Schafe, Panzer und Natur – Unterwegs im Naturschutzgebiet Brander Wald/Münsterbusch

Foto: Birgit Franchy

Corona macht’s möglich: Tatsächlich habe auch ich in den letzten Wochen Ecken in und um Aachen kennengelernt, von denen ich bislang kaum etwas wusste.
Die sozialen Kontakte auf ein absolutes Minimum reduziert, haben mein 19-jähriger Sohn und ich viel mehr gemeinsame Ausflüge in die Natur unternommen als sonst. An einem Sonntag wollte er mir das Naturschutzgebiet zwischen Brand und Stolberg zeigen. Mit geliehenem Hund im Schlepptau ging es los.

Aus Brand fährt man die Freunder Landstraße Richtung Stolberg und schlägt dann den Weg zum Theater Brand ein. Dort am Freunder Heidweg kann man den Wagen parken, zu Fuß folgt man dem Weg und kommt dann automatisch zu dem Einstieg in das Naturschutzgebiet Brander Wald.
Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß (aber nach der beeindruckenden Tour im Netz nachlese): Es ist mit 194 Hektar das größte in Aachen. Ein bisschen verblüfft, dass das Naturschutzgebiet zugleich Übungsgelände der Bundeswehr ist, und so darf es auch nur an Wochenenden und Feiertagen betreten werden und man muss vor Einbruch der Dunkelheit das Gelände wieder verlassen. Ein paar Panzer zeugen von dieser Koexistenz – bei unserem Spaziergang ein magischer Anziehungspunkt für alle Familien, deren Kinder die Fahrzeuge als willkommenen Spielplatzersatz zum Klettern nutzen.

Erstaunlicherweise scheint die militärische Nutzung neue Lebensräume für die Tierwelt zu schaffen – in tiefen Spurrillen haben sich über dem verdichteten Untergrund kleine Pfützen und Teiche gebildet, in denen munter Molche planschen und Kaulquappen darauf warten, Frösche oder Kröten zu werden.
Auf eine genaue Schilderung unseres Weges verzichte ich an dieser Stelle. Insgesamt ist das Gebiet sehr abwechslungsreich und man kann sich für ganz unterschiedliche Strecken entscheiden. Neben waldigen Stücken gibt es Wiesen mit Obstbäumen oder Weiden, durchzogen von Bächen. Bei unserem Ausflug werden wir Zeugen eines interessanten Schauspiels.

Eine große Schafherde wird gerade von einem Weidegebiet zum anderen getrieben. Ein Schäferhund leitet seine Herde mit scheinbar hunderten Schafen und Lämmern weiter. Keiner der Spaziergänger kann sich diesem Ereignis entziehen. Entzückend ist es, den verspielten Lämmern zuzuschauen und den so verschiedenen Stimmen der Schafe zu lauschen. Wir müssen unverzüglich an Shaun das Schaf denken – kein Wunder, dass sich Aardman Animations ausgerechnet von Schafen zu dieser Serie haben inspirieren lassen. Jedes scheint seinen eigenen Charakter zu haben.
Schlusslicht der Herde bilden eine Schafmutter mit neugeborenen Zwillingslämmchen und eine weitere Schafmutter mit einem winzigen Lamm, an dem noch die Nabelschnur baumelt. Als sie die falsche Richtung nehmen und sich über eine Brücke von der Herde entfernen wollen, bugsieren wir sie in die richtige Richtung und schlagen den Rückweg ein.
Ein wunderbarer Ausflug – wir sind froh, dass wir dank Corona wieder ein neues Gebiet direkt vor den Toren von Aachen erkundet haben.

Naturschutzgebiet Brander Wald
Parken am Freunder Heidweg
Achtung: Zugang nur an Wochenenden und Feiertagen erlaubt
Ausführliche Infos: aachen.de (PDF)

Hinterlasse einen Kommentar