Es gibt wieder ein Familienstück – und ganz viele Konzertformate, auch schon für die ganz Kleinen. Wir stellen die Saison 2021/22 vor.
Die Brüder Löwenherz – Neues aus dem Kirschtal
Katla. So heißt der Drache, das große Ungeheuer, dem Jonathan und Krümel am Ende des Kampfes gegenüberstehen. Wenn „Die Brüder Löwenherz“ ein Computergame wäre, wäre Katla jetzt der Bossgegner. Nahezu unbezwingbar. Stopp mal, hieß so nicht auch der feuerspeiende Drache in „Der Hobbit“? Nein, der hieß Smaug. Ich meine Kankra, die Riesenspinne, die Frodo schnappte und ihn sich zum handlichen Snack für danach zurechtwickelte … egal!
Als Astrid Lindgren 1937 mit Katla ihre Version eines grausamen Drachen veröffentlichte, war nicht etwa die Tatsache, dass eine giftspeiende Bestie reihenweise dem mitfiebernden Leser ans Herz gewachsene, Lieblingsfiguren dahinmeuchelte, der große Aufreger. Vielmehr schlugen die Wellen der Empörung darüber hoch, dass die Autorin zwei Kindern, den Brüdern Karl und Jonathan Löwe, einen literarischen Frühtod im tristen Stockholm zudachte. Dabei war dieser – Triumph der Fantasie! – noch nicht mal von Dauer, denn die beiden Jungs siedeln nach ihrem Ableben lediglich ins wesentlich malerischere Kirschtal im Zungenbrecherland Nangijala über – wo Lindgren erst mal alle landen lässt, die in ihrer Erzählung dichterisch das Zeitliche segnen. Dass viele Erwachsene, die damals wie heute ob der möglichen Gefahren fürs kindliche Gemüt sorgenvoll ihr Haupt wiegen, keine Probleme damit zu haben scheinen, ihre Kleinen mit Geschichten über brennende Hexen und vergiftete Äpfel in den Schlaf zu schicken … nun ja. Lindgren wurde vorgeworfen, sie verharmlose den Tod. Das tut sie keineswegs, eigentlich feiert sie vor allem das Leben! Aber Jonathan und Krümel akzeptieren die Gefahren, in die sie sich begeben, da ihnen die Notwendigkeit, gegen grausame Despotie und für Freiheit und Mitmenschlichkeit zu kämpfen, dringender erscheint als die Alternative, sich früher oder später unterjochen zu lassen. Und es ist nicht so, dass sie sich völlig furchtlos in den Kampf stürzen, ganz im Gegenteil: Angst haben sie beide, oft, auch gestehen sie sich diese einander ein – was ihnen ermöglicht, sich am Ende gemeinsam dem Unausweichlichen zu stellen. Da gibt es unglücklichere Wege für den letzten Gang.
Tina Schorcht, Julian Koechlin. Foto: Marie-Luise MantheiDoch zuvorderst sind „Die Brüder Löwenherz“ bester Abenteuerstoff: Zwei sich unverbrüchlich liebende Brüder kommen im diesseitigen Stockholm viel zu früh ums Leben; der 13-jährige Jonathan und kurze Zeit später der neunjährige Karl, genannt Krümel. Doch sie sehen sich wieder, in der wunderschönen Welt Nangijala, im Kirschtal. Da, wo die Wiesen noch grün, die Bäche noch klar und deren Fische noch zahlreich sind. Und als Bonus wartet auf jeden der beiden Jungen ein eigenes Pferd; auch Freunde sind schnell gefunden. Und dennoch wird bald klar, dass auch Nangijala keine Wohlfühl-Oase ist: Der brutale Tyrann Tengil hat mit Hilfe des Drachen Katla (s. o.) das benachbarte Heckenrosental (im Übrigen auch sehr schön!) okkupiert und droht nun, seine Herrschaft über alles und jeden auszudehnen. Es bleibt nur die Wahl, klein beizugeben oder sich zu wehren. Und Krümel und Jonathan werden nicht umsonst die „Brüder Löwenherz“ genannt!
Große Stoffe verlangen nach einer großen Bühne. Denn wie sonst soll Lindgrens überbordender Fantasie Rechnung getragen werden – immerhin müssen ein Krankenzimmer, zwei Ortschaften in zwei Tälern, Wirtshaus und Reiterhof, Stadttor und Marktplatz, Drachenhöhle und Wasserfall und noch viel mehr dort Platz haben. Und allein Katla ist ja schon so groß wie … na ja, ein Drache halt, der passt in keine Kammer! Außerdem hätten wohl die Tauben was dagegen, die sind eh schon nervös wegen der ganzen hungrigen Wölfe, die dort herumlungern und immer mal wieder gierige Seitenblicke auf die Pferde werfen. Dieses Stück ist ein einziger Zoo! Einmal musste ein Tierarzt vorbeikommen, weil Katla unter Schuppenflechte litt. Zum Dank hat sie ihn dann aufgefressen, was wir natürlich vertuschen mussten, weil es vor ein paar Jahren schon einmal Ärger wegen einer verschwundenen Veterinärin gab, als wir das „Dschungelbuch“ spielten und Kaa auf einmal nicht mehr in ihre Haut passte, und ich hatte damals schon den Verdacht, dass … aber ich schweife ab.
Auf jeden Fall wird da noch einiges auf uns zukommen, wenn wir erst mal angefangen haben, ich halte Sie auf dem Laufenden. Oh, da höre ich das Trompeten des Katla-Horns, gleich ist die Fütterung, da muss ich hin. Ich hab gehört, heute kriegt sie einen Dramaturgen, an dem ist endlich auch mal was dran!
Olaf Heros, Stadtschreiber vom Kirschtal
Fotos: Marie-Luise Manthei
Die Brüder Löwenherz
nach Astrid Lindgren
Familienstück ab 8 Jahren
Di 16.11.2021, 19:00 Uhr, Bühne, Kostprobe
Sa 20.11.2021, 18:00 Uhr, Premiere
Fr 26.11.2021, 18:00 Uhr
Sa 04.12.2021, 18:00 Uhr
So 12.12.2021, 18:00 Uhr
Sa 18.12.2021, 18:00 Uhr
Di 21.12.2021, 18:00 Uhr
So 26.12.2021, 18:00 Uhr
Do 30.12.2021 ,18:00 Uhr
So 09.01.2022, 18:00 Uhr
Mi 19.01.2022, 18:00 Uhr
Fr 21.01.2022, 18:00 Uhr
Di 25.01.2022, 18:00 Uhr
So 30.01.2022, 18:00 Uhr
Sa 05.02.2022, 18:00 Uhr
Familienkonzerte
für Kinder im Grundschulalter
ca. 65 Minuten
Trolle und Kobolde
So 28.11.2021, 11:00 Uhr, Bühne
Nils Holgerssons wunderbare Reise
So 23.01.2022, 11:00 Uhr, Bühne
Barock rockt!
So 10.04.2022, 11:00 Uhr, Bühne
Karlchen Klein Konzerte
für 3- bis 7-Jährige
Der Hase Karlchen Klein unternimmt mit seinen Nachbarinnen Olga und Lisa spannende Ausflüge. Mit dabei: Musik von den Musikern aus dem Sinfonieorchester Aachen
Baguette, Croissant et Macaron
Sa 23.10.2021, 11:00 + 13:00 Uhr, Kammer
O sole mio
Sa 04.12.2021, 11:00 + 13:00 Uhr, Kammer
Servus, Grüezi und Hallo
Do 26.05.2022, 11:00 + 13:00 Uhr, Mörgens
I’ve got rhythm
So 26.06.2022, 11:00 + 13:00 Uhr, Mörgens
Sa 02.07.2022, 11:00 + 13:00 Uhr, Mörgens
Krabbelkonzerte
für 0- bis 3-Jährige
Spiegelfoyer
Krabbeln – bei klassischer Musik. Eltern oder Betreuende kommen mit Kleinkindern in das Spiegelfoyer des Theater Aachen und lassen sich auf eine Reise durch die Welt der Musik ein. Es darf natürlich gekrabbelt, gequiekt und mitgelacht werden. Musikerinnen und Musiker und Sängerinnen und Sänger des Theaters laden im Reich der Farben ein, mitzusingen, zu lauschen, zu tanzen, zu wiegen oder einfach nur zu genießen! Große Musik für kleine Ohren!
Das Wandern ist des Müllers Lust
Mo 08.11.2021, 9:30 + 10:45 Uhr
Sa 13.11.2021, 10:00 + 11:15 Uhr
Ich flieg in meinem Flugzeug
Mo 24.01.2022, 9:30 + 10:45 Uhr
Di 25.01.2022, 9:30 + 10:45 Uhr
Im Frühtau zu Berge
Mo 02.05.2022, 9:30 + 10:45 Uhr
Sa 28.05.2021, 10:00 + 11:15 Uhr
Eine Seefahrt, die ist lustig
Di 28.06.2022, 9:30 + 10:45 Uhr
Theater Aachen
Theaterplatz, 52062 Aachen
Theaterkasse: 0241 4784-244
theaterkasse@mail.aachen.de
theateraachen.de
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