Vogelsang IP: Ein Ort zum Nachdenken – mit Blick auf den Rursee

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Über eine lange Zufahrtsstraße durch Waldgebiet fährt man vorbei an alten Kasernen, die einem deutlich machen, wie weitläufig das Gelände der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang ist. Man bekommt sofort einen Eindruck davon, wie groß das damalige Schulungszentrum der zukünftigen Parteiführer der NSDAP wirklich war, auch wenn man bei Sonnenschein und der Ferien-Atmosphäre des Geländes, die bei meinem Besuch an einem Freitagmittag vorzufinden waren, diese Umstände leicht vergessen könnte. Doch schon auf dem Weg zum Forum IP, dem Besucherinformationszentrum und Bereich der angebotenen Ausstellungen werden die verschiedenen alten Bauwerke auf zahlreichen Infotafeln erläutert und geben einen ersten Eindruck über die damaligen Aufgaben, die den Betongebäuden mit Schieferdach und alten Holzstrukturen innewohnten. Mit Sanierungs- und Baukosten von insgesamt 43,2 Millionen Euro Fördergeldern ist Vogelsang IP ein Großprojekt der Region und wird bei meinem Ausflug nicht nur von Besuchern aus ganz NRW, sondern auch von einigen Niederländern besucht. Das Gefühl von Natur um einen herum begleitet einen über das gesamte Gelände, denn eingebettet in einen Berghang mit Ausblick auf den von Wäldern umgebenen Rursee wirkt das Vogelgezwitscher mit dem gelegentlich zu hörenden Kuckuck sehr idyllisch. Über allem ragt außerdem noch der alte Wasserturm, den man für 6 Euro pro Person besuchen kann, um so noch einen besseren Blick auf das Areal und den angrenzenden Rursee zu bekommen.

Inmitten der alten Häuser findet man dann den Neubau, in dem sich alle Informationen bündeln: das Forum Vogelsang IP mit den dazugehörigen zwei Ausstellungen, der NS-Dokumentation und „Wildnis(t)räume“. Das moderne Gebäude mit sehr behindertengerechtem Konzept, bietet einen Einblick in die Umstände von Vogelsang mit zahlreichen Informationen, Bildern, alten Gegenständen und Videos aus der NS-Zeit auf einer Seite des Bereiches. In der anderen Hälfte des Gebäudes wird auf die Umgebung und die Natur eingegangen und diese Ausstellung soll besonders Kindern einen allgemeinen, wenn auch meinem Empfinden nach recht oberflächlichen Eindruck über Tiere und Pflanzen vermitteln.

Zwischen Faszination und Verbrechen

Bei meinem Besuch besonders beim älteren Publikum beliebt war die Ausstellung NS-Dokumentation, die nicht nur für Geschichtsbegeisterte viele Hintergrundinformationen bietet und sich mit ihrem Untertitel gut zusammenfassen lässt: Zwischen Faszination und Verbrechen. Auf diese Weise teilt sich auch die Exposition in zwei Etagen auf. Zuerst wird auf die Anfänge der NSDAP eingegangen, der in den Gebäuden stattgefundenen Schulungen des Führernachwuchses mit dem 29 Jahre langen Ausbildungssystem, was unteranderem an zahlreichen Zeitungsartikeln und Dokumenten veranschaulicht wird. Auch alte Uniformen und Schulbücher sind hier zu sehen und es wird einem als Besucher deutlich, dass dieser Ort hauptsächlich den Zweck hatte, die nationalsozialistische Weltanschauung zu vertiefen.


Anschließend geht es weiter über eine Treppe in die untere Etage, deren Thema passend zum etwas düsteren Raum die Verbrechen und Weltanschauung der Nationalsozialisten, sowie die Nachkriegszeit ist. „Als Weltanschauung den ganzen Menschen mit seinem Denken, Fühlen und Handeln ergreifen“ steht an einer Wand als Infotext, übrigens mit allen Texten in deutsch, französisch, holländisch und in einfacherer Sprache und ist eine sehr treffende Zusammenfassung der damaligen Denkweise, die einen zusammen mit den anderen Informationen nachdenklich stimmt. Umso treffender endet die Ausstellung mit einem Zitat der Menschenrechte, beschlossen am 10. Dezember 1948, als Kontrast zum Rest der „Herrenmenschen“-Denkweise und wird personalisiert mit einem Zeitzeugenbericht von Helmut Morlok, bevor man über die Treppe wieder ins Helle schreitet.

Wildnis(t)räume

Einen ganz anderen Fokus hat die zweite Ausstellung im Gebäude, „Wildnis(t)räume“, die sich als Erlebnismuseum eher an das jüngere Publikum richtet, mit interaktiven Informationen rund um die Themen Natur, Tiere und Pflanzen. Wenn auch bei meinem Besuch etwas leerer als die andere Seite des Gebäudes, wird man an der Informationstheke direkt am Anfang des Rundgangs freundlich empfangen und bekommt schnell einen Überblick über die Themen der einzelnen Bereiche. Über Lebensräume Wald und Wasser, bis hin zu Tierlebenszyklen und Nachhaltigkeit können Kinder interaktiv, unter anderem auch mit Filmen im hinteren Kinoraum der Ausstellung, mehr über die Natur und ihre Bedeutung für den Menschen erfahren.
Nicht nur bei gutem Wetter ist der Gastronomiebetrieb Kaspar vor dem Forum ein schöner Ort um sich nach dem Ausstellungsbesuch für einen Snack auf der Terrasse niederzulassen und die schöne Aussicht auf den Rursee zu genießen.

Wer dann noch Lust hat, kann sich Führungen über das Gelände mit Einblick in die anderen Gebäude anschließen um einen Eindruck zu bekommen, wie es damals im inneren der Häuser der NS-Ordensburg aussah, für einen Preis von 8 Euro, oder 6 Euro ermäßigt. Die Preise für beide Ausstellungen zusammen sind für Erwachsene ermäßigt 6 Euro, sonst 12 Euro, mit dem Familienticket kommt man mit 18 Euro hinein. Zusätzlich zu vielen Veranstaltungen werden auch Wandertouren, Sternwanderungen angeboten, im Kulturkino Vogelsang IP Filme gezeigt und wer will kann auch dort übernachten oder das Schwimmbad aus der NS-Zeit für 3,50 Euro besuchen. Als Alternative zum Auto gibt es auch gute Anbindungen zum Nahverkehr mit den Buslinien SB 63, SB 82 und der 63. Weitere Informationen auch zu Gruppenaktivitäten und den jeweiligen Preisen findet man unter vogelsang-ip.de.

Vogelsang IP
Vogelsang 70
53937 Schleiden
02444 91579-0



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