Vereinssport: Der Aachener Hockey-Club 1906 e. V.

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Foto: Lasse Falter

Vereinssport bleibt bei Kindern und Jugendlichen weiterhin beliebt. In Aachen sind über 60 Prozent der 7- bis 18-Jährigen in einem Verein angemeldet. Für die meisten heißt das: Fußball, Leichtathletik, Turnen oder Schwimmen. Doch es lohnt sich, einen Blick über den Tellerrand zu werfen und etwas anderem auch eine Chance zu geben. Wer weiß, vielleicht ist bei einer weniger bekannten Sportart genau das Richtige dabei. Wir waren unterwegs und haben uns eine dieser Sportarten angeschaut. In der Soers wird beim Aachener Hockey-Club 1906 e. V. seit mehr als 100 Jahren Hockey gespielt, im Moment stellt der Verein sogar erstmals seit 35 Jahren wieder ein Bundesligateam im Feldhockey.

Besuch bei der Jugendabteilung

Bei unserem Besuch haben wir die Mädchen der U12 des AHC begleitet. Der Verein hat nicht nur mehrere Herren- und Damenmannschaften, sondern betreibt auch eine aktive Kinder- und Jugendarbeit, bei der Kinder ab dem Bambinialter an den Sport herangeführt werden. Häufig sind der Grund dafür andere Familienmitglieder, die bereits Hockey spielen.

Acht Mädchen, eine Trainerin und ein Trainer befinden sich gerade auf dem Feld in der Hubert-Wienen-Straße. Man könnte auf den ersten Blick denken, auf einem Fußballfeld zu sein. Mit einem Unterschied: Der Kunstrasen hier ist blau. So kann man den kleinen weißen Ball besser erkennen. Es ist Dezember und recht kalt draußen, zu Trainingsbeginn um 16:45 Uhr ist es schon fast dunkel. Trotzdem bleiben die Scheinwerfer aus. Denn die Gruppe wird sich heute nicht lang auf dem Feld aufhalten, gleich geht es in die Halle. Der Grund: Die Hockeysaison in Deutschland ist in eine Hallen- und eine Feldsaison aufgeteilt. Ein Vorteil gegenüber Fußball, so braucht es keine lange Winterpause, Spiele bei klirrender Kälte oder Absagen wegen schlechter Wetterbedingungen zu geben. Von Oktober bis März finden die Spiele und das Training in der Halle statt. Den Platz nutzen die Teams dennoch zum Aufwärmen und Laufen, denn in der Halle trainiert gerade noch eine Jungenmannschaft.

Zwei junge, engagierte Trainer

Mit acht Mädchen sind etwas weniger Spielerinnen dabei als sonst. Trotzdem haben alle Spaß, es wird viel gelacht, die Atmosphäre ist locker, was nicht zuletzt auch den beiden jungen Trainern geschuldet ist. Lenni (20) und Hannah (18) spielen selbst auch im Verein und leiten ehrenamtlich das Training der U12. Lenni hat nach seinem Schulabschluss im Verein einen Bundesfreiwilligendienst absolviert und ist dementsprechend aktiv im AHC. Er trainiert bereits seit über einem Jahr mehrere Jugendteams des Vereins. Hannah ist seit zwei Monaten dabei. Beide eint die Freude an der Arbeit mit den Kindern. Nach dem Aufwärmen an der frischen Luft geht es für die U12 in die Halle. Die Mädchen ziehen sich ihre Hockeykleidung und Hallenschuhe an. Dazu gehören neben dem Trikot und dem Rock des AHC Schienbeinschoner, ein Hockeyhandschuh, der die führende Hand, und ein Mundschutz, der die Zähne vor unerwünschten Kontakten mit dem Ball oder Schläger schützen soll. Die Torhüterin der Mannschaft trägt eine volle Schutzmontur mit Schutzhelm und Schutz an Beinen und Armen, da sie das Tor verteidigt und die harten Schüsse mit ihrem Körper abfangen muss.

An dieser Stelle wichtig zu erwähnen: Eishockey und Feld-/Hallenhockey sind zwei verschiedene paar Schuhe. Während es beim Eishockey körperlich sehr hart zugeht, ist Feld- und Hallenhockey ein weitgehend körperloser Mannschaftssport, der eine entsprechend geringe Verletzungsgefahr aufweist.

Fertig umgezogen müssen die Mädchen noch einen Moment am Rand der Halle warten, da die Jungen sich gerade in ihrem Abschlussspiel befinden. In der Halle ist viel Betrieb, die Teams geben sich hier während der Woche gegenseitig die Klinke in die Hand, es ist immer etwas los. In der großen Halle können Zuschauer und Gäste in mehreren Reihen am Rand Platz nehmen. Hier warten gerade auch schon einige Eltern auf den Abschluss des Trainings ihrer Kinder. Nach Abschluss des Spiels können dann die Mädchen auf den Platz und mit ihrem Training beginnen.

Anspruchsvolles Taktiktraining

Noch warm vom Laufen an der frischen Luft geht es jetzt an die Hockeyschläger. Auf dem Trainingsplan steht heute nach ein paar lockeren Passübungen und dem Aufwärmen der Torhüterin das Üben von Spielzügen. Lenni erklärt den Mädchen verschiedene Spielzüge, die dann einstudiert werden. Dabei nimmt er Bezug auf die Spielweise von gegnerischen Teams aus den letzten Spielen und erklärt an der Taktiktafel, wie die Spielzüge ablaufen sollen. Der Ball soll von ganz hinten über die Abwehr auf die Flügel und dann in die Mitte gespielt werden, wo mit einem Schuss auf die Torhüterin abgeschlossen werden soll. Anders als auf dem Feld gibt es in der Halle kein Seitenaus, es kann eine Bande genutzt werden, um Pässe zu spielen. Genau zu sehen, wo der Ball an die Bande gespielt werden muss, um einen guten Pass zu bringen, ist ganz schön schwierig. Deshalb steht eine kurze Erklärung von Lenni an. Außerdem wird in der Halle auf einem deutlich kleineren Feld, mit etwas anderen Regeln und mit weniger Spielern gespielt, was natürlich die Spielzüge und Herangehensweise ans Spiel beeinflusst.

Nachdem die Übung zuerst in aller Ruhe ohne Gegenspieler eingeübt wird, wird dann eine richtige Spielsituation simuliert. Dafür laufen Trainer und Trainerin die Abwehrspielerinnen an. Das sorgt für ganz schönen Druck, nach einigen missglückten Versuchen gelingt dann aber der Pass an ihnen vorbei recht zuverlässig. Beeindruckend, wie die Mädchen gekonnt den Ball mit dem Schläger stoppen und durch die Halle schieben. Alle Mädchen sind konzentriert bei der Sache, auch wenn die Übungen nicht unbedingt leichtfallen.

Am meisten Spaß machen aber natürlich nicht die Übungen im Training, sondern das Spielen selbst. Und deshalb steht am Ende des Trainings fast immer noch ein Abschlussspiel an. Eigentlich wird in der Halle sechs gegen sechs gespielt. Weil heute nur acht Mädchen da sind, spielen beide Trainer mit und es gibt ein fünf gegen fünf. Alle haben großen Spaß am Spiel, auch Trainer Lenni und Trainerin Hannah sind mit Freude bei der Sache. Lenni tänzelt ein paarmal an allen Mädchen vorbei, lässt sich von ihnen jagen und schiebt den Ball zur Vorlage auf eine seiner Mitspielerinnen. Bei einem Tor jubeln die Mädchen wie im richtigen Spiel mit einer kleinen Tanzeinlage.

Im Gespräch mit einer engagierten Mutter, die bereits am Rand sitzt und auf ihre Tochter wartet, erfahren wir noch einiges über den Verein. Sie selbst hat auch Hockey gespielt, heute spielt sie aber nicht mehr. „Das ist nicht wie beim Tennis, dass man bis 80 auf dem Platz stehen kann“, scherzt sie. Jetzt spielen ihre Kinder Hockey. Sie ist froh, dass es bei dem Sport nicht so aggressiv zugeht wie beim Fußball. Es gibt ein ganz klares Regelsystem mit klaren Sanktionen. Da wird kein Schiedsrichter angemeckert oder beleidigt. Am Aachener Hockey-Club schätzt sie, dass es ein sehr familiärer Verein ist, bei dem das Engagement und der Zusammenhalt groß sind. Das hören wir an diesem Abend immer wieder von unseren Gesprächspartnern. Alle Trainer und auch die anderen Vereinsmitglieder sind sehr engagiert. An Heimspieltagen herrscht eine tolle Atmosphäre, da sind alle vor Ort aus verschiedenen Altersklassen und es gibt Waffeln und Getränke. Das einzige Manko gegenüber dem Fußball besteht in der geringeren Popularität, die dazu führt, dass der AHC der einzige Hockey-Club in Aachen ist. Das bedeutet für Eltern wie Kinder viel Fahrerei an den Wochenenden. Für Auswärtsspiele geht es häufig nach Leverkusen, Köln oder Düsseldorf. „In der Feldsaison sind fast jedes Wochenende Spiele, die Hallensaison ist etwas anders organisiert. Da wird eher einmal im Monat bei Hallenturnieren gespielt, zu denen dann direkt mehrere Teams kommen und mehr als einmal gespielt wird. Die Eltern im Verein wechseln sich jedoch mit dem Fahren ab, so ist es für alle durchaus tragbar“, sagen Trainerin und Trainer im Gespräch nach dem Training.

Feriencamps für Anfänger

Neben dem normalen Trainings- und Spielbetrieb gibt es vereinsinterne Turniere und Feriencamps für Kinder und Jugendliche. Lenni hat in seinem Bundesfreiwilligendienst im Verein die Durchführung und Planung der Feriencamps begleitet. In den Osterferien findet jährlich in der zweiten Woche ein Camp für 4- bis 15-jährige Hockeyspieler und -spielerinnen statt und in den Sommerferien ein weiteres für Kids bis 14 Jahre. Beim letzten Sommercamp waren 100 Kinder dabei, die mit der Hilfe von 14 Trainern und ehrenamtlich helfenden Eltern eine aufregende Hockeywoche genießen konnten. Am Ende der Feriencamps steht immer noch eine Übernachtung auf dem Gelände des AHC an. Da das Sommercamp sich so großer Beliebtheit erfreut, dass im letzten Jahr sogar 40 Kinder abgewiesen werden mussten, hat der Verein für 2024 ein Sommercamp extra für Anfänger geplant. Kinder, die auf der Suche nach einem Sport sind oder schon Interesse am Hockey haben, aber selbst noch nicht im Verein sind, können sich zu diesem Sommercamp anmelden und den Verein und den Sport in einer bewegten Woche kennenlernen. Der Verein hofft dadurch noch mehr Kinder und Jugendliche für den Sport Hockey begeistern zu können.

„Nicht nur blöd gegen den Ball treten“

Für Marlene, Theresa, Louisa, Pauline und Laura, fünf Spielerinnen der U12, ist klar, dass sie mit Hockey ihren Sport gefunden haben und ihn nicht eintauschen möchten. Sie spielen alle schon länger im Verein, ihnen gefällt, dass Hockey ein mannschaftlicher Sport ist, bei dem alle zusammenhalten, und dass innerhalb ihres Teams eine gute Atmosphäre herrscht. Ein Highlight sind für sie regelmäßigen Trainingsfahrten, bei denen sie alle gemeinsam für ein Wochenende in eine andere Stadt fahren. Hockey bevorzugt Marlene gegenüber Fußball, denn „beim Hockey tritt man nicht nur blöd gegen den Ball“. Trainerin Hannah betont, dass es beim Hockey in ihrem Verein kein so großes Leistungsgefälle gibt, alle Mädchen sind mehr oder weniger auf einem Level und es gibt keine extremen Überflieger, die den anderen möglicherweise den Spaß am Spiel verderben. Lenni ist froh, dass der Verein in den letzten Jahren so aktiv geworden ist. Er beobachtet, dass sich die Mitglieder und Eltern immer mehr engagieren. Es hat sich sogar eine Eltern-Hockeygruppe gebildet. Eltern, deren Kinder im Verein trainieren, die selbst aber keine Hockeyerfahrungen haben, tun sich dort zusammen und spielen regelmäßig.

Wir konnten einen in der Kinder- und Jugendarbeit engagierten Verein und eine interessante Sportart kennenlernen, die etwas für Kinder ist, die Interesse am Mannschaftssport haben, aber gerne etwas anderes als Fußball ausprobieren möchten.

Aachener Hockey-Club 1906 e. V.
Hubert-Wienen-Straße 21-23
52070 Aachen
aachener-hockey-club.de

Feriencamps findet ihr immer auf unserer Seite in der Rubrik „Ferien“
kingkalli.de/events/kategorie/thema/ferien

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