Spielzeugwaffen ja oder nein?

in Familienleben

(Birgit Franchy | Aus KingKalli 50, 2012)

Der Colt gehört zum Cowboy wie Rosa zur Prinzessin. Nicht nur zu Karneval sind Pistolen, Säbel und Schwerter bei Kindern beliebt. Aber an Karneval kommt niemand an diesem Thema vorbei, denn der Sohn möchte Ritter oder Cowboy werden oder ein Laserschwert besitzen …


Und die Kindergärten stellen sich die Frage: Waffen erlauben oder besser nicht?
Bei diesem Thema allen gerecht zu werden ist sehr schwer, denn während in manchen Familien Plastikgewehre und zig verschiedene Schwerter zur Grundausstattung gehören, entreißen andere Eltern sogar den Legorittern ihrer Kinder die Waffen.
Aber was macht Waffen so interessant für Kinder?
„Spielzeugwaffen faszinieren, weil sie in der Imagination die eigenen Fähigkeiten potenzieren“, erklärt Günther Gugel, Geschäftsführer des Instituts für Friedenspädagogik in Tübingen. Gerade für Kinder ist das attraktiv. Dabei können sie zwischen Spiel und Realität sehr wohl unterscheiden.
Das Spiel mit Waffen kann eine wichtige Funktion erfüllen: den „ungefährlichen“ Umgang mit Aggressionen. So berichtet die Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, dass Kinder, die von ihren Eltern streng pazi-
fistisch erzogen wurden, besonders heftig Krieg spielten, denn: „Diese Kinder durften keine Aggressionen haben.“
Kindern das Spiel mit Waffen zu verbieten ist sowieso ein vergebliches Bemühen, denn aus jedem Stock oder Stift wird Mithilfe der Phantasie schnell eine Schusswaffe.
Designerin Dominique Esser geht noch einen Schritt weiter. Mit ihrer Diplomarbeit 2011 im Fach „Gender and Design“ erregte sie die Gemüter, als sie die Frage aufwarf: „Ist Wut vielleicht eine Emotion, die exklusiv Männern vorbehalten ist?“ Ihr Vorschlag lautet, Spielwaffen für Mädchen zu produzieren, die auch den gestalterischen Ansprüchen dieser Zielgruppe entsprechen. Warum nicht ein Prinzessin-Lillifee-Softair-Gewehr?
Ob das sein muss, ist sicher diskutierbar.

Grundsätzlich rät die Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung Eltern und ErzieherInnen von einem Spielzeugwaffenverbot ab.
Vielmehr gehe es darum, statt Verbote aufzustellen, mit Kindern im Gespräch zu bleiben und für die Gewalt im Alltag zu sensibilisieren und diese nicht zu tolerieren.

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