Sechs Fragen an die Kandidaten und die Kandidatin zur Oberbürgermeisterwahl in Aachen

in Aktuelles um die Ecke

Am 13. September stehen in Aachen die Wahlen an. Unter anderem können sich die Bürger/innen für einen neuen Bürgermeister oder auch eine Bürgermeisterin entscheiden.
 Wir haben den Kandidaten/der Kandidatin jeweils sechs Fragen gestellt, die Familien interessieren dürften. Keine Rückmeldung erhalten haben wir von Adonis Böving (parteilos) und Markus Mohr (AfD).

Wilhelm Helg (FDP):

1. Thema bezahlbarer Wohnraum: Welche Maßnahmen halten Sie für sinnvoll, um bezahlbaren Wohnraum, der in Aachen immer noch rar ist, für alle zu schaffen?
Aachen ist eine kontinuierlich wachsende Stadt mit großem Bedarf an neuem Wohnraum. Immer mehr Studierende und Personen mit geringem Einkommen konkurrieren um die knappen preiswerten Wohnungen. Die hohe Nachfrage lässt die Mieten steigen, insbesondere im unteren Preissegment. Dies kann sich langfristig nur ändern, wenn das Angebot bedarfsgerecht erhöht wird. Wir benötigen daher eine deutliche Erhöhung der Ausweisung neuer Baugebiete in ausreichender Zahl, denn der Kern des Problems ist der erhebliche Mangel an Baugrundstücken. Durch die von den anderen Parteien bevorzugte Lösung, bei privaten Bauvorhaben einen immer größeren Anteil von Sozialwohnungen vorzuschreiben – aktuell 40 Prozent –, werden viele Bauvorhaben verhindert oder erschwert. Außerdem müssen die Verfahren bis zur Erteilung einer Baugenehmigung beschleunigt und Bürokratie muss abgebaut werden, statt den Bauherren Hindernisse in den Weg zu legen.

2. Thema Kinderbetreuung, Vereinbarkeit Familie und Beruf: Wie kann die Versorgungsquote bei den Kitaplätzen noch weiter erhöht werden, damit Mütter und Väter erwerbstätig sein können?
Die FDP fordert ein plurales Angebot von Kindertageseinrichtungen aller Träger mit Anpassung der Öffnungszeiten an die Bedürfnisse berufstätiger Eltern, sodass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleistet wird, eine Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtungen, Grundschulen, weiterführenden Schulen und freien Trägern der Jugendhilfe, damit die Übergänge bei größtmöglicher Beachtung des Elternwillens optimiert werden, die freie Wahl der Kindertagesstätte und der Grundschule, sodass Kinder in der Nähe der Wohnung oder des Arbeitsplatzes der Eltern die Einrichtungen besuchen können, eine niedrige Klassenfrequenz vor allem in sozialen Brennpunkten, damit Integration und Inklusion gelingen können, und den Ausbau von Familienzentren sowie eine gezielte Sprachförderung auf allen Ebenen.

3. Thema Mobilität: Welche Verkehrskonzepte wollen Sie für Aachen umsetzen, die sicherstellen, dass umweltschonende Alternativen zum Auto – also Rad-, Fuß- und Nahverkehr – gestärkt werden?
Wir Freien Demokraten wollen, dass die Innenstadt überall auch weiterhin mit dem Auto erreicht werden kann. Im Wege der Verkehrswende muss auf emissionsfreie und zumindest emissionsarme Antriebssysteme gesetzt werden, vor allem bei der Busflotte der ASEAG. In den nächsten vier Jahren werden in Aachen bereits über 40,5 Millionen Euro in verschiedene Klimaschutzmaßnahmen investiert, insbesondere die Errichtung von Ladeinfrastruktur, den Ausbau des Rad- und Fußwegenetzes, Baumaßnahmen der Radwege, Baumpflanzungen im gesamten Stadtgebiet, den emissionsfreien Innenstadtverkehr und einen elektrobetriebenen Marktliner auf Antrag der FDP, das Modellprogramm Fassaden- und Dachbegrünung sowie die umfassenden energetischen Hüllsanierungen der Schulen. Eine vollkommene Abkehr vom Individualverkehr würde den Einzelhandel, der sowieso bereits durch ein geändertes Konsumverhalten der Kundschaft betroffen ist, noch stärker belasten und zu weiteren Geschäftsschließungen führen

4. Thema Stadtentwicklung: Welche Ideen haben Sie zum Thema Stadtentwicklung/welche Aspekte sind Ihnen bei der Stadtentwicklung wichtig? Was schwebt Ihnen konkret bei der Innenstadt vor?
Eine Kombination aus historischem Flair der Altstadt, Einkaufsmöglichkeiten und Wohnqualität muss über eine gezielte Stadtentwicklung und Planung gefördert werden. Die Gestaltung des Altstadtquartiers Büchel mit einem Mix aus Einzelhandel, Gastronomie, Wohnraum und Freiflächen mit Aufenthaltsqualität hat erste Priorität für die FDP. Neben der Auslagerung der Bordellbetriebe wünschen wir uns auf dem Gelände des abzureißenden Parkhauses einen Foodcourt, ein Printenmuseum und Lernräume für die Studierenden. Langfristig soll das Bushofareal mit einem Abriss der Warteflächen vollkommen neu gestaltet werden.

5. Thema Bildung: Wie stehen Sie zum Thema Digitalisierung und Schule?
Die Digitalisierung der Schulen ist uns Freien Demokraten ein ganz besonders wichtiges Anliegen. Es reicht nicht aus, wenn Schulen ans Internet angeschlossen und Geräte bereitgestellt werden. Die Erfahrungen aus dem Lockdown in der Corona-Pandemie haben aufgezeigt, dass wir einen Digitalpakt für die Schulen benötigen. Die FDP will, dass der Bund nicht nur in die Technik investiert, sondern auch in bestes aus- und fortgebildetes Schulpersonal, in Lernsoftware und in IT-Administratoren. Die Stadt Aachen hat bereits 2.000 iPads bestellt, die schnellstmöglich an Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Familien verteilt werden sollen.

6. Welche Themen liegen Ihnen persönlich am meisten am Herzen für Aachen? Was ist Ihre Zukunftsvision für Aachen?
Als Finanzpolitiker liegt mir die Sicherung der finanziellen Handlungsspielräume der Stadt besonders am Herzen, denn nur mit einem ausgeglichenen oder zumindest genehmigungsfähigen Haushalt können wir in Aachen weiterhin in eigener Verantwortung die Geschicke der Stadt und das Alltagsleben der Bürgerschaft gestalten. Darüber hinaus stehe ich für die Ausweisung ausreichender neuer Gewerbeflächen, beschleunigte Baugenehmigungsverfahren für neuen Wohnungsbau, eine schnelle Überwindung des Umsetzungsdefizits in der Stadtentwicklung, die Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer, einen effektiven Klimaschutz, ohne die Wirtschaft zu stark zu belasten, die Überwindung des eklatanten Lehrermangels und die Intensivierung der Zusammenarbeit von Ordnungsamt und Polizei.


Leo Deumens (Die Linke):

1. Thema bezahlbarer Wohnraum: Welche Maßnahmen halten Sie für sinnvoll, um bezahlbaren Wohnraum, der in Aachen immer noch rar ist, für alle zu schaffen?
Die Stadt muss wieder selbst bauen, um den Anteil an kommunalen Wohnungen mit bezahlbaren Mieten zu erhöhen. Die im letzten Jahr vom Rat verabschiedete Leerstandssatzung, die unsere Fraktion schon seit Jahren gefordert hat, muss nun konsequent angewandt werden, um Immobilienbesitzer, die vorhandene Wohnungen aus Spekulationsgründen nicht vermieten, wieder stärker in die Pflicht zu nehmen.

2. Thema Kinderbetreuung, Vereinbarkeit Familie und Beruf: Wie kann die Versorgungsquote bei den Kitaplätzen noch weiter erhöht werden, damit Mütter und Väter erwerbstätig sein können?
Hier braucht es mehr Fördermittel von Bund und Land, damit die Stadt Aachen den Anteil städtischer Kitas erhöhen kann. Darüber hinaus müssen die täglichen Betreuungszeiten ausgedehnt werden, damit Eltern besser berufstätig sein können. Natürlich müssen dann auch mehr Erzieher*innen eingestellt werden.

Welche weiteren Angebote schweben Ihnen für Kinder und Jugendliche vor?
Gerade für Kinder und Jugendliche aus ökonomisch benachteiligten Familien fordert DIE LINKE Lehrmittelfreiheit und kostenlose Mittagessen in allen Schulen bis zum Abitur. Zusätzlich muss die Stadt Aachen den jungen Menschen mehr kostenfreie nichtkommerzielle Angebote machen.

3. Thema Mobilität: Welche Verkehrskonzepte wollen Sie für Aachen umsetzen, die sicherstellen, dass umweltschonende Alternativen zum Auto – also Rad-, Fuß- und Nahverkehr – gestärkt werden?
Neben dem zügigen Ausbau sicherer Radwege und einer höheren Aufenthaltsqualität für Fußgänger*innen bedarf es eines attraktiveren und preiswerteren öffentlichen Nahverkehrs, damit sich auch Menschen mit wenig Geld Busse und Bahnen überhaupt leisten können.

Welche Maßnahmen für den Klimaschutz wollen Sie außerdem umsetzen?
Die umfangreichere Begrünung von Dächern und Fassaden sorgt für eine bessere Luft in Aachen. Angesichts des Klimawandels sollte die Stadt einen Aktionsplan für Hitzewellen erstellen. Schließlich ist es mein Ziel, die Versorgung aller öffentlichen Kantinen, Schulen und Kitas auf ökologische und regional erzeugte Nahrungsmittel umzustellen.

Wie lässt sich die Förderung des Einzelhandels in Aachen mit der Abkehr vom Individualverkehr vereinbaren?
Durch Verbesserungen beim Park-and-Ride-System und beim öffentlichen Nahverkehr werden die Menschen auch besser in die Innenstadt gelangen. Und von einer höheren Aufenthaltsqualität in der City durch den Wegfall des Individualverkehrs profitiert dann auch der Einzelhandel.

4. Thema Stadtentwicklung: Welche Ideen haben Sie zum Thema Stadtentwicklung/welche Aspekte sind Ihnen bei der Stadtentwicklung wichtig?
Ich stelle mir immer die Frage: Wem gehört die Stadt eigentlich? Gehört sie den Investoren mit ihren Profitinteressen oder den Menschen, die hier leben? Meines Erachtens gehört sie den Menschen, und darum muss sich Stadtentwicklung immer an ihren Bedürfnissen orientieren.

Was schwebt Ihnen konkret bei der Innenstadt vor?
Die Umgestaltung des Altstadtquartiers Büchel stellt eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre dar. Vorstellbar ist für mich an dieser Stelle eine Mischung aus bezahlbarem Wohnraum, kleinteiligem Handel und viel Grün.

5. Thema Bildung: Wie stehen Sie zum Thema Digitalisierung und Schule?
Die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig eine Verbesserung der Digitalisierung in Schulen ist. Gerade Kinder und Jugendliche aus ökonomisch benachteiligten Familien waren durch nicht vorhandene Endgeräte besonders betroffen und in ihren Bildungsmöglichkeiten eingeschränkt. Darum muss der Staat dafür sorgen, dass auch diese Schüler*innen mit entsprechenden Endgeräten versorgt werden.

6. Welche Themen liegen Ihnen persönlich am meisten am Herzen für Aachen? Was ist Ihre Zukunftsvision für Aachen?
Neben der Schaffung bezahlbaren Wohnraums liegt mir die Armutsbekämpfung besonders am Herzen. Und so wünsche ich mir für die Zukunft eine Stadt ohne Armut und eine Innenstadt mit möglichst wenig Autos und viel Grün, damit wir alle eine bessere Luft atmen können.


Matthias Achilles, Piratenpartei

1. Thema bezahlbarer Wohnraum: Welche Maßnahmen halten Sie für sinnvoll, um bezahlbaren Wohnraum, der in Aachen immer noch rar ist, für alle zu schaffen?
Damit du nicht mit millionenschweren Finanzinvestoren um eine Wohnung konkurrieren musst, benötigen wir mehr Wohnungen, die dem Spekulationsmarkt entzogen sind. Hier sind gewoge, Stadt und gemeinwohlorientierte Initiativen gefragt.

2. Thema Kinderbetreuung, Vereinbarkeit Familie und Beruf: Wie kann die Versorgungsquote bei den Kitaplätzen noch weiter erhöht werden, damit Mütter und Väter erwerbstätig sein können?
Um Kinderbetreuung umfassend zu sichern, brauchen wir sicher mehr Kitaplätze, aber auch weitere Angebote wie Kindertagespflegepersonen müssen in Aachen ordentlich geregelt werden, damit es auch in Randzeiten und bei speziellem Bedarf ein Angebot für dich und deine Kinder gibt. Kinder und Jugendliche müssen in ihrem Viertel Angebote habe und diese auch selbst gestalten können. Deswegen fordere ich einen Kinder- und Jugendrat mit eigenem Budget.

3. Thema Mobilität: Welche Verkehrskonzepte wollen Sie für Aachen umsetzen, die sicherstellen, dass umweltschonende Alternativen zum Auto – also Rad-, Fuß- und Nahverkehr – gestärkt werden? Welche Maßnahmen für den Klimaschutz wollen Sie außerdem umsetzen? Wie lässt sich die Förderung des Einzelhandels in Aachen mit der Abkehr vom Individualverkehr vereinbaren?
Ich will 100 % mehr ÖPNV und sichere Radinfrastruktur, damit du eine echte Alternative zum PKW hast, weil der nächste Bus sofort kommt und du auch deine Kinder sorgenfrei aufs Rad setzen kannst. Für den Klimaschutz brauchen wir außerdem mehr Windräder um Aachen und Solarzellen auf den Dächern. Ich denke, dass der Einzelhandel davon profitiert, wenn die Kund*innen entspannt auch ohne Auto ankommen und die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt ohne das ganze Blech steigt.

4. Thema Stadtentwicklung: Welche Ideen haben Sie zum Thema Stadtentwicklung/welche Aspekte sind Ihnen bei der Stadtentwicklung wichtig? Was schwebt Ihnen konkret bei der Innenstadt vor?
Unsere Stadt muss grüner werden, damit wir es hier auch in heißen Sommern aushalten. Ich will die Innenstadt als urbanes Zentrum mit der dichten Bebauung einer Großstadt stärken. Dafür müssen vor allem die Bereiche Büchel und Bushof umgebaut werden. Zusätzlich brauchen wir an allen belebten öffentlichen Orten Trinkwasserspender, öffentliche WC und im Sommer Brunnen und Bäche.

5. Thema Bildung: Wie stehen Sie zum Thema Digitalisierung und Schule?
Die Schule der Zukunft wird digital. Das heißt, dass Unterricht und Lernen mindestens zu einem Teil online stattfinden werden. Ich will dafür sorgen, dass alle Kinder unabhängig vom Einkommen der Eltern daran teilhaben können. Außerdem muss ein Fokus auf offene Software und Datenschutz gelegt werden. Wir müssen die regio iT der Konkurrenz aussetzen, um eine optimale IT-Versorgung in den Schulen sicherzustellen.

6. Welche Themen liegen Ihnen persönlich am meisten am Herzen für Aachen? Was ist Ihre Zukunftsvision für Aachen?
Ich trete für eine offene, digitale und klimagerechte Stadt an. Mein Fokus liegt ganz klar auf dem Klimaschutz. Aus meiner Sicht brauchen wir einen Generationenwechsel im Rathaus, um endlich auch junge Menschen in der Kommunalpolitik zu vertreten und die Belange zukünftiger Generationen nicht länger zu ignorieren.



Hubert vom Venn, die PARTEI

1. Thema bezahlbarer Wohnraum: Welche Maßnahmen halten Sie für sinnvoll, um bezahlbaren Wohnraum, der in Aachen immer noch rar ist, für alle zu schaffen?
Anteil von Sozialwohnungen bei Baugenehmigungen zur Bedingung machen.

2. Thema Kinderbetreuung, Vereinbarkeit Familie und Beruf: Wie kann die Versorgungsquote bei den Kitaplätze noch weiter erhöht werden, damit Mütter und Väter erwerbstätig sein können? Welche weiteren Angebote schweben Ihnen für Kinder und Jugendliche vor?
Die Sozialberufe (also auch Betreuungskräfte in den Kitas) müssen endlich vernünftig bezahlt werden. Wir haben den Notstand ja zuletzt bei Krankenschwestern und Hebammen gesehen.
 
3. Thema Mobilität: Welche Verkehrskonzepte wollen Sie für Aachen umsetzen, die sicherstellen, dass umweltschonende Alternativen zum Auto – also Rad-, Fuß- und Nahverkehr – gestärkt werden? Welche Maßnahmen für den Klimaschutz wollen Sie außerdem umsetzen? Wie lässt sich die Förderung des Einzelhandels in Aachen mit der Abkehr vom Individualverkehr vereinbaren?
Pendlerparkplätze am Stadtrand, von dort schnellere Busverbindungen, Radwege sicherer machen, Stadtzentren (siehe London, wenigsten war dort der Wille da) immer mehr zu autofreien Zonen erklären, dafür Radstraßen. Einzelhandel am Stadtrand ansiedeln oder an günstigen Busverbindungsplätzen.
 
4. Thema Stadtentwicklung: Welche Ideen haben Sie zum Thema Stadtentwicklung/welche Aspekte sind Ihnen bei der Stadtentwicklung wichtig? Was schwebt Ihnen konkret bei der Innenstadt vor?
An erster Stelle neue Ideen für den Nahverkehr – eine Seilbahn ist machbar, wenn die schon in Bogota von einem Aachener entwickelt wurde. Wohnraum, Wohnraum, Wohnraum. Innenstadt mittelfristig nur Fußgängerzone mit ansprechendem Einzelhandel, aber kein Museumsdorf mit Andenkenläden.
 
5. Thema Bildung: Wie stehen Sie zum Thema Digitalisierung und Schule?
Habe ich schon vor Jahren in Finnland erlebt. Das ist einfach die Zukunft.
 
6. Welches Thema/welche Themen liegt/liegen Ihnen persönlich am meisten am Herzen für Aachen?
Was ist Ihre Zukunftsvision für Aachen?
Bluecard der Studenten soll nicht nur in der Mensa gültig sein und – natürlich – BAföG für Katzen, damit die Studierenden gerne in Aachen bleiben.


Ralf Haupts (UWG Aachen)

1. Thema bezahlbarer Wohnraum: Welche Maßnahmen halten Sie für sinnvoll, um bezahlbaren Wohnraum, der in Aachen immer noch rar ist, für alle zu schaffen?
Keine steuerlichen Bestrafungen bei Mieten unter dem Mietspiegel. Mehr Häuser in städtischem Eigentum, siehe Wien. Keine Veräußerung von städtischem Eigentum. Bezahlbarer Wohnraum, auch für Familien. Sozialer Wohnbau in allen Stadtvierteln und in höherem Anteil, mehr Durchmischung. Vereinfachter Wohngeldantrag für alle.

2. Thema Kinderbetreuung, Vereinbarkeit Familie und Beruf: Wie kann die Versorgungsquote bei den Kitaplätze noch weiter erhöht werden, damit Mütter und Väter erwerbstätig sein können? Welche weiteren Angebote schweben Ihnen für Kinder und Jugendliche vor?
Mehr und gut ausgebildetes Personal. Mehr Räume für Kindergärten schaffen. Kooperation mit Betrieben fördern, um Betriebskindergärten zu schaffen. Mehr Fokus durch Kommunen auf Ausbildung als Erzieher*innen, mehr Ausbildungsplätze schaffen, besseres Einkommen für Erzieher*innen. Mehrgenerationenhäuser fördern. 
Nichtkommerzielle, öffentliche Räume, Treffpunkte für Kinder und Jugendliche, mehr Offene Türen (OTs) schaffen, siehe Spielhaus Kennedypark und OT Vaalserquartier. Erarbeitung von Lösungen durch Kinder- und Jugendparlamente

3. Thema Mobilität: Welche Verkehrskonzepte wollen Sie für Aachen umsetzen, die sicherstellen, dass umweltschonende Alternativen zum Auto – also Rad-, Fuß- und Nahverkehr – gestärkt werden? Welche Maßnahmen für den Klimaschutz wollen Sie außerdem umsetzen? Wie lässt sich die Förderung des Einzelhandels in Aachen mit der Abkehr vom Individualverkehr vereinbaren?
Regio-Tram, ÖPNV, elektrische Mobilität, Seilbahn und Upbus (Kombination aus Seilbahn und autonomen Fahrzeugen), Stärkung von Fuß- und Radverkehr.
Förderung von erneuerbaren Energien durch Steckersolarmodule, Windtrees, Unterstützung regionaler Produktionen und Produkte, Förderung von Permakultur, Blühstreifen, mehr innerstädtische Grünflächen.
Mehr Park-and-Ride-Parkmöglichkeiten, Lagermöglichkeiten für Gepäck, mehr sichere Parkmöglichkeiten für Fahrräder, Parkgebühren von innen nach außen verringern, individuelle Zufahrtsmöglichkeiten für Transport oder Anwohner.

4. Thema Stadtentwicklung: Welche Ideen haben Sie zum Thema Stadtentwicklung/welche Aspekte sind Ihnen bei der Stadtentwicklung wichtig? Was schwebt Ihnen konkret bei der Innenstadt vor?
Mehr Grünflächen, mehr öffentlicher und nichtkommerzieller Raum, vertikale Begrünung, günstigere Mieten von Ladenlokalen, damit inhabergeführter kleiner Einzelhandel ermöglicht wird. Lehrstand übergangsweise oder langfristige umnutzen als z. B. Lernräume, Kleinkunst, Galerien, Wohnraum, Vereinsräume, Quartierstreffpunkte, keine weiteren großen Einkaufszentren, sondern Projekte wie Markthalle am Büchel (Albert Sous).

5. Thema Bildung: Wie stehen Sie zum Thema Digitalisierung und Schule?
Digitalisierung der Schulen muss gefördert werden, sodass Schüler*innen und Lehrpersonen mit den digitalen Medien umgehen können und dass Homeschooling leicht umgesetzt werden kann, falls nötig. Präsenzunterricht, um das soziale Lernen zu fördern, ist auch wichtig. Zurverfügungstellen von entsprechender Hardware für alle Schüler*innen.

6. Welches Thema/welche Themen liegt/liegen Ihnen persönlich am meisten am Herzen für Aachen? Was ist Ihre Zukunftsvision für Aachen?
Mir liegt sehr am Herzen, dass die Menschen in Aachen wieder Lust bekommen, gestalterisch und politisch mehr aktiv zu sein, sodass die Politik von unten nach oben gestaltet wird.
Eine lebendige, grüne, für alle Kulturen/Lebensformen offene, nachhaltige, ökologische sowie bürger*innennahe Stadt. Bessere Kommunikation zwischen städtischen Entscheider*innen und Bürger*innen.


Jörg Polzin

1. Thema bezahlbarer Wohnraum: Welche Maßnahmen halten Sie für sinnvoll, um bezahlbaren Wohnraum, der in Aachen immer noch rar ist, für alle zu schaffen?
Der Ansatz der Stadt Aachen, bei städtischen Wohnungen eine Mietpreisbremse einzusetzen, ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Städtische Freiflächen sollten geprüft werden für Nutzung des geförderten Wohnungsbaus. Die Stadt sollte wieder ein Förderprogramm auflegen für Ausbauten von Wohnraum in privater Hand.
Auch sollte die Stadt Aachen den Airbnb-Dauervermietungen einen Riegel vorschieben. Dadurch geht in Aachen wertvoller Wohnraum verloren. Ich kenne Straßenzüge in Aachen, in denen viele der Wohnungen in Airbnb-Dauervermietung sind.

2. Thema Kinderbetreuung, Vereinbarkeit Familie und Beruf: Wie kann die Versorgungsquote bei den Kitaplätze noch weiter erhöht werden, damit Mütter und Väter erwerbstätig sein können? Welche weiteren Angebote schweben Ihnen für Kinder und Jugendliche vor?
Gerade in der Corona-Krise konnte man ganz klar sehen, wie wichtig Einrichtungen für Kinder und Jugendliche sind. Die Stadt sollte Initiativen, die in der Kinder- und Jugendarbeit aufgestellt sind, durch Fördermittel mehr unterstützen.
Die Stadt sollte als Arbeitgeber durch eine bessere Bezahlung für den Beruf des Erziehers/der Erzieherin werben. Es fehlen Fachkräfte, denen man einen Arbeitsplatz bei der Stadt Aachen attraktiver gestalten muss. Auch muss natürlich der Bau weiterer Kindergärten und Tagesstätten weiter gefördert werden.

3. Thema Mobilität: Welche Verkehrskonzepte wollen Sie für Aachen umsetzen, die sicherstellen, dass umweltschonende Alternativen zum Auto – also Rad-, Fuß- und Nahverkehr – gestärkt werden? Welche Maßnahmen für den Klimaschutz wollen Sie außerdem umsetzen? Wie lässt sich die Förderung des Einzelhandels in Aachen mit der Abkehr vom Individualverkehr vereinbaren?
Der öffentliche Nahverkehr muss natürlich ausgebaut werden. Das heißt, dass in Sachen Taktung auf jeden Fall nachgebessert werden muss. Es kann nicht sein, dass Bürger oder Arbeitnehmer, die z. B. in Aachen arbeiten und in Herzogenrath wohnen, nach 0:15 Uhr keinen Bus mehr bekommen und auf den Wagen angewiesen sind. Auch sollte, um ein Umsteigen auf ÖPNV attraktiver zu gestalten, die Einführung eines 365-Euro-Jahrestickets vorangebracht werden.
Den Autoverkehr in unmittelbarer Zukunft aus der Innenstadt herauszubekommen, wird nicht funktionieren. Aber längerfristig sollten verkehrssichere Fuß- und Radwege gebaut werden.
Durch einen vernünftigen Park-and-Ride-Ausbau in der Stadt Aachen und ein Anwohnerparken nur für Anwohner und Anlieger könnte die Verkehrs- und Parksituation innerstädtisch entlastet werden. Die damit geschaffenen Freiflächen könnten anderweitig genutzt werden. Es parkt kein Besucher am Berliner Ring auf einer unbewachten abgelegenen Parkfläche mit schlechter Verkehrsanbindung sein Auto. Hier könnte die Stadt Aachen z. B. das Parkhaus der Aachen Arkaden zum Teil anmieten und mitnutzen. Dort ist die Anbindung in die Stadt gegeben, die Bustaktung ist zufriedenstellend. Es könnte sich für die Aachen Arkaden sogar eine Win-win-Situation ergeben, da sicherlich durch die Nutzer des Park and Ride die Arkaden auch besucht werden.

4. Thema Stadtentwicklung: Welche Ideen haben Sie zum Thema Stadtentwicklung/welche Aspekte sind Ihnen bei der Stadtentwicklung wichtig? Was schwebt Ihnen konkret bei der Innenstadt vor?
Das Angebot in der Innenstadt fährt immer weiter runter, und das liegt nicht am Internethandel. Sicherlich wurde in der Corona-Krise vermehrt auf Internetbestellungen zurückgegriffen, jedoch schaffen andere Städte, wie zum Beispiel Maastricht oder Lüttich, ein attraktives Gesamtangebot zu präsentieren, das einen Besuch in diesen Städten interessant gestaltet. Aachen könnte sich davon eine Scheibe abschneiden. Was Aachen lernen muss, ist, mal über den Tellerrand zu schauen und Ideen, die in anderen Städten funktionieren, auch mal zu adaptieren.
Die Stadtentwicklung hat durch die neue Baudezernentin neue Impulse bekommen, von denen ich begeistert bin. Wenn man sieht, dass wie in Sachen Büchel nicht immer alle Filetstückchen an Investoren gehen, finde ich, dass dies genau die richtige Richtung ist, um diese Stadt wieder nach vorne zu bringen.
Ich würde mich dafür einsetzen, dass genau das passiert. Die Bürgerinnen und Bürger mehr in die Städteplanung einbinden, denn es ist nicht die Stadt der Verwaltung, sondern der Menschen, die hier leben.

5. Thema Bildung: Wie stehen Sie zum Thema Digitalisierung und Schule?
Durch das Sofortausstattungsprogramm des Landes NRW und die damit verbundenen 1,36 Mio., die für die Stadt Aachen freigegeben wurden, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung getan.
Die Stadt Aachen sollte in den nächsten Jahren mehr Mittel bereitstellen, um die Digitalisierung der Schulen weiter voranzutreiben.

6. Welches Thema/welche Themen liegt/liegen Ihnen persönlich am meisten am Herzen für Aachen? Was ist Ihre Zukunftsvision für Aachen?
Aachen hat in den letzten Jahren viel von seiner Attraktivität verloren. Ob es um Wohnen, Einkaufsmöglichkeiten, Kulturangebote geht, es muss besser werden – und Aachen kann das auch.
Viele Bürgerinnen und Bürger in Aachen haben gerade jetzt in der Corona-Krise bewiesen, wie kreativ diese Stadt ist. Das sollte von der Stadt gefördert werden mit Zuschüssen für Räumlichkeiten, Gründerdarlehen usw.
Aachen muss wieder dorthin, wo es einmal war. Eine Stadt, wo man gerne wohnt und lebt und die man gerne besucht.
Wir müssen aufpassen, dass die Stadt, die mit dem Slogan sprudelnde Vielfalt geworben hat, nicht zu einem dünnen Rinnsal verkommt.


Sibylle Keupen (unterstützt von den GRÜNEN)

1. Thema bezahlbarer Wohnraum: Welche Maßnahmen halten Sie für sinnvoll, um bezahlbaren Wohnraum, der in Aachen immer noch rar ist, für alle zu schaffen?
Die Stadt muss einen stärkeren Einfluss auf den Wohnungsmarkt und die Entwicklung der Mieten bekommen. Mein Vorschlag: Gründung einer neuen, rein städtischen Wohnungsbaugesellschaft. Nach einem ähnlichen Modell wie bei der Gründung der SEGA, der städtischen Stadtentwicklungsgesellschaft, kann eine solche Gesellschaft Wohnungsbauprojekte entwickeln und Schritt für Schritt den Anteil der Stadt am Wohnungsmarkt erhöhen. Es geht dabei in keiner Weise um eine Konkurrenzgesellschaft zur gewoge, die auch weiterhin die städtischen Wohnungen verwalten wird. Es geht um die Entwicklung von Wohnungsbauprojekten im Auftrag der Stadt Aachen. Die Stadt kann und muss die Wohnungsbaufördermittel selbst stärker nutzen.

2. Thema Kinderbetreuung, Vereinbarkeit Familie und Beruf: Wie kann die Versorgungsquote bei den Kitaplätzen noch weiter erhöht werden, damit Mütter und Väter erwerbstätig sein können? Welche weiteren Angebote schweben Ihnen für Kinder und Jugendliche vor?
Die Betreuung von Kindern muss professionell und wohnortnah für Familien abgesichert sein. Dafür bedarf es eines flexiblen Systems, welches auf die Bedarfe der Familien eingeht. Wichtig sind weitere Kitas im Innenstadtbereich und der Ausbau der Tageskinderpflege als flexibles System, das die individuelle Betreuung vor Ort sichert.
Ich setze mich dafür ein, dass die Interessen und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen vertreten sind und gehört werden. Dies gilt für alle Planungen vom großen Ganzen der Stadtentwicklung bis hin zur Gestaltung der Bolzplätze um die Ecke. Wir müssen dringend dafür sorgen, dass die Interessen gleichberechtigt an erster Stelle stehen und dass wir alles dafür tun, damit Kinder und Jugendliche eine gute Zukunft haben. Dazu gehören vor allem auch eine chancengerechte Ausbildung, eine verlässliche Berufsperspektive und ein Lebensumfeld, in dem Familie und Beruf einfach und ortsnah verbunden werden können. Dafür will ich die Initiativen im Stadtteil fördern. Die Zufriedenheit der Bürger*innen mit unserer Stadt – besonders mit unserem direkten Wohnumfeld und Stadtteil – korreliert eng mit den eigenen Gestaltungsmöglichkeiten. Diese sind noch lange nicht ausgeschöpft. Ich möchte unser Gemeinwesen stärken.

3. Thema Mobilität: Welche Verkehrskonzepte wollen Sie für Aachen umsetzen, die sicherstellen, dass umweltschonende Alternativen zum Auto – also Rad-, Fuß- und Nahverkehr – gestärkt werden? Welche Maßnahmen für den Klimaschutz wollen Sie außerdem umsetzen? Wie lässt sich die Förderung des Einzelhandels in Aachen mit der Abkehr vom Individualverkehr vereinbaren?
In der Corona-Krise haben wir bewiesen, dass wir Krisen wie Krisen behandeln können, wenn wir wollen.
Wir brauchen eine intelligente und konsequente Umweltpolitik. Dazu muss das Klimaschutzkonzept der Stadt Aachen oberste Priorität haben und sozialverträglich sein. Wir haben so viele ungenutzte Flächen, die wir mit Solaranlagen ausstatten können. Indem wir erneuerbare Energien massiv ausbauen, sind wir auf einem sehr guten Weg zu einem klimaneutralen Aachen.
Denn unsere Kinder sollten keine Angst um ihre Zukunft haben müssen. Sie sollten nicht auf die Straße gehen müssen, weil die Politik ihrer Verantwortung nicht nachkommt. Sie sollten einfach Kinder sein können.
Wir brauchen eine Mobilitätswende: Die Prioritäten im Straßenverkehr müssen neu gesetzt werden: Zu-Fuß-Gehen, Radfahren, der öffentliche Nahverkehr müssen massiv gefördert werden, um die Stadt lebenswerter für alle zu machen. Die Alternativen zum Auto müssen attraktiv und günstig sein. Wir brauchen eine neue Aufteilung des Straßenraums und mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden. Der öffentliche Verkehr muss ausgebaut werden, das Liniennetz neu geordnet und das 365-Euro-Ticket eingeführt werden. Die Planung für die neue Regio-Tram muss mit Tempo vorangetrieben werden.
Der Einzelhandel braucht Kunden, deshalb muss die Stadt sich aktiv für eine Neugestaltung der Innenstadt einsetzen und aktiv Leerstand umnutzen. Hierfür ist ein Investivprogramm erforderlich, um selbst am Markt aktiv zu sein. Der Handel wird sich in der Innenstadt verdichten und weitere Drittnutzungen werden in bestimmten Bereichen angesiedelt werden, dies sind Wohnen, Lernräume für Studierende, Coworking Spaces und Handwerksbetriebe, die die Stadt beleben und frequentieren, sodass Einkaufen zu einem Erlebnis wird. Attraktive Park-and-Ride-Plätze bringen die Menschen einfach von den Aachen Arkaden und dem Tivoli in die Stadt, Fahrradfahrer*innen haben gute Abstellflächen und Fußgänger haben Platz zum Flanieren.

4. Thema Stadtentwicklung: Welche Ideen haben Sie zum Thema Stadtentwicklung/welche Aspekte sind Ihnen bei der Stadtentwicklung wichtig? Was schwebt Ihnen konkret bei der Innenstadt vor?
Stadt neu erfinden: Die Innenstadt muss wiederbelebt werden und zum Flanieren einladen, als Treffpunkt, Wohnort, Spielplatz und Handelsplatz zum Wohlfühlort werden mit mehr Frei- und Grünflächen, einem neu gestalteten und bespielten Theaterplatz, der Neuentwicklung am Büchel und einem Haus der Bürger*innenschaft für konkrete Begegnung, neue Ideen und junge Kultur. Hier können Reallabore unterschiedlichster Art wachsen, junge Kulturschaffende ihre Ateliers beziehen, kleine Läden öffnen und Cafés kostengünstig zum Verweilen einladen. Ein Ort, wo immer was los ist.
Stadt statt Autobahn: Die Autobahn A 544 von der Abfahrt Rothe Erde bis zum Europaplatz soll aufgegeben werden. Stattdessen kann hier Platz sein für Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Grünflächen. Dies kann Teil einer etwas anderen Landesgartenschau sein und im Rahmen einer internationalen Bau- und Technologieausstellung gelingen.

5. Thema Bildung: Wie stehen Sie zum Thema Digitalisierung und Schule?
Bildung für alle: Schulen müssen zu attraktiven Lernorten werden. Schulen in sozialen Brennpunkten brauchen mehr Platz und mehr Förderung. Mein Ziel lautet: Bildungsgerechtigkeit von Anfang an. Dafür müssen die Schulen jetzt besser ausgestattet werden und allen Kindern Tablets oder Laptops für den digitalen Unterricht zur Verfügung stehen.

6. Welches Thema/Themen liegt/liegen Ihnen persönlich am meisten am Herzen für Aachen? Was ist Ihre Zukunftsvision für Aachen?
Die Bürgerinnen und Bürger liegen mir am Herzen, für sie und mit ihnen will ich diese Stadt nach vorne bringen und richtig gut machen. Die Potentiale sind da! 
Ich wünsche mir eine Bürger*innenkommune, in der die Menschen unabhängig von Status, Ausbildung und Einkommen miteinander für die Stadt einstehen. Transparenz und Beteiligung von Anfang an sind grundlegende Pfeiler einer nachhaltigen Entwicklung in der Stadt. Dafür will ich Foren schaffen, in denen sich die unterschiedlichen Gruppen auf Augenhöhe begegnen und arbeiten können. Die Schubladen mit Plänen in der Verwaltung sind voll, diese will ich leeren und die guten Ansätze mit Tatkraft umsetzen.


Mathias Dopatka (SPD)

1. Thema bezahlbarer Wohnraum: Welche Maßnahmen halten Sie für sinnvoll, um bezahlbaren Wohnraum, der in Aachen immer noch rar ist, für alle zu schaffen?
Für mich ist es eine zentrale Aufgabe der kommenden Jahre, die stetig steigenden Mietpreise zu bremsen. Hierfür ist jedoch ein ganzes Maßnahmenbündel notwendig, da Einzelmaßnahmen alleine nicht ausreichen. Gerade für junge Familien ist es sehr schwierig, Wohnungen in der Innenstadt zu finden. Oft werden geeignete Wohnungen von Studierenden-WGs genutzt, da wir viel zu wenige Wohnheimplätze haben und die Warteliste in normalen Semestern bei über 5.000 Anfragen liegt. Aus diesem Grund schlage ich vor, dass (mindestens) ein kombiniertes Azubi- und Studierendenwohnheim gebaut werden soll. Dies würde die Warteliste bei den Wohnheimplätzen stark reduzieren, sodass auch der Druck auf den restlichen Wohnungsmarkt reduziert wird. Dies ist jedoch nur ein Beispiel für unsere Ideen, wie wir den Wohnmarkt entlasten wollen. In unserem Wahlprogramm (mathias-dopatka.de) gehen wir ausführlich auf die verschiedenen Einzelmaßnahmen ein.

2. Thema Kinderbetreuung, Vereinbarkeit Familie und Beruf: Wie kann die Versorgungsquote bei den Kitaplätze noch weiter erhöht werden, damit Mütter und Väter erwerbstätig sein können? Welche weiteren Angebote schweben Ihnen für Kinder und Jugendliche vor?
Der Flaschenhals für die Lösung dieses Problems ist der Personalmangel. Ich habe beruflich in den letzten acht Jahren die Kitas der Stadt Aachen betreut und kenne die Problematik aus erster Hand. Durch die Corona-Pandemie ist der Personalengpass nochmals angestiegen. In den nächsten Monaten wird es eher darum gehen, dass wir unser bisheriges Angebot aufrechterhalten können. Mittelfristig ist es notwendig, die Ausbildungskapazitäten zu erhöhen (hier möchte ich mich eng mit der StädteRegion abstimmen) und das Gehaltsniveau zu verbessern. Viele junge Menschen entscheiden sich für ein Lehramtsstudium statt für die Erziehungsausbildung, da die beruflichen Perspektiven dort deutlich besser sind. Ich kämpfe für eine Aufwertung des Berufsbildes. Dies werde ich auch als Oberbürgermeister fortführen.

Wenn die Personalfrage gelöst ist, möchte ich sowohl die Versorgungsquote erhöhen als auch die Qualität der Betreuung weiter verbessern. Die modernen Kitas bieten ein deutlich vielfältigeres pädagogisches Angebot als die Kindergärten der Vergangenheit. Mit ausreichendem und motiviertem Personal ist hier noch viel weiterer Spielraum nach oben. Dafür kämpfe ich.
Viele weitere Angebote für Kinder und Jugendliche haben wir in unserem Wahlprogramm aufgeführt (s. o.). Nennen möchte ich hier noch das Jugendparlament, das ich einführen und mit einem eigenen Budget versehen möchte.

3. Thema Mobilität: Welche Verkehrskonzepte wollen Sie für Aachen umsetzen, die sicherstellen, dass umweltschonende Alternativen zum Auto – also Rad-, Fuß- und Nahverkehr – gestärkt werden? Welche Maßnahmen für den Klimaschutz wollen Sie außerdem umsetzen? Wie lässt sich die Förderung des Einzelhandels in Aachen mit der Abkehr vom Individualverkehr vereinbaren?
Um eine wirkliche Mobilitätswende zu schaffen, müssen wir möglichst viele Menschen davon überzeugen, dass es Alternativen zum eigenen Auto gibt, die ähnlich komfortabel, bezahlbar, zuverlässig und sicher sind.
1. Auch im Straßenverkehr gilt: Der Stärkere muss auf den Schwächeren Rücksicht nehmen. Wir müssen unsere Straßen von außen nach innen planen – zuerst den Fuß- und Radverkehr, dann den ÖPNV und als letztes die PKWs. Nur so gelingt uns eine wirkliche Stärkung des Umweltverbunds und die Mobilitätswende.
2. Alle Menschen in Aachen sollen Zugang zu allen Mobilitätsangeboten erhalten. Deshalb haben Barrierefreiheit und der Preis höchste Priorität. Dabei denke ich auch an ein flächendeckendes solidarfinanziertes Tarifmodell, zum Beispiel an ein Jobticket für alle.
3. Busse und Bahnen müssen ähnlich komfortabel, zuverlässig und schnell sein wie das eigene Auto. Nur wenn das Angebot besser wird, lässt man das eigene Auto stehen. Deshalb setze ich auf die Regio-Tram als starke Ergänzung zum bestehenden Busangebot, auf mehr eigene ÖPNV-Trassen, die eine Beschleunigung ermöglichen, und auf mehr Komfort in den Bussen.
Eine wirkliche Mobilitätswende wird uns helfen, circa 33 % unserer geplanten CO2-Reduzierung zu erreichen. Der zweite große Block (ebenfalls ca. 33 %) ist eine energetische Optimierung unserer Bebauung. Hier möchte ich im Bestand optimieren und bei Neubauten höchste Standards für Nachhaltigkeit einführen. Parallel möchte ich möglichst umfangreiche Dachbegrünungen und Entsiegelungen durchführen. Auch die Offenlegung der historischen Bäche wird das Mikroklima deutlich verbessern. Viele weitere Maßnahmen haben wir in unserem Wahlprogramm aufgelistet.
Auf den Einzelhandel gehe ich in Frage 4 ein.

4. Thema Stadtentwicklung: Welche Ideen haben Sie zum Thema Stadtentwicklung/ welche Aspekte sind Ihnen bei der Stadtentwicklung wichtig? Was schwebt Ihnen konkret bei der Innenstadt vor?
Uns fehlt ein echtes Stadtentwicklungskonzept. In den letzten Jahren wurde durch die Verwaltungsspitze keine strategische Zukunftsvision erarbeitet. Vielmehr wurde die Entwicklung sich selbst überlassen – mit den offensichtlichen Folgen. Ich möchte eine Debatte darüber führen, wie wir unsere Innenstadt und unsere Außenbezirke in Zukunft aufstellen wollen.
Wir brauchen eine Vision für eine lebendige Stadt, für eine sichere und nachhaltige Stadt, in der sich die Menschen wohlfühlen und gerne aufhalten.
Die große Herausforderung in den nächsten Jahren wird sein, wie wir die vielen unterschiedlichen Bedürfnisse und Anforderungen an den begrenzten öffentlichen Raum miteinander vereinbaren können. Wie können wir attraktive Angebote zum Wohnen, Arbeiten, Studieren und Einkaufen schaffen? Wo können Flächen entstehen, auf denen sich Menschen aufhalten und verweilen, auf denen Kinder spielen und auf denen Außengastronomie angeboten wird? Und das alles möglichst barrierefrei und nachhaltig.
Zu diesem Thema haben wir eine Podiumsdiskussion veranstaltet, die unter youtube.com/watch?v=WSXLyHUx4rU abgerufen werden kann. Weitere Vorschläge findet man in unserem Wahlprogramm

5. Thema Bildung: Wie stehen Sie zum Thema Digitalisierung und Schule?
Das Thema Digitalisierung im Schulbereich ist in der Vergangenheit deutlich zu stiefmütterlich behandelt worden. Dies liegt auch in einem strukturellen Fehler der Aufgabenverteilung zwischen Land und Kommune. Während das Land die Lehrpläne gestaltet und das Lehrpersonal stellt, ist es die Aufgabe der Kommune, die technische Ausstattung und die Schulgebäude zu stellen. Durch diese historische Aufteilung ist die Last der Digitalisierung sehr ungleich verteilt. Während vor 20 Jahren die „Speerspitze“ der technischen Ausstattung der mobile Fernsehschrank mit VHS-Rekorder war (was durchaus von der Stadt getragen werden konnte), ist das heutige Anforderungsprofil deutlich gestiegen. Die Corona-Krise hat uns gezeigt, welche großen technischen Probleme in der Praxis auftreten, wenn digitales Lernen plötzlich Praxis wird und nicht mehr nur theoretisch diskutiert wird. Ganz praktisch fehlt es oft an der technischen Ausrüstung der Kinder. Gerade Familien mit mehreren Kindern haben in der Regel nicht für jedes Kind eigene Laptops/Tablets. Für viele Familien ist dies auch finanziell schwer zu stemmen. Langfristig setze ich mich dafür ein, dass die Landesregierung einen neuen Schulpakt mit den Kommunen eingeht und einen größeren Anteil der Finanzierung übernimmt. Auch eine bessere Schulung der Lehrkräfte ist hier dringend notwendig. Kurzfristig wollen wir eine ausreichende Anzahl städtischer Tablets für Schülerinnen und Schüler, sodass Familien einen kostenfreien Anspruch auf ein Leihtablet haben. Darüber hinaus wollen wir auch die Infrastruktur der Schulen verbessern, da schnelles Internet für alle oder die technische Grundausstattung für das Lehrpersonal ebenfalls stark zu wünschen übrig lässt.

6. Welches Thema/Themen liegt/liegen Ihnen persönlich am meisten am Herzen für Aachen? Was ist Ihre Zukunftsvision für Aachen?
Zukunft ist für mich nicht nur ein abstraktes Wort, sondern viel mehr. Wenn ich über Politik für die Zukunft spreche, habe ich ein klares Bild vor Augen. Ein Bild von der Welt und der Gesellschaft, in der mein Sohn aufwachsen soll und in der er sich später selbst verwirklichen kann. Diese Vision spornt mich noch mehr an, politisch über mich hinauszuwachsen, Strukturen zu hinterfragen und kreative Lösungen und Antworten zu finden.
Dazu ist es notwendig, mit dem in der Politik immer noch üblichen Denken in separaten Fachbereichen und Politikfeldern aufzuhören. Vielleicht war diese Art des politischen Denkens noch nie zeitgemäß. Eins ist auf jeden Fall klar: Im Jahr 2020 wird es den vielen aktuellen Herausforderungen nicht gerecht.
Wie wollen wir in Aachen zusammenleben? Ist unsere Stadt wirklich für alle da? Wie können wir alle Menschen mitnehmen? Auf solche komplexen Fragen kann es keine einfachen Antworten eines einzigen Fachbereichs oder nur eines Ausschusses geben. Sie ziehen sich durch alle Bereiche unseres Lebens. Sie verbinden verschiedene Aspekte miteinander. Sie bilden den Querschnitt ab.
Drei solcher Querschnittsthemen liegen mir dabei besonders am Herzen, weil ich immer wieder auf sie stoße, wenn ich mich frage, wie unsere Stadt für meinen Sohn, für unser aller Kinder einmal aussehen soll:
– Zusammenhalt, Bildung, Teilhabe
– Klima- und Umweltschutz
– Innovation, Digitalisierung und wirtschaftlicher Aufschwung
Es geht darum, dass Aachen für alle da ist. Darum, dass alle Menschen gleichberechtigt in unserer Stadt zusammenleben, dass alle die gleichen Chancen haben. Und darum, dass alle Kinder gleichen Zugang zu guten Kitas, Schulen und Hochschulen erhalten. Unsere Kinder sollen ihren eigenen Talenten folgen und ihre Wünsche verwirklichen können – und das völlig unabhängig von ihrer Herkunft.


Harald Baal (CDU)

1. Thema bezahlbarer Wohnraum: Welche Maßnahmen halten Sie für sinnvoll, um bezahlbaren Wohnraum, der in Aachen immer noch rar ist, für alle zu schaffen?
Aachen wächst und das macht das Wohnen in Aachen schwieriger. Das trifft besonders Alleinerziehende und Familien mit Kindern hart. Sie haben Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden, die groß genug ist, aber die sie sich trotzdem leisten können. Ich möchte, dass beim öffentlich geförderten Wohnungsbau verstärkt Wohnungen mit drei und mehr Zimmern gebaut werden. Ich möchte als Oberbürgermeister erreichen, dass auch Wohnungen für Studierende eine Mindestgröße von 25 qm nicht unterschreiten. Wir wollen erreichen, dass neben dem geförderten Wohnungsbau auch weiterer preiswerter Wohnungsbau entsteht. Dazu haben wir ein Modell entwickelt, um über eine Kombination von Erbbaurecht und Förderung bezahlbaren Wohnraum langfristig zur Verfügung stellen zu können. Mit einer Quote von 40 % werden wir in den kommenden Jahren den Anteil an bezahlbaren Wohnungen deutlich erhöhen. Auch die gewoge als kommunalen Partner auf dem Wohnungsmarkt sehen wir in der Pflicht, mit gutem Beispiel voranzugehen.

2. Thema Kinderbetreuung, Vereinbarkeit Familie und Beruf: Wie kann die Versorgungsquote bei den Kitaplätze noch weiter erhöht werden, damit Mütter und Väter erwerbstätig sein können? Welche weiteren Angebote schweben Ihnen für Kinder und Jugendliche vor?
Kurz: Wir bauen mehr Kitas – und da sind wir vorne mit dabei. Ob in Brand, Eilendorf oder in der Innenstadt, in den nächsten Jahren werden hunderte neuer Kitaplätze entstehen. Teils wird schon gebaut, teils noch geplant, teils fehlen schlicht die Baufirmen, um loslegen zu können. Da bleiben wir am Ball. Wir müssen gleichzeitig das Angebot an offenen Ganztagsplätzen an den Grundschulen ausbauen. Den Familien ist nicht geholfen, wenn während der Kitazeit beide Elternteile ganztags arbeiten können, aber mit dem Tag der Einschulung ein Betreuungsproblem besteht. Darum ist der OGS-Ausbau genauso wichtig. Dabei wollen wir dem Prinzip „kurze Beine – kurze Wege“ treu bleiben und die Schulplätze möglichst wohnortnah anbieten.
 Wir wollen Kinder und Jugendliche stärker in Entscheidungen einbeziehen. Schließlich geht es häufig um ihre Zukunft. Durch Jugendkonferenzen in den Stadtteilen und Stadtbezirken können die Ideen und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen nicht nur gehört, sondern auch umgesetzt werden.

3. Thema Mobilität: Welche Verkehrskonzepte wollen Sie für Aachen umsetzen, die sicherstellen, dass umweltschonende Alternativen zum Auto – also Rad-, Fuß- und Nahverkehr – gestärkt werden? Welche Maßnahmen für den Klimaschutz wollen Sie außerdem umsetzen? Wie lässt sich die Förderung des Einzelhandels in Aachen mit der Abkehr vom Individualverkehr vereinbaren?
Eine Stadt ist lebendig, wenn sie für alle gut und einfach zu erreichen ist. Alle Verkehrsteilnehmer sollen sicher ans Ziel kommen – unabhängig davon, womit sie unterwegs sind. In den letzten 50 Jahren hat das Auto das Bild von Mobilität definiert. Heute ist das vielseitiger.
 Auf unseren Straßen ist dieser Wandel noch nicht umgesetzt. Das müssen wir ändern.
 Die Menschen sind flexibler geworden und nutzen das Verkehrsmittel, das am besten funktioniert. Wir müssen dafür sorgen, dass bei den anstehenden Umbaumaßnahmen ÖPNV, Radfahrer*innen und Fußgänger*innen in den Vordergrund rücken. Als Oberbürgermeister möchte ich die Bildung von mehreren Mobilitäts-Hubs entlang des Alleenrings als Ergänzung zum zentralen Bushof in Angriff nehmen. Dadurch ist man nicht mehr auf das Auto angewiesen, um alle Orte in der Innenstadt zu erreichen. Wir müssen bei diesem Wandel alle Menschen mitnehmen und gemeinsam praktische Lösungen entwickeln.
Zum Klimaschutz gibt es eine ganze Reihe an Ideen, die wir verfolgen. Einige haben wir bereits in das integrierte Klimaschutzkonzept der Stadt eingebracht und beginnen gerade mit der Umsetzung. Die Mobilität spielt dabei eine ganz entscheidende Rolle. Mit ihr steht und fällt unser Plan, Aachen langfristig klimaneutral zu entwickeln. Bei vielen Aspekten sind wir auf Entscheidungen von Land und Bund angewiesen. Als Oberbürgermeister möchte ich die dafür nötigen Impulse geben, neue Ideen ausprobieren und gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern entscheiden, was davon funktioniert und was nicht.

4. Thema Stadtentwicklung: Welche Ideen haben Sie zum Thema Stadtentwicklung/ welche Aspekte sind Ihnen bei der Stadtentwicklung wichtig? Was schwebt Ihnen konkret bei der Innenstadt vor?
Für uns sind bei der Stadtentwicklung drei Aspekte besonders wichtig: Anpassung an den Klimawandel und Erhöhung der Aufenthaltsqualität, Planung mit den Menschen und tatsächliche Nutzbarkeit.
Durch den Klimawandel müssen wir uns in Aachen auf heiße Sommer und starken Regen einstellen. Das haben wir in den letzten Monaten und Jahren deutlich zu spüren bekommen. Wir müssen die Straßen, Wege und Plätze dementsprechend anpassen. Mehr Bepflanzung und offenliegende Gewässer sorgen für Abkühlung, Bäume bieten Schatten. Wir brauchen Flächen, die das Wasser bei Starkregen zurückhalten und langsam versickern lassen. Entsiegelung von Flächen und Fassadenbegrünung spielen eine wichtige Rolle. Gleichzeitig wird dadurch Aufenthaltsqualität geschaffen. Grünflächen laden zum Entspannen ein, bieten Ruhe und eine Abwechslung vom Alltag. Wir brauchen viel mehr Sitzgelegenheiten. Die technische Entwicklung ermöglicht heute viel mehr, an der frischen Luft zu arbeiten, statt im Großraumbüro. Wir wollen durch kurze Wege zwischen Wohnen und Arbeit Lebensqualität in der Stadt schaffen. 
Die Veränderungen im Stadtbild können wir nur gemeinsam mit den Menschen angehen, die diese Flächen auch nutzen. Darum wollen wir keine Planung von oben festlegen, sondern alle Menschen bei der Planung beteiligen. Jeder soll seine Ideen einbringen können. Auch wenn nicht alle Ideen sich realisieren lassen, liefern sie oft gute Impulse. Der Prozess beim Büchel ist ein gutes Beispiel, wie Bürgerbeteiligung aussehen kann. Durch den offenen Prozess sind viele großartige Ideen zu Tage getreten. Gemeinsam müssen wir jetzt das Beste umsetzen.
Das bringt mich auch direkt zum dritten Aspekt, der mir wichtig ist: die Nutzbarkeit. Wir wollen bei der Stadtentwicklung Projekte umsetzen, die den Menschen in dieser Stadt auch tatsächlich einen Nutzen bringen. Wir brauchen keine Wohnblöcke oder Ladenlokale, die aufgrund der hohen Miete am Ende leer stehen. Wir brauchen eine gute Mischung, die flexibel in der Nutzung ist. Momentan haben wir viele Studierende in der Stadt. Dafür brauchen wir Lernräume und kleinteiligen Wohnraum. Wir wissen aber nicht, wie sich das in den nächsten Jahrzehnten entwickelt. Darum muss die Planung bereits heute eine spätere Umnutzung für andere Zwecke ermöglichen.
Gerade in der Innenstadt müssen wir mit dem Leerstand von Geschäften anders umgehen. Die Pandemie verschärft die schwierige Situation für den Einzelhandel nochmals deutlich. Kurzfristig lassen sich einige Ladenlokale als Lernräume, andere als Pop-up-Stores für Start-ups nutzen. Langfristig müssen wir mit den Eigentümern über die zukünftige Nutzung ins Gespräch kommen.


5. Thema Bildung: Wie stehen Sie zum Thema Digitalisierung und Schule?
Corona hat gezeigt, wo digitaler Unterricht gut funktioniert und wo Nachholbedarf besteht. Das betrifft je nach Schule unterschiedliche Bereiche. Unser Ziel ist es, allen Schulen die Möglichkeit zu geben, digitale Formate ergänzend einzusetzen. Dafür brauchen die Schulen eine leistungsstarke Internetanbindung und eine komfortable Ausstattung mit digitalen Lehrmitteln. Alle Schüler*innen sollen auch zu Hause Zugriff auf PCs oder Tablets haben. Familien wollen wir unbürokratisch unterstützen. Mir ist wichtig, dass die Schulen gut arbeiten können und nicht mit technischen oder logistischen Problemen zu kämpfen haben. Darum muss die Ausstattung so sein, dass es passt. Über das euregionale Medienzentrum sollen die Lehrer*innen umfassend in der Nutzung der neuen Technik fortgebildet werden.

6. Welches Thema/Themen liegt/liegen Ihnen persönlich am meisten am Herzen für Aachen? Was ist Ihre Zukunftsvision für Aachen?
Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass wir nächstes Jahr im Sommer wieder ohne Corona-Einschränkungen an unserem Lieblingsplatz sitzen und Aachen und das Leben hier genießen. 
Bis es so weit ist, müssen wir Lösungen für viele praktische Probleme finden. Der Einzelhandel und die Gastronomie leiden stark. Genauso leiden viele Ehrenamtliche in Vereinen und Institutionen, die ihr Hobby, ihren Sport und ihre gesellschaftlichen Kontakte nicht wahrnehmen können. Als Gesellschaft müssen wir zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen, damit der Schaden nicht zu groß wird. Als Oberbürgermeister möchte ich hier Impulse setzen und mit ganzer Kraft daran arbeiten. Wenn dann bis zum Sommer auch die medizinischen Herausforderungen gelöst sind, wird mein Wunsch hoffentlich wahr.

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