Pflegefamilien: Neues Zuhause dringend gesucht!

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Wenn die eigene Familie kein Zuhause sein kann, brauchen Kinder einen neuen Platz zum Leben. Im besten Fall ist das kein Kinderheim, sondern eine Familie, in der die Kinder nach einem schwierigen Start ins Leben verlässliche Bezugspersonen finden, die sie auf ihrem weiteren Weg begleiten. Julia Turchenko hat 2018 mit Helga Rifai vom Pflegekinderdienst der Stadt Aachen gesprochen.
Wir haben hier außerdem alle relevanten Adressen zu Pflegefamilien, Erziehungsstellen und Sozialpädagogische Lebensgemeinschaften zusammengestellt.

 

Frau Rifai, der Pflegekinderdienst sucht nach Familien, die ein Pflegekind bei sich in der Familie aufnehmen. Worum geht es genau?

Wir vermitteln Kinder in Dauerpflege. Das bedeutet, dass die Kinder langfristig nicht mehr in ihren Herkunftsfamilien leben können. Die Ursachen dafür können sehr verschieden sein, aber alle Kinder, die wir in Pflegefamilien vermitteln, haben eine sehr schwierige Zeit hinter sich. Umso mehr brauchen sie dann eine stabile und liebevolle Familie, in der sie Geborgenheit finden. Die meisten Kinder sind noch sehr klein und können sich gut in die neue Umgebung integrieren. Aber nicht jedes Kind passt in jede Familie. Unsere Aufgabe ist es, für jedes Kind die beste Familie zu finden.

Wie stellen Sie sicher, dass das klappt?

Wir beraten die Familien im Vorfeld intensiv. Dazu gehört auch, dass sich die potentiellen Pflegeeltern damit auseinandersetzen, was sie leisten können und wo ihre Grenzen sind. Kann ich es aushalten, wenn mein Pflegekind eine andere Hautfarbe hat oder wenn das Risiko einer Behinderung besteht? Kann ich damit umgehen, wenn die rechtliche Lage nicht gesichert ist? Damit müssen sich die Eltern intensiv beschäftigen.
Wir versuchen außerdem, so viel wie möglich über die Kinder herauszufinden, um ihre Bedürfnisse und mögliche Risiken einzuschätzen. Wenn beispielsweise die leibliche Mutter drogen- oder alkoholabhängig war, vermitteln wir ihre Kinder nicht in eine normale Familie, sondern in eine Erziehungsstelle mit pädagogischem Fachpersonal.

Welche Voraussetzungen muss eine Pflegefamilie denn mitbringen?

In erster Linie sollten potentielle Pflegeeltern natürlich viel Freude am Umgang mit Kindern haben und bereit sein, sich auf ein Kind einzulassen, das keine idealen Startbedingungen mitbringt. Außerdem sind die äußeren Rahmenbedingungen wichtig, das heißt, die Wohnung muss groß genug und der Lebensunterhalt der Familie gesichert sein. Die Kosten für das Kind werden durch das Pflegegeld gedeckt. Außerdem dürfen die Pflegeeltern keine Vorstrafen haben und müssen gesund und auch belastbar sein.

Können beide Eltern berufstätig sein?

Das kommt auf die Situation und das Alter des Kindes an. Im Vordergrund stehen grundsätzlich die Bedürfnisse des Kindes. Es wäre beispielsweise nicht sinnvoll, wenn schon vor dem Kindergartenalter beide Eltern berufstätig sind und das Pflegekind fremdbetreut wird, da die Bindung an die Pflegeperson sehr wichtig ist und oft auch mehr Zeit braucht, um zu wachsen. Solche Situationen erleben wir aber selten, da die Pflegeeltern in der Regel auch gerne viel Zeit mit den Kindern verbringen wollen.

Müssen Pflegeeltern verheiratet sein?

Nein, das ist nicht entscheidend. Wichtig ist, dass die Familiensituation stabil und für das Kind verlässlich ist und die Eltern bereit sind, seine Besonderheiten sowie seine Herkunftsfamilie zu akzeptieren und mit dem Jugendamt zusammenzuarbeiten. Auch Einzelpersonen und gleichgeschlechtliche Paare können sich bewerben.

Was muss eine Familie tun, die ein Kind aufnehmen möchte?

Wenn sich potentielle Pflegeeltern bei uns melden, machen wir einen ersten Hausbesuch, um die Familie und die Wohnsituation kennenzulernen. Im Gespräch und durch Fragebogen informieren uns die Kandidaten über ihr bisheriges Leben, ihre Herkunftsfamilien und ihre Motivation, warum sie ein Kind aufnehmen wollen. Wichtig ist auch, ob ein soziales Netz vorhanden ist, das dem Pflegekind positiv gegenübersteht und die Familie gegebenenfalls unterstützen kann.
Danach nehmen die Eltern an intensiven Schulungen teil, die sie auf ihre neue Aufgabe vorbereiten und auch die Möglichkeit bieten, andere neue Pflegeeltern kennenzulernen. Nach dieser Vorbereitung kann ein Kind aufgenommen werden. Manchmal geschieht das sehr schnell, manche warten danach auch noch einige Monate, bis es so weit ist.

Welche Unterstützung bekommen die Familien, wenn das Kind da ist?

Wir bieten sowohl für die Eltern als auch für die Kinder regelmäßig Trainings und Fortbildungen zu aktuellen Themen an. Außerdem sind Gruppen- und Einzelsupervisionen für die Eltern möglich. Wir bemühen uns auch darum, dass die Familien miteinander in Kontakt stehen und sich austauschen können. Das kann im Alltag eine große Hilfe sein und es gelingt zum Glück oft.
Wenn ein Kind neu in eine Familie kommt, begleiten wir den Prozess durch regelmäßige Hausbesuche. Zweimal im Jahr findet ein Hilfeplangespräch statt, bei dem gemeinsam mit allen Beteiligten resümiert und geplant wird, wie das Pflegekind möglichst gut weiterbegleitet und unterstützt werden kann. Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass die Herkunftsfamilie der Kinder so gut es geht eingebunden wird. Wo immer es geht, versuchen wir, Besuchskontakt zu den leiblichen Eltern zu ermöglichen, und ermutigen Eltern und Pflegeeltern dazu, Erinnerungsfotos zu machen. Für die Kinder ist es wichtig, zu wissen, wo sie herkommen, denn spätestens in der Pubertät wird es für viele zum Problem, wenn sie keine Gelegenheit erhalten haben, dies herauszufinden.

Suchen Sie im Moment verstärkt nach Pflegefamilien?

Tatsächlich ist der Bedarf aktuell etwas höher als sonst. Wir haben im Moment einige Kinder, die längerfristig in Kurzzeitpflegestellen der Familiären Bereitschaftsbetreuung untergebracht sind, weil wir in Aachen und Umgebung keine passenden Pflegefamilien für sie finden oder die Familien sich noch im Schulungsprozess befinden. Grundsätzlich suchen wir aber ständig nach Familien, da wir den Kindern natürlich lange Wartezeiten ersparen wollen.

Der Pflegekinderdienst der Stadt Aachen und des Sozialdienstes katholischer Frauen veranstaltet alle zwei Monate Informationsveranstaltungen für interessierte Eltern.

Familiäre Bereitschaftsbetreuung

Ebenfalls gesucht werden Familien für die Familiäre Bereitschaftsbetreuung. Hier werden Kinder kurzfristig in Familien vermittelt, die aus akuten Gefährdungssituationen kommen und maximal drei Monate bleiben, bis sie entweder in die Familie zurückkehren können oder eine andere langfristige Lösung für sie gefunden wurde. Eine pädagogische Ausbildung ist hier nicht notwendig. Gesucht werden erfahrene Laienfamilien. Laut Ralf Bergrath von der Evangelischen Kinder- und Jugendhilfe Aachen-Brand können das Menschen sein, die selbst mehrere Kinder großgezogen haben oder aus beruflichen Gründen einen sehr routinierten Umgang mit Kindern haben. Aktuell werden Familien gesucht, da einige der Aktiven aus Altersgründen ausscheiden möchten und es derzeit an langfristigen Pflegeplätzen mangelt, sodass einige Kinder nicht weitervermittelt werden können.

Erziehungsstellen

Der höchste Bedarf besteht aktuell im Bereich der Erziehungsstellen. Dabei handelt es sich um Familien, in denen mindestens ein Elternteil eine pädagogische oder psychologische Ausbildung hat und somit in der Lage ist, auch mit schwierigen Kindern umzugehen, die psychische Belastungen und Entwicklungsschwierigkeiten mitbringen. Für diese Kinder ist es gerade kaum möglich, passende Familien zu finden. Katja Illigens, Erziehungsleitung des Familienzentrums Maria im Tann, bestätigt: „Wir bekommen fast täglich Anfragen für Erziehungsstellen aus ganz Nordrhein-Westfalen, aber die meisten müssen wir ablehnen, weil wir nicht genug Familien haben.“ Vermittelt durch Maria im Tann leben derzeit 26 Kinder in Erziehungsstellen.

Nähere Informationen hierzu:

Aachen

Stadt Aachen / Pflegekinderdienst
Barbarastraße 1, 52068 Aachen
0241 432-45777
pflegekinder@mail.aachen.de
aachen.de/pflegekinderdienst
Vermittlung von Dauerpflegefamilien

Pflegekinderdienst beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Aachen
Wilhelmstraße 22, 52070 Aachen
0241 470450
pflegekinderdienst@skf-aachen.de
skf-aachen.de/hilfe-unterstuetzung/pflegekinderdienst/wir-suchen-pflegefamilien/
Vermittlung von Vollzeitpflegefamilien

Evangelische Kinder- und Jugendhilfe Aachen-Brand
Ralf Bergrath
Freunder Landstraße 60, 52078 Aachen
0241 92827-0
fbb@kinderundjugendhilfebrand.de
kinderundjugendhilfebrand.net
Verschiedene Wohngruppen/Intensivgruppen, Tagesgruppen
Familiäre Bereitschaftsbetreuung, Rufbereitschaft und Inobhutnahme im Rahmen des Kinder- und Jugendnotdienstes der Stadt Aachen

Jugendhilfeprojekt Courage e. V.
Anerkannter Träger der freien Jugendhilfe
Augustastraße 13
52070 Aachen
0241 568278-0
jhp-courage.de
Sozialpädagogische Lebensgemeinschaften
Intensivwohngruppe
Mutter-/Kindgruppe für minderjährige und junge Mütter mit Kind

Kaspar-X Intensivpädagogische Netzwerke
0241 94323627
verwaltung@kaspar-xnetzwerke.de
kaspar-xnet.de
Intensivpädagogische Wohngruppen
Erziehungsstellen
Sozialpädagogische Lebensgemeinschaften

Maria im Tann – Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe
Unterer Backertsweg 7, 52074 Aachen, 0241 70505-0
info@mariaimtann.de
mariaimtann.de
Heute ist „Maria im Tann“ ein Jugendhilfe-Zentrum, das in einem differenzierten Angebot von verschiedenen Betreuungsformen erzieherische Hilfestellungen für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Familien gibt.
Erziehungsstellen und Sonderpflegefamilien

StädteRegion

StädteRegion Aachen
Soziale Dienste
Brabantstraße 27, 52070 Aachen
0241 5198-2182
manuela.seitz@staedteregion-aachen.de
staedteregion-aachen.de/de/navigation/aemter/amt-fuer-kinder-jugend-und-familienberatung-a-51/beratung-und-hilfe/pflegekinderdienst
Erziehungsstellen:
0241 5198-5134
carla.steinbeck@staedteregion-aachen.de
staedteregion-aachen.de/de/navigation/aemter/amt-fuer-kinder-jugend-und-familienberatung-a-51/beratung-und-hilfe/pflegekinderdienst/erziehungsstellen-profi-eltern
Pflegekinderdienst für die Gemeinden Baesweiler, Monschau, Roetgen, Simmerath
Vermittlung von Pflegefamilien in Bereitschaft, als Dauerpflegestelle sowie Erziehungsstellen 

Alsdorf

Stadt Alsdorf, Jugendamt
Hubertusstraße 17, 52477 Alsdorf
02404 50-0 (Zentrale)
Pflegekinderdienst:
Berit Strack, 02404 50-278
berit.strack@alsdorf.de
Mona Stollenwerk, 02404 50-204
mona.stollenwerk@alsdorf.de
Alexandra Schlebusch, 02404 50-393
alexandra.schlebusch@alsdorf.de
Simone Ziemons, 02404 50-306
simone.ziemons@alsdorf.de

Eschweiler

Stadtverwaltung Eschweiler
Abteilung Soziale Dienste des Jugendamtes
Johannes-Rau-Platz 1, 52249 Eschweiler
02403 71-0 (Zentrale)
Pflegekinderdienst:
Annegret Goebbels-Roob, 02403 71-260

Herzogenrath

Stadt Herzogenrath
Jugendamt
Rathausplatz 1, 52134 Herzogenrath
02406 83-0
Pflegekinderdienst:
Michael Redlin, 02406 83513
michael.redlin@herzogenrath.de

Stolberg

Stadt Stolberg, Jugendamt
Kupfermeisterstraße 6 (Josefshaus, 2. Etage links), 52222 Stolberg
Pflegekinderdienst:
Heinz Josef Labs,
heinz-josef.labs@stolberg.de
02402 99779744

Würselen

Stadt Würselen, Jugendamt
Morlaixplatz 1, 52146 Würselen
02405 670
Pflegekinderdienst:
Gabriele Eschweiler, 02405 67337

Düren

Pflegekinderdienst des Jugendamts der Stadt Düren
City-Karree, Wilhelmstraße 34, 52349 Düren
02421 25-2144
pflegekinderdienst@dueren.de
dueren.de/familie-bildung/familie-kinder-jugendliche/pflegefamilien

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