Prinzessinnengärten/Berlin im Winter

in Im Beet mit KingKalli

Zwischendurch mal kurz bei den Prinzessinnengärten in Berlin vorbeigeschaut. Dort soll noch bis zum 23.12.2012 der „Kultur-WinterMarkt & Zirkus“ stattfinden. Dieser war auch in vollem Gange, der schneematische Boden mit Stroh bestreut, damit niemand ausrutscht, zogen zahlreiche Alternative und Familien über den Schlamm und bestaunten verschiedene Waren an Ökoständen und einen Kinder-Animateur. Die Pflanzen sind zu dieser Jahreszeit natürlich längst abgeerntet, dennoch zieht die Anlage nach wie vor Besucher an.
Das Gelände hatte ich mir jedoch um einiges größer vorgestellt. Die 6.000 qm wirken im Vergleich zur brachen Fläche am Kaiserplatz recht überschaulich. Da kam schon die Frage auf, ob ein mobiler Garten dieser Größenordung für Aachen nicht etwas ambitioniert wäre.

Die Prinzessinnengärtner in Berlin konnten am 14. Dezember 2012 jedenfalls einen großen Erfolg verbuchen. Nachdem das Grundstück eigentlich verkauft werden sollte, hat der Aufsichtsrat des Liegenschaftsfonds nun dem Rückholantrag des Bezirks stattgegeben. Dies bedeutet, dass das Grundstück nicht privatisiert wird und der Prinzessinnengarten am Moritzplatz bleiben kann. 30.000 Menschen (!!!) hatten gegen den Verkauf mit ihrer Unterschrift protestiert.

Kurz zur Vorgeschichte: Über 60 Jahre lang fristete der Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg ein trostloses Dasein. Ein 6000 Quadratmeter großes Brachland schlummerte dort und vermüllte vor den Augen der desinteressierten Anwohner.
Bis Robert Shaw und Marco Clausen kamen. 2009 entmüllten sie den Platz von 2 Tonnen Unrat und verwandelten mithilfe hunderter Freunde und Nachbarn das Brachland in eine wunderbar begrünte Fläche mit Nutzgarten, eigenem Imker, Lauben und Café, in dem das angebaute Gemüse verwendet wird.
Im Prinzessinnengarten können Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Nachbarn, interessierte Laien, passionierte Gärtner und Freiluftenthusiasten sich an der ökologischen Landwirtschaft beteiligen – und sie tun es gerne! Der Garten wird von allen Alterstufen und Angehörigen der unterschiedlichsten Kulturkreise genutzt.
Das Besondere: der Garten könnte jederzeit umziehen. Da die Stadt das Grundstück nur jeweils für ein Jahr vermietet, bestehen die Gebäude aus Containern und die Pflanzen werden in recycelten Bäckerkisten, Reissäcken und Tetrapaks angebaut. Auf diese Weise kann er auch auf versiegelte Flächen umziehen.
Robert Shaw und Marco Clausen haben die gemeinnützige Gesellschaft „Nomadisch Grün“ gegründet. Sie beraten inzwischen viele Interessenten in anderen Städten, wo ähnliche Projekte entstehen.

Vielleicht findet sich auch in Aachen noch ein Grundstück für einen mobilen Garten, – selbst wenn es im Moment so aussieht, als ob es nicht das Gelände am Kaiserplatz wird.

Infos mobiler Garten in Berlin: www.prinzessinnengarten.net
Buchtipp: „Anders gärtnern in der Stadt“

Infos Bürgerinitiative, die sich für einen mobilen Garten am Kaiserplatz eingesetzt hat:
www.kaiserplatzgalerie-nein-danke.de

 

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