Das Umfeld des Aachener Doms weist einige Besonderheiten auf. Auf der Karte ist ein Bereich dargestellt, der den Bereich der Münster-Immunität im Mittelalter darstellt.
Münster ist ein anderes Wort für Kirche. Immunität heißt, dass man in diesem Bereich nicht einfach von der Polizei festgenommen werden konnte. Dort konnte man sogar Asyl beantragen, wenn man verfolgt wurde. Die Immunität wurde durch die Franzosen aufgehoben (ab 1794). Die Poller zwischen Domhof und Münsterplatz stellen die Grenze zwischen dem kirchlichen Immunitätsbereich und dem städtischen Gebiet dar.

Das benachbarte Grashaus diente ab dem 14. Jahrhundert auch als Gefängnis. Wenn die dort inhaftierten Personen bemerkten, dass eine kirchliche Prozession über den Fischmarkt lief, durfte ihnen das Recht mitzulaufen nicht verwehrt werden. Das Seelenheil war das oberste Ziel. Leider kam es vor, dass sich die Verbrecher nicht alle zurückmeldeten. Folglich wurden die Nicht-Aachener und schlimme Ganoven während der Prozessionen in die Türme der Stadtmauer verlegt.
Am Münsterplatz oberhalb der mittleren Tür der Bäckerei Nobis befindet sich eine Darstellung, die Justitia zeigt. Justitia ist ein anderer Name für Gerechtigkeit und wird auch oft im Zusammengericht mit Gerichten verwendet. Justitia hat die Augen verbunden, damit sie ihr Urteil ohne Berücksichtigung des Ansehens der betroffenen Person spricht. Das Urteil soll auch ausgewogen erfolgen, was durch die Waage sichtbar ist.
An dieser Stelle befand sich früher das Sendgericht oder Kirchengericht. Die Bezeichnung „Send“ ist eine Ableitung von „Synode“. Eine Synode ist eine Versammlung von Priestern und Laien, d. h. nicht geweihten Personen.
Dort wurden kirchliche Anzeigen wie Flüche, gotteslästerliche Reden, unordentliches Wesen, Zecherei (viel Alkohol trinken), Kartenspiel und uneheliche Verhältnisse, aber auch Missachtung der Sonntagsruhe durch Verrichtungen (Arbeiten) in Feld und Flur (hier ist das Feld gemeint, nicht der Hausflur) verhandelt.

Übliche Strafe für das falsche Verhalten war damals das Fasten, diese Strafe wurde später zu einer Geldbuße umgewandelt. Neben körperlichen Züchtigungen waren auch Ehrenstrafen verbreitet. Bei Ehrenstrafen (meistens bei Beleidigungen) mussten die Verurteilten während der Messe mit brennenden Kerzen an der Kommunionbank stehen und Gott um Verzeihung bitten. Ehebrecherinnen mussten mit Steinen um den Hals einen bestimmten Weg um St. Foillan gehen. Dabei wogen die Steine (meistens waren es zwei) mehr als 20 Pfund (10 Kilo).

Ab dem 16. Jahrhundert wurden die Sünder auch auf Pilgerfahrt geschickt. Dadurch kamen sie dann geläutert zurück (wenn überhaupt). Aber auf jeden Fall waren die Missetäter aus der Aachener Gesellschaft entfernt, sodass die Gemüter sich wieder beruhigen konnten. Diese zum Teil sehr harten Strafen sollten abschrecken und die Leute davon abhalten, dass sie sich „falsch“ verhalten. Heute geht es dagegen viel menschlicher zu.
Michael Prömpeler ist Kulturjunkie, Euregio-Kenner und Vorsitzender der Gesellschaft Burtscheid für Geschichte und Gegenwart e. V.
Er stellt für KingKalli ein paar Details aus der Stadtgeschichte vor.
Der Beitrag ist in KingKalli 125 erschienen (Oktober/November 2024).
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