Ausstellung im Centre Charlemagne: „Uns gehört die Stadt! Kids, Kunst und Krawall in Aachen“

in Aktuelles um die Ecke, Ausstellung

Jugendkulturen – sie sind Ausdruck der eigenen Persönlichkeit und des Protests sowie ein Weg, aus dem einengenden Elternhaus auszubrechen. Oftmals ist Musik eine treibende Kraft, die Jugendliche verbindet: so z. B. bei Punkern und im Hip-Hop. Aber auch Street Art gehört dazu: Mit Sprühdosen, Stickern, Malerrollen und Pinseln machen junge Künstler graue Städte bunt und setzen ein Statement. „Es ist wichtig zu sehen, dass es einen Wert hat, was die jungen Leute machen“, so Holger Hermannsen vom Centre Charlemagne. „Oft schauen die Älteren auf die Jugend herab. Erst im Nachhinein stellt sich heraus, dass sie etwas bewirkt hat. Es macht Sinn, dass Jugend rebellisch ist und Dinge in Frage stellt.“

Dieser Sommer steht im Zeichen eines ganz besonderen Projekts rund um Jugendkultur und Street Art, welches das Centre Charlemagne unter Leitung der Kuratoren Myriam Kroll und Robert Kaltenhäuser veranstaltet. Gefördert von der Kulturstiftung des Bundes und in Kooperation mit Aachener Einrichtungen wie der Bleiberger Fabrik und dem Musikbunker findet eine Ausstellung statt, welche die Stadtgeschichte mal aus einer ganz anderen, ungewöhnlichen Perspektive präsentiert. Anhand von Fotos, Filmen, Interviews mit Zeitzeugen, Zeitschriften und Originalobjekten wie Kleidung und Accessoires soll auf multimediale Weise gezeigt werden, wie die Jugend das Leben in Aachen geprägt hat. „Wir arbeiten mit realen Objekten sowie Leihgaben und fügen unfassbar viele Details zu einem großen Ganzen zusammen“, so Myriam Kroll. „Es ist spannend zu sehen, was frühere Punks für Memorialien im Karton im Keller aufbewahren!“ Darunter zum Beispiel Buttonsammlungen oder zerschlissene, selbstgestaltete Jeansjacken mit Patches der damaligen Lieblingsbands. Denn gerade DIY machte einen großen Bestandteil der Bewegung aus. Chronologisch von der Zeit des Nationalsozialismus und den Wandervögeln bis zur Moderne werden Gruppierungen vorgestellt, welche nicht nur die Jugend, sondern auch die Gesellschaft beeinflusst haben. Die bereits um 1896 in Form von Schülerwandergruppen gegründeten Wandervögel lebten auf selbstorganisierten Ausflügen in die Natur ein eigenes freies Lebensgefühl abseits von Stadtleben und Industrialisierung aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden einige der Wandergruppen, die teils in die Hitlerjugend aufgelöst wurden, neu. Auch wenn die frühere Beliebtheit nicht weiter bestehen blieb, so stellten sie doch als erste große Jugendkultur den Beginn der Entwicklung vielfältiger Gruppierungen junger Menschen dar. Neben konkreten Subkulturen werden in der Ausstellung darüber hinaus übergreifende Themen wie die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungs, die Wirkung von Hormonen, der Einfluss des Rechtsextremismus oder die Vermarktung von Subkulturen behandelt.
Zusätzlich zur Ausstellung findet im gesamten Stadtgebiet und der Umgebung ein vielfältiges Begleitprogramm für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene statt. Neben Vorträgen im Centre Charlemagne, Konzerten im Musikbunker und einem geplanten Pop-up-Store in der Innenstadt, wo Werke beteiligter Künstler erworben werden können, sind rund 40 Workshops in den verschiedensten Bereichen geplant: darunter z. B. Brushlettering, Graffiti, Skateboarding, Modedesign, Breakdance und Upcycling (siehe auch Kalender Seite 52). Die Aktionen werden von einem Mitarbeiter des Museumsdienstes Aachen sowie bekannten Aachener Street-Art-Künstlern begleitet. Außerdem werden diverse Wände der Stadt und von Privatpersonen von beteiligten Künstlern in den unterschiedlichen Street-Art-Stilen gestaltet. „Wir hoffen, dass es wild, bunt und laut wird“, freut sich das Team auf das ambitionierte Projekt.

Die Ausstellung wird vom 9. Juni bis zum 30. September im Centre Charlemagne zu sehen sein. Für Besucher unter 22 Jahren ist der Eintritt frei.
Ab dem 1. Juni gelten neue Öffnungszeiten für das Centre Charlemagne:
Di-So, 10:00-18:00 Uhr, Do, 10:00-20:00 Uhr
Mo geschlossen
centre-charlemagne.eu



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