Der Preuswald, eine Wohnsiedlung geprägt von Blocks, die sich um einen Kranz von Bungalows gruppieren und ca. 2.000 Menschen ein Zuhause bieten, war vor 50 Jahren als bessere Wohngegend im Wald geplant worden. Sie entwickelte sich jedoch schnell zum „Sozialraum mit besonderen Herausforderungen“. Heute ist das Viertel wieder auf einem guten Weg. Wir haben einen Blick auf die Situation für Kinder und Jugendliche vor Ort geworfen – immerhin hat der Preuswald mit einer Quote von 25 Prozent U18-Jähriger die höchste Dichte an jungen Menschen in Aachen.
Lara (18) ist im Preuswald aufgewachsen: „Für Kinder und Jugendliche ist es hier eigentlich recht schön“, findet sie. Die Waldesnähe gefalle ihr, außerdem könnten Kinder in den Straßen ungestört Fahrrad fahren oder mit Kreide und Springseilen spielen, Autos führen in dem Wohngebiet nur langsam. Die Busverbindungen in die Stadt seien ebenfalls zufriedenstellend, Busse kämen im 15-Minuten-Takt, zeigt sie sich zufrieden. Dringenden Erneuerungsbedarf macht Lara für die in die Jahre gekommenen Spielplätze aus. Da passt es gut, dass die Stadt soeben knapp 1,5 Millionen Euro im Rahmen des Investitionspakts „Soziale Integration im Quartier 2018“ von Bund und Land zugesprochen bekommen hat. Damit soll eine zentrale, 8.000 Quadratmeter große Fläche im Zentrum des Viertels aufgewertet werden. Derzeit ist diese sehr verschattet und dementsprechend vermoost. Noch 2019 soll eine Bürgerbefragung stattfinden, um zu eruieren, was sich die Bewohner des Viertels für diesen Platz wünschen. Bis 2021 soll er umgestaltet werden.
Einen weiteren Platz zur Freizeitgestaltung hat die Vonovia, die einen Großteil der Mietwohnungen im Preuswald betreibt, 2017 beigesteuert. Zwischen zwei Wohnblocks an der Reimser Straße wurde für 665.000 Euro ein Bewegungsparcours errichtet.
Besonders schlimm findet Lara, dass Kinder und Jugendliche im Wohngebiet nicht Fußball spielen dürfen. Früher sei dies auf einer Wiese erlaubt gewesen, heute stünden dort Verbotsschilder, da es den Anwohnern in den unteren Wohnungen zu laut gewesen sei. Ein Bolzplatz befinde sich zwar neben dem Kinderheim Maria im Tann, doch ein zusätzlicher Platz sei sicher sinnvoll, regt sie an.

Ob sich ein geeigneter Ort in der Wohnanlage finden lässt, wird sich zeigen. Demnächst wird das Schwimmbad an dem 14-stöckigen Wohnhaus Altenberger Straße 4 verschwinden. Investor Landmarken AG, der den Wohngiganten und weitere drei Blocks im Viertel Ende 2018 erworben hat, wird das bereits seit zwei Jahren geschlossene Schwimmbad nicht halten und plant an seiner Stelle die Errichtung einer Gemeinschaftsfläche für die Anwohner des Viertels. Vielleicht bietet die große Wiese am Rand des Wohnviertels, die jedoch eine starke Hanglange hat, ja Platz für einen Bolzplatz im hinteren Bereich.

Pilotmodell für eine integrierte Quartiersentwicklung
Alle Verbesserungen, die in den letzten Jahren über die Bühne gebracht wurden, gehören zum Pilotmodell für eine integrierte Quartiersentwicklung. Sozialraumplanung und Wohnraumentwicklung arbeiten dabei Hand in Hand. 2007 zeigten die Ergebnisse des Sozialentwicklungsplans der Stadt Aachen deutlich, dass in dem Stadtteil dringend etwas passieren musste. Jahrelang war nicht in das Viertel investiert worden, das daraufhin zum sozialen Brennpunkt verkommen war. Eine Bürgerinitiative hatte sich gebildet und forderte vehement Verbesserungen, der Mieterschutzverein führte mehrere Prozesse gegen den Eigentümer der Wohnanlagen.

Die Gründung einer Stadtteilkonferenz, bei der alle Akteure an einem Tisch saßen, trug erste Früchte. Ein Stadtteilbüro nahm 2011 die Arbeit auf, hier konnten Anliegen der Bürger gesammelt werden. Der große Wohneigentümer Vonovia (Nachfolger der Deutschen Annington) änderte sein Konzept und begann, die Mieter in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Die Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft NRW mbH wurde 2015 beauftragt, ein Quartiersentwicklungskonzept zu erstellen. In diesem Zusammenhang wurde schließlich die Modernisierung des Gebäudebestands eingeleitet sowie die soziale Infrastruktur und die Nahversorgung vor Ort gestärkt. Mit anderen Worten: Wohnungen wurden saniert, das Viertel bekam einen neuen Kindergarten, eine neue Grundschule und ein Supermarkt sind gerade in Bau und Planung. Dana Duikers, Abteilungsleiterin Planung beim Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration, zeigt sich zufrieden: „Alle gemeinsam sind wir auf einem guten Weg.“


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