Rollenspielset für angehende Priester – Spielzeugausstellung zeigt Kuriositäten und alte Schätzchen

in Aktuelles um die Ecke, Ausstellung

Bis zum 9. September zeigt das Couven-Museum am Hühnermarkt in der Ausstellung „Holzpferd, Puppe, Zinnsoldat“ historisches Spielzeug aus fünf Jahrhunderten, so auch besagtes Rollenspielset aus dem 19. Jahrhundert.

Wie haben Kinder in früheren Jahrhunderten gespielt? Welche Spiele und Spielzeuge gab es für Jungen und Mädchen? Und wer durfte überhaupt spielen? Diese Fragen stellt die aktuelle Spielzeugausstellung im Couven-Museum. Gezeigt werden dort, wie der Titel verspricht, Holzpferde, Puppen und Zinnsoldaten, aber auch Kurioses, nachdenklich Stimmendes und einige sehr alte Spielzeuge: Die ältesten Stücke der Ausstellung sind archäologische Funde aus der Region, wie zum Beispiel Murmeln aus dem 14. Jahrhundert oder ein barockes Ton-Hündchen, das erst neulich in der Nähe des Aachener Münsterplatzes ausgegraben wurde.

Passend zum Schwerpunkt des Museums stammen die meisten Spielsachen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, einer Zeit, in der reiche Bürgerfamilien die Bildung und Erziehung ihrer Kinder sehr ernst nahmen. Wie schon in früheren Jahrhunderten sollte das Spielen die Kinder auf ihre späteren Erwachsenenrollen vorbereiten: also Puppen und Spielküchen für Mädchen, Soldaten, Trommeln und Kanonen für Jungs. Neu sind in dieser Zeit die „lehrreichen Spielsachen“ für beide Geschlechter. Sie sollten Spaß machen und die Kinder zum Lernen und Nachdenken anregen. Mit der Laterna magica konnte man Bilder an die Wand projizieren, aber auch Baukästen, Papiertheater und Gesellschaftsspiele waren sowohl für Jungen als auch für Mädchen gedacht. Ein schönes Beispiel hierfür ist ein Tierlexikon aus dem frühen 19. Jahrhundert mit dazu passenden Tierfiguren aus Zinn, mit denen die Kinder das Gelernte aus dem Buch nachspielen konnten.

Die Ausstellung zeigt auch besonders wertvolle Stücke wie Puppenmöbel aus Silber (Anfang 20. Jh.) und einige Kuriositäten, die man sich aus heutiger Perspektive nicht mehr in Kinderzimmern vorstellen kann: Zum Beispiel ein Rollenspielset für angehende Priester aus dem 19. Jahrhundert, bestehend aus einem kleinen Altar mit Marienbild und liturgischem Gerät sowie einem Priesterhabit in Kindergröße. Oder eine spiritusbetriebene Blechlok von 1888, die ohne Schienen durchs Kinderzimmer fuhr und pfeifen konnte. Wenn sie allerdings umfiel und der heiße Spiritus auslief, war ein Teppichbrand nicht ganz unwahrscheinlich.

Was in der Spielzeugausstellung auch deutlich wird, ist, dass mit solch wertvollen Spielzeugen nur sehr wenige Kinder spielen durften. Eindrücklich zeigen das die Fotos und Arbeiterlisten der Aachener Tuch- und Nadelfabriken aus dem 19. Jahrhundert, auf denen viele Minderjährige abgebildet sind. Die allermeisten Kinder mussten ab sechs Jahren arbeiten, um zum Familieneinkommen beizutragen, und erst 1839 wurde Kinderarbeit für unter Neunjährige per Gesetz verboten. Für ältere Kinder blieben jedoch bis zu zehn Stunden Arbeit pro Tag erlaubt.

Die Ausstellung umfasst viele ungewöhnliche Stücke und passt so gut in die Architektur des Couven-Museums, dass man als Besucher Einrichtung und Exponate manchmal kaum auseinanderhalten kann. Für ältere Kinder ist ein Besuch sicher interessant, vielleicht am spannendsten mit den Großeltern, die sich an das ein oder andere Spielzeug aus der eigenen Kindheit noch erinnern können. Anfassen und ausprobieren darf man die Spielzeuge leider nicht, auch wenn man bei manchen Stücken Lust dazu hätte. Stattdessen gibt es für Kinder und Schulklassen ein Spielheft, das mit Rätseln, Spielen und Bastelmöglichkeiten kindgerecht durch die Ausstellung führt, und am 17. Juni findet ein Mottotag für Kinder statt, an dem ausdrücklich gespielt werden darf. In Kooperation mit dem Apollo-Kino werden außerdem zwei Filme für Schüler zum Thema Kindheit gezeigt.

Couven-Museum
Hühnermarkt 17, 52062 Aachen,
couven-museum.de

Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung
Reihe Couven/Schulvorstellung im Apollo:
Grenzenlos – Geschichten von Freiheit & Freundschaft
Do, 28.06.2018, 09:00, 11:00, 13:00, 15:00 Uhr

Reihe Couven/Kino im Dialog im Apollo: Kindheit
Mo, 03.09.2018, 18:00 Uhr



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