Marsmenschen und der Klimawandel – In dem neuen Theaterstück „Plan(et) B“ des jungen Grenzlandtheaters zeigen Alexis und Marti uns unsere Zukunft.
Am 10. Februar hatte die Inszenierung von Fabian Goedecke Premiere im Theatersaal des Kaiser-Karls-Gymnasiums Aachen. Anwesend waren die fünften und sechsten Klassen. Lucca Sophia Schiewald hat für KingKalli vorbeigeschaut.
Mit einem lauten Knall geht es los. Marti, der Zukunftsmensch, fällt auf die Bühne. Lachend schreien die Kinder auf. Ihre Aufmerksamkeit hat Marti schon mal. Bald kommt auch Alexis dazu. Die beiden erklären, dass sie aus dem Jahr 2109 stammen. Ihr Raumschiff ist hinüber, sie sind vom Mars und auf der Erde gestrandet. Wieso die Menschen der Zukunft auf dem Mars leben? Schuld daran ist der Klimawandel. Denn in der Zukunft ist die Erde ein „grauer Planet“.
Eigentlich wollte Marti seine Oma abholen, doch jetzt sitzen Alexis und er im Jahr 2023 fest, sieben Jahre vor ihrer Geburt. Die Erde sieht ganz anders aus, als sie es sich vorgestellt haben, noch können die Menschen gut auf ihr leben. Alexis, Marti und ihr Publikum wollen diese Chance nutzen und einen Plan B fassen, damit es keinen Planeten B geben muss.
Der lebendige Auftritt und die direkte Ansprache des Publikums ziehen die Schülerinnen und Schüler in den Bann. Auch wenn sie sich ab und an einen Spaß erlauben und ins Stück hineinrufen, helfen sie bei Nachfragen den beiden Zukunftsmenschen aus.
Alexis, gespielt von Linda Klein, kennt sich auf der Erde überhaupt nicht aus. Mit ihrem fehlerhaften Übersetzungsprogramm unterhält sie sich in ihrer eigenen kreativen Sprache mit dem Publikum und sorgt so für Gekicher und Gegacker im Zuschauerraum. Sie versucht auf ihre lebhafte und naive Art, zu verstehen, wie es zum Klimawandel kam und wieso die Menschen nichts dagegen unternommen haben.
Marti hingegen, gespielt von Jannik Hazelhof, kennt sich dank seiner Oma mit der Erde, ihrer Evakuierung und den Hintergründen des Klimawandels aus. Er liefert Alexis und dem Publikum die nötigen Fakten.
Auch die phantasievollen Kostüme und das Bühnenbild von Paula Gehrlein sind ein Hingucker. Die Mauersteine werden für Erklärungen wie Bausteine bewegt und geformt. Das Verstehen der Probleme wirkt kinderleicht und das Weltverbessern spielerisch.
Die Botschaft
Es ist ein Hin und Her zwischen Witz und Ernst. Fakten zur Massentierhaltung wie „Das Kalb wird hauptberuflich Schnitzel“ und Fragen zum Treibhauseffekt wie „Am Furzen geht die Welt zugrunde?“ lassen die Schülerinnen und Schüler verstehen, wo die Probleme liegen, ohne dass es zu großen Emotionsausbrüchen kommt. Denn genau das wollte Fabian Goedecke bewirken. Das Stück soll keinesfalls ein Riesenappell an die Menschheit sein, sondern viel mehr ein Anreiz für die junge Generation, neue Überlegungen und Erfindungen zu entwickeln.
An manchen Stellen hört man dennoch einen Appell, zum Beispiel an die Fleischesser. Dass jedoch nicht jeder „perfekt“ ist, zeigen uns die Schauspielenden auf Nachfrage eines Schülers selbst: Sie leben nicht vegan, finden es dennoch wichtig, es vielleicht zu versuchen.
Alexis, Marti und das Publikum fassen einen Plan, um die Welt zu verändern. Wie das geschehen soll? „Gemeinsam und mutig und sehr, sehr laut“, schlägt Marti vor, die Kinder stimmen ihm zu. Wie das Stück offenbart, ist es am Ende gar nicht wichtig, ob Alexis und Marti wirklich aus der Zukunft stammen. Dem kann ich nur zustimmen, denn die Botschaft wurde verstanden: Wir müssen unsere Welt retten, bevor es zu spät ist. Ideen für die Zukunft kann uns die Forschung liefern, um das zu verstehen, brauchen wir keine Zeitreise mehr.
Dann geht das Licht aus, gespanntes Schweigen und ein tobender Applaus. Ich bin begeistert und die Schülerinnen und Schüler sind es anscheinend auch. Ich sah nur lachende Gesichter, keine Tränen. Nach dem Auftritt fragt Theaterpädagogin Imke Voigt in den Reihen nach Ideen zur Verbesserung. Es werden zahlreiche Vorschläge geliefert und erste Schritte für eine Veränderung im Alltag überlegt, irgendwo muss man ja anfangen. Es folgen gute Ideen und der Wunsch, etwas bewirken zu können. Eine Steuer für Plastikverpackungen wird vorgeschlagen, und ich bin erstaunt. Vielleicht haben wir ja doch noch eine Chance.
Vor dem Saal liegen Plakate, auf denen die Jugendlichen ihre Ideen notieren können. Zwischen der Verwirrung über Stundenplan und Uhrzeit geraten sie jedoch in Vergessenheit. Noch länger möchten sich die Schülerinnen und Schüler gerade nicht mit dem Thema beschäftigen. Trotzdem bin ich überzeugt, dass sie sich beim nächsten Einkauf an Martis Worte erinnern werden, denn dass Wale von der Plastikverpackung eines Marsriegels sterben und dabei vielleicht auch noch die Schokolade schmecken, vergisst man so leicht nicht.
Auch ich habe viel gelacht und mich geärgert über die Kühe, die anscheinend zu viel „furzen“ und die Menschen, die zu bequem für Veränderung sind. Später, als ich einkaufen war, habe ich zweimal überlegt, ob es nicht auch ein veganes Schnitzel sein kann.
Damit möglichst viele Jugendliche erreicht werden können, wird das Theaterstück im Rahmen der Bildungszugabe kostenfrei im Kaiser-Karls-Gymnasium für die Klassen fünf bis sieben angeboten. Außerdem besteht für Schulen und Bildungseinrichtungen außerhalb der StädteRegion die Möglichkeit von Gastspielbuchungen.
Weitere Information zum Theaterstück gibt es bei Imke Voigt:
0241 4746117
greta@grenzlandtheater.de
Aufführungstermine:
Februar 2023:
Aachen – Kaiser-Karls-Gymnasium: 13. bis 15. und 22. bis 24.02.
Alsdorf – KuBIZ Langhaus: 28.02.
März 2023:
Herzogenrath – Europaschule: 01. bis 03.03.
Monschau – St.-Michael-Gymnasium: 07. bis 10.03.
Stolberg – Ritzefeld-Gymnasium: 28. bis 31.03.
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