Schuleingangsuntersuchung: „Lob und Spaß sollten im Mittelpunkt stehen“

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Schulpflichtig werden alle Kinder in dem Jahr, in dem sie bis zum 30. September ihren sechsten Geburtstag feiern. Rund um diesen wichtigen Schritt stehen einige Erledigungen und Termine an, einer davon ist die Schuleingangsuntersuchung. Wenn im Gesundheitsamt die allgemeine Entwicklung des Vorschulkindes sowie ein etwaiger Förderbedarf ermittelt werden, erleben auch die Eltern einen aufregenden Tag – Sorgen und Unsicherheiten sind dabei jedoch völlig unbegründet.

Wenn der „Ernst des Lebens“ in greifbare Nähe rückt, ist die Vorfreude bei den künftigen Erstklässlern groß: Werde ich neben meiner besten Kitafreundin oder meinem besten Kitafreund sitzen? Wie sieht mein Klassenraum aus? Und was gehört alles in meinen schicken neuen Schulranzen? Der Übergang von der Kindertageseinrichtung zur Grundschule bringt manch eine Veränderung mit sich und stellt für die ganze Familie eine spannende Phase dar. Dazu zählt auch die Schuleingangsuntersuchung, die in der Regel etwa ein halbes Jahr vor dem Startschuss stattfindet – zuvor erhalten die Eltern eine schriftliche Einladung. Das Ziel der Untersuchung, die aus mehreren Bausteinen besteht, ist es, einen bestmöglichen Schulstart zu garantieren. Mitzubringen sind ein ausgefüllter Elternfragebogen, das gelbe Vorsorgeheft, der Impfpass des einzuschulenden Kindes sowie, falls vorhanden, ärztliche Befundberichte. Dr. Josef Michels, Arbeitsgruppenleiter des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes der StädteRegion Aachen, erklärt: „Nach der neuen Inklusionsberücksichtigung kommen alle Kinder in die Regelschule, je nach Bedarf wird ihnen dort eine Förderung garantiert. Aus diesem Grunde muss die Schule vorher wissen, welche entsprechenden Notwendigkeiten bestehen – sozusagen das Hauptziel der Schuleingangsuntersuchung.“

Diese besteht in der Regel aus zwei Abschnitten à knapp 30 Minuten und sieht unter anderem einen Seh- und Hörtest, die Einschätzung des Sprachvermögens sowie eine Beurteilung des Bewegungsverhaltens und der Aufmerksamkeit vor. Auch das Abmalen von Bildvorlagen oder Zuordnen von Mustern verschafft den Ärztinnen und Ärzten einen guten Eindruck vom jeweiligen Entwicklungsstand, ergänzt durch eine körperliche Untersuchung der angehenden Abc-Schützen. Auch die familiäre Situation sowie die Gegebenheiten fürs heimische Lernen spielen eine Rolle. Dr. Josef Michels: „Da geht es darum, wie Eltern und Kind interagieren und kommunizieren. Handelt es sich dabei um eine ausgefeilte Sprache? Wird den Kindern zu Hause vorgelesen? Diese Fragen fließen ebenfalls in die Bewertung mit ein.“ Hinsichtlich der Artikulation und Aussprache der Vorschulkinder macht der Mediziner in den letzten 20 Jahren eine positive Tendenz aus und findet lobende Worte für die Kolleginnen und Kollegen aus der Pädiatrie: „Kinderärzte legen heute großen Wert auf eine frühzeitige therapeutische Förderung der Aussprache. So ist die Schuleingangsuntersuchung auch keinesfalls als Kontrolle der Kinderärzte zu verstehen – unser Fokus liegt auf schulrelevanten Aspekten.“ Die Zusammenführung beider Sichtweisen, so Michels, ergebe eine optimale Kombination.

Schuleingangsuntersuchung unter Corona-Bedingungen

Ist der Wechsel von der Kita zur Grundschule ohnehin für alle Beteiligten mit vielen Neuerungen verbunden, bringt dieser Übergang seit Ausbruch von Covid-19 noch einige weitere Herausforderungen mit sich. Informationselternabende waren oder sind an vielen Schulen nur bedingt möglich; Gleiches galt und gilt für Kennenlerntermine oder Schulbesichtigungen. Und auch die Schuleingangsuntersuchung findet seit nunmehr zwei Jahren unter Corona-Bedingungen statt: So arbeiten die Ärztinnen und Ärzte mit einer FFP2-Maske; mitunter kommen Plexiglasscheiben zur Verhinderung des Aerosolaustauschs zum Einsatz. „All das wird von den Kindern gut aufgefangen, selbst das Vorsagen von Wörtern durch die Maske bringt weniger Probleme mit sich, als zuvor befürchtet“, freut sich Dr. Josef Michels. „Die Kleinen kennen die Situation aus ihrem Kitaalltag, sodass die Einstellung auf eine coronagerechte Untersuchung das geringste Problem ist.“ Vielmehr müsse man hier und da den Eltern gewisse Unsicherheiten nehmen, Unsicherheiten, die sich durchaus auf die Kinder übertragen können. Ein unnötiger Druckaufbau sei dann die Folge. Der Experte betont: „Die Schuleingangsuntersuchung ist kein Test, bei dem man durchfallen kann. Auch handelt es sich nicht um eine Prüfung, auf die es das Kind umfassend vorzubereiten gilt. Vielmehr sollten Lob und Spaß im Mittelpunkt stehen.“
Tatsächlich haben die meisten Kinder bei diesem Termin viel Freude, und sie gehen gestärkt daraus hervor, dürfen sie doch stolz zeigen, was sie schon alles können. Dr. Josef Michels kann die Nervosität mancher Eltern dennoch nachvollziehen, er kennt die andere Seite ebenfalls: „Die Schuleingangsuntersuchung mit meinem Ältesten fand zu einem Zeitpunkt statt, an dem ich mich in meiner Ausbildung zum Facharzt befand. Damals bemerkte ich, dass ich unter Stress stand, dass da eine gewisse Anspannung war. Meine damalige Sorge, es werde nun die Erziehungsarbeit der letzten fünf Jahre überprüft, war unbegründet. Schmunzelnd stelle ich diesen Irrglauben heute aber auch bei dem ein oder anderen Elternteil fest.“ Wie so oft machen auch hier die Kinder den Großen vor, wie es besser geht: Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase lösen sie die ihnen gestellten Aufgaben und legen dabei jede Menge Spaß und Motivation an den Tag. Beste Startvoraussetzungen für den spannenden Lebensabschnitt, der vor ihnen liegt.

Broschüre „Von der Kita in die Schule“ – hilfreiche Tipps für einen gelungenen Start

Mit der Broschüre „Von der Kita in die Schule“ bietet die StädteRegion Aachen interessierten Eltern hilfreiche Informationen und Tipps für einen erfolgreichen Grundschulstart. Ob das gemeinsame Ausprobieren des Schulwegs, der Kontakt zu künftigen Klassenkameraden oder die Förderung der Selbstständigkeit dank nützlicher Aufträge im Alltag: Schon kleine Handlungen können für den Übergang in die Schule Großes bewirken. Viele Kitas verteilen die Broschüre an die Eltern der Vorschulkinder; unter staedteregion-aachen.de/elpri steht sie zudem in elf Sprachen zum Download bereit.

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