerstellen erwartet wird.

Weitere Änderungen gestalten sich in einer Erhöhung der Gesamtwochenstunden in allen Pflichtfächern. Die zweite Fremdsprache wird nicht wie bisher schon in der 6. Klasse gewählt, sondern ein Jahr später in der
7. Kasse. Auch das Wählen der Wahlpflichtfächer hat sich von den Klassen 8 und 9 auf die Klassen 9 und 10 verschoben. Erstmals wird es in diesem Jahr auch wieder Zentrale Prüfungen in Klasse 10 an Gymnasien geben.

Zentrale Prüfung 10

Die Zentrale Prüfung 10 (kurz ZP10), auch Zentrale Abschlussprüfung (kurz ZAP) genannt, gibt es schon seit 2006/2007 an Haupt-, Real- und Gesamtschulen. Aufgrund der Schulzeitverkürzung nehmen Gymnasien seit dem Jahrgang 2010/2011 nicht mehr daran teil. Das Bestehen der Prüfung bedeutet für die SuS das Erreichen des mittleren Schulabschlusses (Fachoberschulreife) und des Hauptschulabschlusses.

Dieses Jahr nehmen erstmals auch wieder Gymnasien daran teil. Die ZP 10 wird am Ende der Sekundarstufe 1 in den drei Hauptfächern Mathe, Deutsch und Englisch geschrieben und ermöglicht den SuS den Eintritt in die Oberstufe. Die Abschlussnote am Ende der 10. Klasse setzt sich dann zu 50 Prozent aus der Prüfungsnote und zu 50 Prozent aus den restlichen Leistungen der Klasse 10 zusammen. Jede Prüfung besteht aus zwei Prüfungsteilen. Die Prüfung für das Fach Deutsch hat einen Teil, in dem das Leseverstehen geprüft wird, und einen zweiten, in dem die SuS einen eigenen Text schreiben müssen. Insgesamt haben die SuS ca. 150 Minuten Bearbeitungszeit. Die Prüfung in Englisch besteht aus einem Hörverstehen im ersten Teil und dem Abprüfen von Leseverstehen und Wortschatz sowie dem Schreiben eines eigenen Textes im zweiten Teil. Für diese Prüfung sind ca. 120 Minuten Bearbeitungszeit vorgesehen. In Mathe gibt es einen Teil ohne Taschenrechner, in dem Basiskompetenzen geprüft werden, und einen Teil mit Taschenrechner, in dem größere Textaufgaben vorkommen. Die Prüfung soll ca. 120 Minuten dauern. Die ZPs fangen am 14. Mai 2024 mit Deutsch an, am 16. Mai wird Englisch geschrieben und geendet wird am 24. Mai mit Mathematik.

Quellen:
schulministerium.nrw/weiterentwicklung-des-gymnasiums-g8g9
standardsicherung.schulministerium.nrw.de
swr.de/wissen/g8-g9-verkuerztes-abitur-forschung-100.html

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Erfahrungen als Schülerin des ersten G9-Jahrgangs

Als Schülerin, die momentan die 10. Klasse eines Gymnasiums besucht, bin ich Teil des ersten G9-Jahrgangs. Für uns bedeutet das, dass wir zu jedem Schuljahr ganz neue Schulbücher bekommen. Das heißt aber auch, dass wir zum Teil etwas länger auf Schulbücher warten müssen, da sie erst nach Schulbeginn geliefert werden. In dieser Zeit haben wir zum Glück die Möglichkeit, auf Vordruckvarianten, die den Lehrerinnen und Lehrern zur Verfügung gestellt werden, zugreifen zu können. Zu Beginn des Schuljahres 2023/2024 hat sich meine Schule aufgrund von immer höheren Preisen dazu entschlossen, die neuen Bücher für Nebenfächer nur noch in einer kleineren Anzahl zu bestellen. Bio- und Politikbücher zum Beispiel bleiben jetzt daher immer im Klassenraum und werden, wenn benötigt, während des Unterrichts ausgeteilt.

Oft aber herrschen auch Unklarheiten im Lehrplan. So hat meine Klasse es schon erlebt, dass wir in der 9. Klasse im Chemie- und Religionsunterricht bereits Stoff aus der 10. Klasse gemacht haben, was allerdings nur aufgefallen ist, weil es zu Beginn der 10. Klasse einen Lehrerwechsel in den Fächern gab. In der 10 machen wir jetzt den restlichen Stoff, der für die 10. Klasse vorgesehen ist, und holen restlichen Stoff aus der 9. Klasse nach.

Besonders im Hinblick auf die ZP 10 wird deutlich, dass wir der „Versuchskaninchen“-Jahrgang sind. So war beispielsweise zu Beginn des Schuljahres noch unklar, wie der restliche Klassenarbeitsplan für die drei Hauptfächer aussieht. Am Anfang hieß es noch, wir würden ganz normal vier Klassenarbeiten pro Fach im Schuljahr schreiben, mittlerweile ist man davon weg und es wurde festgelegt, dass die ZP 10 zwar keine Klassenarbeit ersetzt, aber eine Reduzierung auf drei Klassenarbeiten nach Beschluss der Fachkonferenz möglich ist. An meiner Schule schreiben wir demnach in den ZP-Prüfungsfächern drei Arbeiten im Schuljahr plus die ZP und ansonsten wie gewohnt vier Arbeiten pro Schuljahr in den anderen Fächern.

Weil Gymnasien jahrelang keine ZP 10 mehr geschrieben haben, herrscht bei den Lehrerinnen und Lehrern eine gewisse Unsicherheit zum Thema Prüfungsniveau. Lehrerinnen und Lehrer wie auch SuS haben keinen richtigen Vergleich, wie die kommende ZP 10 an einem Gymnasium aussehen könnte. Trotz dieser Unsicherheiten versuchen unsere Lehrerinnen und Lehrer, uns so gut wie möglich auf die Prüfung vorzubereiten, und arbeiten mit dem Material, das sie zur Verfügung haben. Wir nutzen alte ZP 10 von Gesamtschulen, um schon mal mit Formulierungen vertraut zu werden und um eine Idee für Arten von möglichen Aufgabenstellungen zu bekommen. Auch mit Blick auf die Corona-Pandemie bin ich sehr dankbar für das eine Jahr extra.

Texte: Sarah Esser (15) / Schülerpraktikantin bei der Ausgabe KingKalli 121 | Februar/März 2024

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