Raus in die Welt: Von zu Haus ausziehen

in Von und für Jugendliche

Vor einem Jahr bin ich nicht nur von zu Hause ausgezogen, sondern auch gleich in eine neue Stadt gezogen. Nach dem Abitur habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Köln gemacht. Diese Umstellung war für mich aufregend, spannend und ein wenig beängstigend. Mir sind viele Fragen durch den Kopf gegangen. Finde ich neue Freundinnen und Freunde? Fühle ich mich im neuen Zuhause wohl? Werde ich alleine zurechtkommen? Meine größte Angst war, dass ich mich in der Großstadt einsam und verloren fühle.

Gleich zu Anfang habe ich entschieden, mir ein neues Hobby zu suchen. So hat man eine Freizeitbeschäftigung und am besten kommt man dabei zusätzlich mit Menschen ins Gespräch. Also habe ich mich im Fitnessstudio angemeldet. Im Internet habe ich nach Dingen gesucht, die mich interessieren. Dadurch bin ich auf Poetry-Slam-Veranstaltungen gestoßen und habe eine weitere Leidenschaft in Köln für mich entdeckt. Ebenso habe ich Kontakte meiner Arbeitsstelle genutzt, um zusammen etwas zu unternehmen und Freundschaften zu schließen. Durch die Seminare, die man im FSJ macht, trifft man viele andere Freiwillige. Dort habe ich einige Menschen kennengelernt, die in Köln aufgewachsen sind und die Stadt gut kennen. Mit einigen habe ich eine Köln-Tour gemacht, bei der mir einige Highlights und Geheimtipps verraten worden sind. Mit diesen neuen Freundinnen und Freunden bin ich auf eine Vintage-Shoppingtour gegangen, war auf dem Weihnachtsmarkt Schlittschuh laufen und wurde auf eine Geburtsfeier eingeladen. Durch solche Events lernt man wiederum neue Leute kennen. Es gibt Apps, die ähnlich wie Dating-Apps gestaltet sind, um Freundinnen oder Freunde zu finden. Meiner Erfahrung nach ist das nicht für jeden Menschen ein guter Weg, aber ich kenne Leute, bei denen das funktioniert hat. Ich habe zudem Freundinnen aus Aachen nach Köln eingeladen und wir haben gemeinsam neue Kaffees, Clubs und andere Stadtviertel entdeckt.

Dennoch habe ich die meisten Dinge in Köln allein erkundet. Zuerst bin ich in meiner Nachbarschaft spazieren gegangen, um die Gegend kennenzulernen. Anschließend bin ich in die Stadt gefahren und habe Geschäfte, schöne Gassen und Restaurants entdeckt. Immer, wenn etwas besonders ansprechend aussah, habe ich es mir notiert. Somit hatte ich eine Liste an interessanten Orten, auf die ich später zurückgreifen kann, wenn ich Besuch oder Langeweile habe. Als Nächstes bin ich allein in ein Museum und zu einem Flohmarkt gegangen. Ich habe angefangen, alle Dinge, die ich gerne sehen oder machen möchte, einfach zu tun, auch wenn niemand anders mitkommt. Am Anfang ist das ein ungewohntes Gefühl für mich gewesen, aber als ich einmal über meinen Schatten gesprungen bin, habe ich es genießen können. Es kann sehr schön und angenehm sein, Sachen allein und selbstbestimmt tun zu können.

Meine Sorge, keinen Anschluss zu finden, war völlig unbegründet. Die Angst, mich einsam zu fühlen, hat sich ebenfalls nicht bewahrheitet. Ich habe den Eindruck, dieser neue Lebensabschnitt hat mich selbstständiger, unabhängiger und selbstbewusster gemacht.

Nachdem ich mich in Köln eingelebt hatte, kam die Frage auf, was ich studieren möchte. Bei Unsicherheiten in Bezug auf das Studium können Beratungsangebote wie der Talentkompass eine Unterstützung sein. Für mich war klar, dass ich mich für zwei sehr unterschiedliche Studiengänge interessiere. Eine Entscheidung zu treffen war für mich jedoch nicht so leicht. Bei diesem Prozess hat es mir sehr geholfen, mit verschiedenen Menschen zu reden, mich genau über die Studieninhalte zu informieren und auf mein Gefühl zu hören. Viele Universitäten bieten Beratungsgespräche, Infotage oder die Möglichkeit an, in eine Vorlesung reinzuschauen. Während der Coronapandemie war das nicht immer möglich. Zum Glück gibt es mittlerweile wieder viele Angebote, um einen Einblick in verschiedene Studiengänge zu erhalten.

Es ist wichtig, sich den Druck zu nehmen und sich bewusst zu machen, dass nicht die ganze Zukunft von dieser Entscheidung abhängt. Bei den Gesprächen über meine Studienwahl haben mir ganz viele Menschen erzählt, dass sie jetzt etwas ganz anderes machen, als sie studiert haben. Wenn man mit dem gewählten Studiengang nicht zufrieden ist, kann man immer noch wechseln und etwas anderes machen. Sich das bewusst zu machen, war für mich eine große Erleichterung und hat mir geholfen, eine Entscheidung zu treffen. Auf das anstehende Studium freue ich mich jetzt und bin auf Wohnungs- und WG-Suche in Köln.

Es ist wirklich schwierig in der Großstadt ein bezahlbares Zuhause zu finden. Man kann sich auf ein Studentenzimmer beim Studentenwerk bewerben. Dabei ist es entscheidend, sich schnell auf die Warteliste setzen zu lassen. Es gibt für die Wohnungssuche viele Apps, bei denen man Anfragen schicken kann. Meiner Erfahrung nach lohnt es sich besonders bei ImmoScout24 und WG-Gesucht, Menschen anzuschreiben. Über die sozialen Medien kann man ebenfalls suchen. Häufig findet man eine WG oder eine Wohnung durch Bekannte. Durch Corona ist eine Online-Besichtigung der Zimmer und ein Kennenlernen der Vermieterinnen und Vermieter oder der WG-Mitglieder per Videoanruf deutlich gängiger geworden. Das ist besonders praktisch für Menschen, die von weiter weg kommen und nicht die Möglichkeit haben, zu einer Besichtigung in die neue Stadt zu fahren. Insgesamt braucht man etwas Glück bei der Wohnungssuche, aber früher oder später hat es bei jeder Person geklappt, die ich kennengelernt habe. Ich werde sicherlich auch noch etwas finden! Drückt mir die Daumen.

Wir entdecken das schöne Café „Sehnsucht“
Ich erkunde den botanischen Garten in meiner Nachbarschaft

von Estelle Storms

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