Unodoz der kleine Drache in der Stadtpuppenbühne „Öcher Schängche“

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Wirklich kindgerecht? Oder eher Spaß für die älteren Semester? Unsere Nachwuchsredakteurin Vanessa Chodak war bei der Premiere vor Ort. Wir haben ihr Fragen zum Stück gestellt und bieten damit eine Entscheidungshilfe für wen sich der Besuch des Stückes lohnt und für wen eher nicht.

Worum geht es in dem Stück?

Unodoz der kleine Drache ist ein Puppenspiel in drei Aufzügen von Karin Fiseni und wurde von Paul Drießen für die Puppenbühne bearbeitet. Es geht um den kleinen Drachen Unodoz, der im schottischen Hochland geboren wurde. Nach anfänglicher Freude sind seine Eltern jedoch schnell entsetzt, denn Unodoz hat blaue statt rote Augen, die für Drachen normalerweise üblich wären. Schnell stellt sich heraus, dass er auch nicht Feuer speien kann und die Dracheneltern fürchten eine Blamage vor den anderen Verwandten. Das macht Unodoz sehr traurig und er fliegt fort, wobei er auf seinem Weg Schängche trifft, der ihn mit nach Aachen nimmt.
Der kleine Drache darf bei der Tante Hazzor wohnen, die entzückt ist von seinen blauen Augen. Während seines Aufenthalts rettet er schließlich Jretche, die in den Hangeweiher gefallen ist, was ihm Ruhm und Ehrungen durch den Bürgermeister einbringt. Ein überraschendes Wiedersehen am Ende des Stückes fehlt natürlich auch nicht.

Wie haben dir die Darstellung und die Puppen gefallen?

Ich fand das Kinderstück an sich sehr schön, aber manche Aspekte müssten aus meiner Sicht verbessert werden, damit die traditionellen Puppen auch richtig zur Geltung kommen können. Die Hauptdarsteller des Stückes wurden auf der schon seit 1921 bestehenden Puppenbühne vor einem malerisch gestalteten Hintergrund lebendig dargestellt, mitunter aber schwer zu sehen, wenn man in dem großen Raum zu weit hinten sitzt. Einer meiner Hauptkritikpunkte ist tatsächlich die Raumauswahl, denn hätte man nur die Hälfte des Raumes genommen, würde das Publikum die Puppen wesentlich besser sehen. Besonders für jüngere Kinder wäre es hilfreicher gewesen, um sich auf die Vorstellung zu konzentrieren. Man sieht den verschiedenen Puppen ihre liebevoll gestalteten Details an und diverse Kinderlieder machen das Stück lebendiger und für Kinder ansprechend, die mitklatschen und mitsingen können. Aus meiner Sicht hält dabei Unodoz das gesamte Stück zusammen, da mit den Hochdeutschen Elementen ein Verständnisrahmen für den Zuschauer geboten wird, auch wenn man vielleicht bei den anderen Puppen nicht alles verstehen kann. Das Schängche sorgt mit seiner witzigen Art für diverse Lacher im Publikum und allgemein für Erheiterung. Nicht viele Effekte sind vorhanden aber als die Drachen Feuer speien, erscheint dieses in einem aufleuchtenden Feuer auf der Bühne. Insgesamt hat die Darstellung einen sehr traditionellen Charme mit aufwendiger Bühnengestaltung, leider geht das aber schnell in dem zu großen Raum unter.

Wie ist das Stück beim Publikum angekommen?

Da dieses Puppenspiel sprachlich sehr speziell ist, gab es auch gemischte Reaktionen auf das gesamte Stück. Insgesamt gab es eine ausgeglichene Altersverteilung im Publikum, sowohl Großeltern mit ihren Enkelkindern weiter vorne, als auch Familien. Während sich das ältere Publikum öfters lachend amüsierte, wenn mal ein Witz in Oecher Platt mit einfloss, merkte man dem jüngeren Publikum leider eine sich über das Stück entwickelnde Unruhe an, die immer weiter zunahm. Die legte sich meistens ein bisschen, wenn mal Unodoz auf Hochdeutsch redete oder ein Lied sang. Doch sobald eine längere Sequenz zwischen den Aachener Puppen in regionaler Mundart begann, wurde es schnell unruhig und einige Kinder turnten dann schonmal auf den Stühlen herum.
Gut angekommen ist sicher die gratis Runde Printen für alle in der ersten Pause und mit insgesamt 3 kleinen Pausen in einem Stück von ein bisschen über einer Stunde gab es genügend Raum für die Kinder, um sich wieder auf das Stück konzentrieren zu können. Ich würde nur auch im Hinblick auf die Reaktion des Publikums erneut die Raumgröße bemängeln, da es für kleinere Kinder sicher schwieriger wird die Bühne und Puppen von der hinteren Hälfte des Raumes zu erkennen, was man ihnen auch teilweise anmerkte.
Allgemein ist die Reaktion des Publikums stark abhängig von der eigenen Kenntnis der regionalen Sprache. Je weniger man damit zurechtkommt, desto schwerer war es natürlich für das Publikum der Geschichte zu folgen.

War der Stoff verständlich? Für wen ist es geeignet?

Mein Öcher Platt begrenzt sich auf kaum vorhandene Kenntnisse, dementsprechend war es mitunter schwierig für mich, die einzelnen Figuren auf der Puppenbühne zu verstehen. Manchmal hätte man sich Untertitel, wie sie in Filmen üblich sind, gewünscht, um der Handlung besser folgen zu können, da man sich ohne Grundkenntnisse doch sehr konzentrieren musste. Denn außer der Drachenfamilie und teilweisen Sequenzen am Ende sprechen die Puppen in der Vorstellung fast ausschließlich Mundart, was zu allgemeinen Verwirrungen führen kann.
Mitunter kann man sich aber in den kleinen Drachen Unodoz hineinversetzen, der von sich aus auch im Stück selber ab und zu anmerkt, dass er die Leute nicht richtig versteht. Die Vorstellung ist für Personen, die mit der regionalen Mundart aufgewachsen sind, sicherlich sehr unterhaltsam und ein traditioneller Leckerbissen. Größtenteils ist eine sprachkundige Begleitung für die Kinder doch ratsam, um tatsächlich nicht den Überblick zu verlieren. Wenn Oma und Opa über Witze in Oecher Platt lachen und dabei den Jüngeren diese Tradition und das alte geschätzte Handwerk näherbringen können, ist es sicherlich einen Besuch wert.

Infos: https://www.oecher-schaengche.de/

 



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