Tiziano: Street Art ist sein Leben

Mit zwei Sprühdosen in Schwarz und Weiß hat alles angefangen – mittlerweile ist aus Tizianos Zimmer ein kleines Atelier geworden. Seine Sammlung beträgt um die 100 Dosen, die er nach Anwendungszweck und Marke sortiert hat. Außerdem findet man überall bunte Skizzen und Zeichnungen, einen von Tiziano farbig gestalteten Modellzug sowie Leinwände. Denn der 15-Jährige liebt Street Art. „Wenn ich Ärger habe, nehme ich einfach eine Dose in die Hand. Graffiti ist für mich wie ein Ventil, mit dem ich Stress abbauen kann“, erklärt er. „In der Kunst weiß man nicht, wer ich bin.“ Sein Künstlername TUES ist aber in der Szene nicht mehr unbekannt.

Seit mehreren Jahren lebt Tiziano im Vinzenz-Heim – seit September in der „gelben Gruppe“, einer Wohngruppe mit fünf anderen Jugendlichen. Mit der Streetart hat er erst vor einem Jahr begonnen, nachdem er auf YouTube zufällig ein Video des Graffitikünstlers Ghost gesehen und sich gedacht hat: „Das kann ich auch.“ Doch sein Hobby hat ihm zunächst auch ein paar Konflikte eingebracht. Da es in der Region keine ausgewiesenen legalen Flächen für Streetart gibt, haben das Vinzenz-Heim und Tiziano zusammen nach einer Möglichkeit gesucht, wie er sein künstlerisches Talent trotzdem ausleben kann. Am Anfang hat er noch oft Pressspanplatten genutzt, die er zu Übungszwecken immer wieder übermalt hat. Mittlerweile verwendet er meistens Folie, die er um ein Geländer wickelt. So kann sich Tiziano auch über große Flächen in seiner Kunst ausprobieren, ohne dass ein Gebäude beschädigt wird. Zusätzlich führt er ein Skizzenbuch, das er fortlaufend mit neuen Styles und Ideen füllt – zuerst wird mit Bleistift skizziert, dann folgen schwarze Outlines und zum Schluss wird mit Markern koloriert. In der Zukunft möchte Tiziano vielleicht auch in der Kunst arbeiten. Für sein nächstes Projekt steht erstmal ein Graffiti für das Heinrich-Sommer-Haus an. In erster Linie ist Streetart aber ein Hobby für ihn, das ihn erfüllt und ständig begleitet. „Ich habe immer gute Laune, wenn ich im Zug sitze und an Bildern vorbeikomme“, so Tiziano. „Andere Leute achten da nur auf die Haltestellen.“

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