Zu Semesterbeginn eine Wohnung oder WG in Aachen zu finden, ist nicht so einfach. Ein junger Student, der aus dem Ausland nach Aachen gezogen ist, ist zum Wintersemester 2019 auf Mietbetrüger hereingefallen. Zur Warnung erzählt er hier die Geschichte.
Zu Beginn des Semesters nach einer Unterkunft zu suchen ist hart, besonders in Aachen, in Anbetracht der Anzahl an Studenten und der begrenzten Wohnungs-Angebote. Wie andere war auch ich zu einem gewissen Grad naiv auf der Suche nach einem voll eingerichteten, großen, hellen Zimmer in einer schönen, modernen, großen Wohnung, mit allen notwendigen Ausstattungen, als auch mit netten Mitbewohnern – alles natürlich in der Nähe des Stadtzentrums und zu einem möglichst günstigen Preis.
Nettes Mädchen bietet tolle Wohnung ihrer Eltern an
Nachdem ich unzählige Angebote durchforstet hatte, entschloss ich mich schließlich für ein recht Mittelmäßiges, nur um dann auch noch Schwierigkeiten mit dem nicht besonders freundlichen WG-Nachbarn zu haben, der sich schließlich für mich entschieden zu haben schien. Als ich dann all das erleben musste und alle Angebote – eigentlich nur eins – abgesagt hatte, war ich froh, einen Vorschlag einer ungenannten jungen Frau unterbreitet zu bekommen, die vorschlug, mit mir in eine Wohnung in Aachen zu ziehen, die vorher ihre Eltern bewohnten.
Meine Aufmerksamkeit richtete sich nun komplett auf sie – denn die Wohnung schien toll zu sein, die Lage passte und vor allem schien sie ein sehr netter Mensch zu sein. Es sah aus, als hätten wir viel gemeinsam und wir hatten viel Spaß, uns in zwei unterschiedlichen Fremdsprachen zu unterhalten, die wir beide ohne Probleme beherrschten.
Ich entschied mich für den Deal. Da sie vorgab, in einem benachbarten europäischen Land zu studieren, vereinbarten wird, weiter über Social Media Kontakt zu halten und E-Mail für die offiziellen Sachen zu benutzen – wie etwa die Details zum Mietvertrag – und sicherzustellen, dass wir beide reale Personen sind, indem wir uns Kopien des Ausweises zusenden.
Der Plan war, einen Mietvertrag von einem Anwalt aufsetzen zu lassen, ihn jeweils zu unterschreiben und dann zu scannen und wechselseitig zuzusenden, die Miete für das Apartment – oder zumindest eine Anzahlung – plus einer üppigen Kaution zu überweisen und dann von ihr die Schlüssel per Post zugesendet zu bekommen. Leider konnte sie nicht persönlich kommen, um mir die Wohnung zu zeigen, aber das war ja kein Problem, da ich ja mit den Schlüsseln Zugang zu der Wohnung hätte. Und wir würden uns zum Schluss ja sowie treffen, wenn sie wieder zurück in Aachen war.
Alles schien perfekt & Sicherheitscheck
Alles schien perfekt bis zu dem Punkt, an dem ich die Kontoverbindung erhielt, an die ich die recht üppige Menge an Euros überweisen sollte. Ich bin mir schon im klaren darüber wie das Internet funktioniert und ich bin auch schon auf Leute gestoßen, die über Wohnungs-Betrug berichtet haben, als auch auf sehr merkwürdige Leute, die mich auf WG-gesucht angesprochen haben.
Ich entschied mich, einen Sicherheitscheck zu machen und einen Nachweis zu verlangen, dass ich das Geld tatsächlich an ein Familienmitglied sende wie sie behauptete.
Der Nachweis wurde erbracht, alles schien in Ordnung. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits ein paar Ungenauigkeiten bemerkt – grammatikalische Fehler, die für eine Muttersprachlerin, die sie vorgab zu sein, erstaunlich unüblich waren, abgesehen von der Art und Weise, in der der ganze Deal ablief, ohne wirkliche Sicherheiten, abgesehen von den Dokumenten.
Innere Stimme ignoriert
Die Dokumente, natürlich! Im Rückblick hätte ich auf meine innere Stimme hören sollen, die mir sagte, dass es da zu viele ungelöste Fragen in dem ganzen Konstrukt gab, um so abzulaufen wie ich es mir es gewünscht hatte. Unglücklicherweise vertraute ich den ganzen Unterlagen die ich erhielt – zugegeben, ich bekam die Personalausweis-Kopie, die Fotos und andere Dokumente in kurzer Zeit – so dass ich eher glaubte, ich wäre etwas paranoid in der Annahme, sie würde mich hinters Licht führen. Und darüber hinaus verbrachte ich genug Zeit auf Google, um alle ihre Details zu checken und mich von ihrer Existenz zu überzeugen.
Ich überwies das Geld. Es dauerte ungefähr drei Tage, bis die internationale Buchung ausgeführt war. Ich bekam die vermeintliche Bestätigung, dass es sich in der Tat nicht um einen Betrug handelte, weil sie mir freundlicherweise einen Tracking Code zusendete, mit der ich verfolgen konnte, wie die Schlüssel mit der Lieferfirma ihrer Wahl langsam aber sicher bei mir ankommen sollten.
Hätte ich den Name der Firma vor Zusendung der Schlüssel gewusst, ich hatte meine große Menge Geld behalten und wäre einfach weitergezogen.
Die Firma war sehr offensichtlich nicht vorhanden. Aber wie konnte ich dann mein Paket verfolgen? Die auf den ersten Blick sehr professionell gemachte Speditionswebsite war dazu angetan, mich in Sicherheit zu wiegen, sogar mit einem Tracking System, das zufälligerweise genau zu dem Zeitpunkt aufhörte zu funktionierten, zu dem die Schlüssel ankommen sollten.
Die Arbeit war getan.
Die Frau hatte aufgehört zu existieren – zusammen mit der sicheren Unterkunft und einer großen Summe Geld. Und mit der beglaubigten Kopie meines Ausweises.
Wie sich herausstellte existierte das Mädchen, mit der ich kommunizierte allerdings in der Tat, aber ich bezweifle, dass ich jemals die Gelegenheit gehabt hätte, mit ihr zu reden. All die Ausweis-Papier und Fotos und Dinge, die ich zur Verfügung gestellt bekam, waren echt. Es waren die Dokumente von Leuten, die vor mir dran waren. Von all den anderen in einer Kette von Täuschungen, in dem ich nun ein Glied war und eins, das gegen meinen Willen an einem Betrug an Leuten eingesetzt werden würde, die nach mir kommen.
Willst du auch kein Teil in einer Betrugskette sein?
Dann solltest du
– immer darauf bestehen, die Wohnung persönlich zu besichtigen
– immer den Eigentümer und die WG-Nachbarn treffen, bevor ein Vertrag unterschrieben wird
– immer den kompletten Vertrag lesen
Die Alarmglocken sollten läuten
– wenn Leute vorgeben, sich nicht persönlich treffen zu können
– wenn Leute vorgeben, die Wohnung nicht zeigen zu können
– bei übermäßig attraktiven Angeboten
– bei Grammatikfehlern in wichtigen Dokumenten
– wenn Fakten nicht von unabhängigen Quellen bestätigt werden können
– bei seltsamen E-Mail-Adressen
– bei Bankverbindungen, die im Internet eingerichtet wurden
Die Polizei Aachen ergänzt
– Betrüger mieten heute zum Beispiel Wohnungen bei airbnb und vermieten diese weiter. Es ist also sinnvoll kritisch zu prüfen: Wem gehört eine Wohnung wirklich?
– Bei Untermietverträgen: Abklären ob eine Untervermietung überhaupt gestattet ist.
Der Autor ist der Redaktion namentlich bekannt.
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