Pflegefamilien: Neues Zuhause dringend gesucht!

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Wenn die eigene Familie kein Zuhause sein kann, brauchen Kinder einen neuen Platz zum Leben. Im besten Fall ist das kein Kinderheim, sondern eine Familie, in der die Kinder nach einem schwierigen Start ins Leben verlässliche Bezugspersonen finden, die sie auf ihrem weiteren Weg begleiten. Aktuell leben in Aachen 210 Kinder in einer Pflegefamilie. Julia Turchenko hat mit Helga Rifai vom Pflegekinderdienst der Stadt Aachen gesprochen.

 

Frau Rifai, der Pflegekinderdienst sucht nach Familien, die ein Pflegekind bei sich in der Familie aufnehmen. Worum geht es genau?

Wir vermitteln Kinder in Dauerpflege. Das bedeutet, dass die Kinder langfristig nicht mehr in ihren Herkunftsfamilien leben können. Die Ursachen dafür können sehr verschieden sein, aber alle Kinder, die wir in Pflegefamilien vermitteln, haben eine sehr schwierige Zeit hinter sich. Umso mehr brauchen sie dann eine stabile und liebevolle Familie, in der sie Geborgenheit finden. Die meisten Kinder sind noch sehr klein und können sich gut in die neue Umgebung integrieren. Aber nicht jedes Kind passt in jede Familie. Unsere Aufgabe ist es, für jedes Kind die beste Familie zu finden.

Wie stellen Sie sicher, dass das klappt?

Wir beraten die Familien im Vorfeld intensiv. Dazu gehört auch, dass sich die potentiellen Pflegeeltern damit auseinandersetzen, was sie leisten können und wo ihre Grenzen sind. Kann ich es aushalten, wenn mein Pflegekind eine andere Hautfarbe hat oder wenn das Risiko einer Behinderung besteht? Kann ich damit umgehen, wenn die rechtliche Lage nicht gesichert ist? Damit müssen sich die Eltern intensiv beschäftigen.
Wir versuchen außerdem, so viel wie möglich über die Kinder herauszufinden, um ihre Bedürfnisse und mögliche Risiken einzuschätzen. Wenn beispielsweise die leibliche Mutter drogen- oder alkoholabhängig war, vermitteln wir ihre Kinder nicht in eine normale Familie, sondern in eine Erziehungsstelle mit pädagogischem Fachpersonal.

Welche Voraussetzungen muss eine Pflegefamilie denn mitbringen?

In erster Linie sollten potentielle Pflegeeltern natürlich viel Freude am Umgang mit Kindern haben und bereit sein, sich auf ein Kind einzulassen, das keine idealen Startbedingungen mitbringt. Außerdem sind die äußeren Rahmenbedingungen wichtig, das heißt, die Wohnung muss groß genug und der Lebensunterhalt der Familie gesichert sein. Die Kosten für das Kind werden durch das Pflegegeld gedeckt. Außerdem dürfen die Pflegeeltern keine Vorstrafen haben und müssen gesund und auch belastbar sein.

Können beide Eltern berufstätig sein?

Das kommt auf die Situation und das Alter des Kindes an. Im Vordergrund stehen grundsätzlich die Bedürfnisse des Kindes. Es wäre beispielsweise nicht sinnvoll, wenn schon vor dem Kindergartenalter beide Eltern berufstätig sind und das Pflegekind fremdbetreut wird, da die Bindung an die Pflegeperson sehr wichtig ist und oft auch mehr Zeit braucht, um zu wachsen. Solche Situationen erleben wir aber selten, da die Pflegeeltern in der Regel auch gerne viel Zeit mit den Kindern verbringen wollen.

Müssen Pflegeeltern verheiratet sein?

Nein, das ist nicht entscheidend. Wichtig ist, dass die Familiensituation stabil und für das Kind verlässlich ist und die Eltern bereit sind, seine Besonderheiten sowie seine Herkunftsfamilie zu akzeptieren und mit dem Jugendamt zusammenzuarbeiten. Auch Einzelpersonen und gleichgeschlechtliche Paare können sich bewerben.

Was muss eine Familie tun, die ein Kind aufnehmen möchte?

Wenn sich potentielle Pflegeeltern bei uns melden, machen wir einen ersten Hausbesuch, um die Familie und die Wohnsituation kennenzulernen. Im Gespräch und durch Fragebogen informieren uns die Kandidaten über ihr bisheriges Leben, ihre Herkunftsfamilien und ihre Motivation, warum sie ein Kind aufnehmen wollen. Wichtig ist auch, ob ein soziales Netz vorhanden ist, das dem Pflegekind positiv gegenübersteht und die Familie gegebenenfalls unterstützen kann.
Danach nehmen die Eltern an intensiven Schulungen teil, die sie auf ihre neue Aufgabe vorbereiten und auch die Möglichkeit bieten, andere neue Pflegeeltern kennenzulernen. Nach dieser Vorbereitung kann ein Kind aufgenommen werden. Manchmal geschieht das sehr schnell, manche warten danach auch noch einige Monate, bis es so weit ist.

Welche Unterstützung bekommen die Familien, wenn das Kind da ist?

Wir bieten sowohl für die Eltern als auch für die Kinder regelmäßig Trainings und Fortbildungen zu aktuellen Themen an. Außerdem sind Gruppen- und Einzelsupervisionen für die Eltern möglich. Wir bemühen uns auch darum, dass die Familien miteinander in Kontakt stehen und sich austauschen können. Das kann im Alltag eine große Hilfe sein und es gelingt zum Glück oft.
Wenn ein Kind neu in eine Familie kommt, begleiten wir den Prozess durch regelmäßige Hausbesuche. Zweimal im Jahr findet ein Hilfeplangespräch statt, bei dem gemeinsam mit allen Beteiligten resümiert und geplant wird, wie das Pflegekind möglichst gut weiterbegleitet und unterstützt werden kann. Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass die Herkunftsfamilie der Kinder so gut es geht eingebunden wird. Wo immer es geht, versuchen wir, Besuchskontakt zu den leiblichen Eltern zu ermöglichen, und ermutigen Eltern und Pflegeeltern dazu, Erinnerungsfotos zu machen. Für die Kinder ist es wichtig, zu wissen, wo sie herkommen, denn spätestens in der Pubertät wird es für viele zum Problem, wenn sie keine Gelegenheit erhalten haben, dies herauszufinden.

Suchen Sie im Moment verstärkt nach Pflegefamilien?

Tatsächlich ist der Bedarf aktuell etwas höher als sonst. Wir haben im Moment einige Kinder, die längerfristig in Kurzzeitpflegestellen der Familiären Bereitschaftsbetreuung untergebracht sind, weil wir in Aachen und Umgebung keine passenden Pflegefamilien für sie finden oder die Familien sich noch im Schulungsprozess befinden. Grundsätzlich suchen wir aber ständig nach Familien, da wir den Kindern natürlich lange Wartezeiten ersparen wollen.

Der Pflegekinderdienst der Stadt Aachen und des Sozialdienstes katholischer Frauen veranstaltet alle zwei Monate Informationsveranstaltungen für interessierte Eltern.

Nähere Informationen hierzu:

Pflegekinderdienst der Stadt Aachen
Frau Büngeler-Schultheis
Barbarastraße 1, 52068 Aachen
0241 432-5113
pflegekinder@mail.aachen.de
aachen.de/pflegekinderdienst

Pflegekinderdienst beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Aachen
Birgit Capellmann
Wilhelmstraße 22, 52070 Aachen
0241 470450
pflegekinderdienst@skf-aachen.de
skf-aachen.kibac.de/hilfen/hilfen-zur-erziehung/pflegekinderdienst

Pflegekinderdienst StädteRegion Aachen
Hubertine Schiffers
Brabantstraße 27, 52070 Aachen
0241 51982495
hubertine.schiffers@staedteregion-aachen.de
staedteregion-aachen.de/de/navigation/aemter/amt-fuer-kinder-jugend-und-familienberatung-a-51/beratung-und-hilfe/pflegekinderdienst

Pflegekinderdienst des Jugendamts der Stadt Düren
Martina Link-Sielmann
City-Karree (4. Etage, Zimmer 407 und 408)
Wilhelmstraße 34, 52349 Düren
02421 25-2173
pflegekinderdienst@dueren.de
dueren.de/familie_bildung/pflegefamilien

Familiäre Bereitschaftsbetreuung
Ebenfalls gesucht werden Familien für die Familiäre Bereitschaftsbetreuung. Hier werden Kinder kurzfristig in Familien vermittelt, die aus akuten Gefährdungssituationen kommen und maximal drei Monate bleiben, bis sie entweder in die Familie zurückkehren können oder eine andere langfristige Lösung für sie gefunden wurde. Eine pädagogische Ausbildung ist hier nicht notwendig. Gesucht werden erfahrene Laienfamilien. Laut Ralf Bergrath von der Evangelischen Kinder- und Jugendhilfe Aachen-Brand können das Menschen sein, die selbst mehrere Kinder großgezogen haben oder aus beruflichen Gründen einen sehr routinierten Umgang mit Kindern haben. Aktuell werden Familien gesucht, da einige der Aktiven aus Altersgründen ausscheiden möchten und es derzeit an langfristigen Pflegeplätzen mangelt, sodass einige Kinder nicht weitervermittelt werden können.

Informationen zur Familiären Bereitschaftsbetreuung/zeitlich befristeten Vollzeitpflege:

Evangelische Kinder- und Jugendhilfe Aachen-Brand
Ralf Bergrath
Freunder Landstr. 60, 52078 Aachen
0241 92827-10
fbb@kinderundjugendhilfebrand.de
kinderundjugendhilfebrand.net/sub_inobhutnahme.html

Pflegekinderdienst des Jugendamts der Stadt Düren
Martina Link-Sielmann
City-Karree (4. Etage, Zimmer 407 und 408), Wilhelmstraße 34, 52349 Düren, 02421 25-2173
pflegekinderdienst@dueren.de
dueren.de/familie_bildung/pflegefamilien

Erziehungsstellen

Der höchste Bedarf besteht aktuell im Bereich der Erziehungsstellen. Dabei handelt es sich um Familien, in denen mindestens ein Elternteil eine pädagogische oder psychologische Ausbildung hat und somit in der Lage ist, auch mit schwierigen Kindern umzugehen, die psychische Belastungen und Entwicklungsschwierigkeiten mitbringen. Für diese Kinder ist es gerade kaum möglich, passende Familien zu finden. Katja Illigens, Erziehungsleitung des Familienzentrums Maria im Tann, bestätigt: „Wir bekommen fast täglich Anfragen für Erziehungsstellen aus ganz Nordrhein-Westfalen, aber die meisten müssen wir ablehnen, weil wir nicht genug Familien haben.“ Vermittelt durch Maria im Tann leben derzeit 26 Kinder in Erziehungsstellen.

Informationen zu Erziehungsstellen:

Kaspar-X Kinder- und Jugendhilfeprojekte
Gabriele Eick
Breitbendenstraße 39a, 52080 Aachen, 0241 943236-0
eick@kaspar-x.de
kaspar-x.de/jugendhilfe/jobs/erziehungsstelle

Maria im Tann – Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe
Katja Illigens
Unterer Backertsweg 7, 52074 Aachen, 0241 70505-0
info@mariaimtann.de
mariaimtann.de/angebote/erziehungsstellen-und-sonderpflegefamilien

Pflegekinderdienst StädteRegion Aachen
Carla Steinbeck
Brabantstraße 27, 52070 Aachen
0241 5198-5134
carla.steinbeck@staedteregion-aachen.de
staedteregion-aachen.de/de/navigation/aemter/amt-fuer-kinder-jugend-und-familienberatung-a-51/beratung-und-hilfe/pflegekinderdienst/erziehungsstellen-profi-eltern



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